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Ostholstein Gefunden: Dagmar Schinke war Willy Brandts Blumenmädchen
Lokales Ostholstein Gefunden: Dagmar Schinke war Willy Brandts Blumenmädchen
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23:25 17.04.2016
Dagmar Schinke und Klaus Ehlers betrachten im Eutin-Kalender ein Foto des Vosshauses. Quelle: Fotos: Peyronnet

Das Blumenmädchen von Willy Brandt ist gefunden. „Mit Freude las ich Ihren Artikel und habe mich natürlich sofort wiedererkannt. Ich bin das Blumenmädchen!“ schrieb Dagmar Schinke den Lübecker Nachrichten. Wir hatten in unserer Ausgabe am Donnerstag nach dem unbekannten Mädchen gesucht, das dem damaligen Außenminister Willy Brandt im April 1967 bei seinem Eutin-Besuch einen Blumenstrauß überreicht hatte. Das Foto ist auf der Rückseite von einem Monatsblatt im Eutin-Kalender 2017 der Bürgergemeinschaft Eutin zu sehen.

 

Dagmar Schinke und der damalige Außenminister Willy Brandt.

„Wir sind in der Öffent- lichkeit aufgewachsen.“ Dagmar Schinke

„Ich habe mich sofort erkannt, wir haben das Foto im Original“, berichtet Dagmar Schinke. Und ihr Lebensgefährte Klaus Ehlers lobt, sie habe schon damals eine gute Haltung bewiesen und sei für ihr Alter — Schinke war elf Jahre alt — sehr selbstbewusst auf den Politiker zugegangen. Zwar war der Besuch Brandts laut Dagmar Schinke für Eutin eine Sensation, aber berühmten Besuchern Blumen zu überreichen, hätten sie und ihre Schwester Carola Simonis, geborene Schinke, öfter gemacht. So begrüßten sie unter anderem Bundeskanzler Konrad Adenauer und den schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten und späteren Bundesverteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel mit einem Blumenstrauß.

Ursprünglich war offenbar ein anderes Mädchen dafür vorgesehen gewesen, Willy Brandt zu begrüßen. „Mein inzwischen verstorbener Vater Alfred Ahrens war zu der angegebenen Zeit Stadtvertreter in Eutin“, schrieb Annegret Ahrens-Seemann den LN. „Als er mich fragte, ob ich an Willy Brandt einen Blumenstrauß überreichen möchte, habe ich aus Schüchternheit abgelehnt.“

Schüchtern war Dagmar Schinke nicht, schon wegen ihrer Blumenübergabe-Erfahrung. Edith und Friedrich-Wilhelm Schinke führten von 1961 bis 1977 das Hotel und Restaurant Vosshaus, das bekannteste Haus am Platze. Berühmte Gäste durch ihre Töchter begrüßen zu lassen, war eine Idee der Eltern. Welche weißen Blumen Willy Brandt bekam, weiß Dagmar Schinke heute nicht mehr. „Es müssen Frühlingsblumen gewesen sein, es war ja im April.“ Die Übergabe ging ganz schnell und war gut organisiert. „Das war früher schon so, dass Sicherheitsbeamte dabei waren, die sagten, was zu machen ist.“ Der Mann, der im Hintergrund des Fotos zwischen Brandt und Schinke steht, ist ein solcher Sicherheitsbeamter.

Dagmar und ihre Schwester Carola verbrachten fast ihre gesamte Kindheit im Vosshaus. „Wir sind in der Öffentlichkeit aufgewachsen“, erinnert sich Dagmar Schinke. „Das war unsere Jugend.“ Dass nichts mehr vom Haus übrig ist, stimmt sie traurig. „Der Brand war schon erschreckend, aber das jetzt. . .“ Seit ein Feuer das Haus vor zehn Jahren zerstörte, liegt an seiner Stelle eine Brache.

Von Susanne Peyronnet

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