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Ostholstein Gegen das Vergessen: Schüler polieren Stolpersteine
Lokales Ostholstein Gegen das Vergessen: Schüler polieren Stolpersteine
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21:56 20.04.2018
Rico (14, li.) und Erik (13) von der Wagrienschule polieren die Stolpersteine in der Hoheluftstraße. Quelle: Fotos: Binder
Oldenburg

„Die Steine sollen glänzen, damit sie auffallen“, erklärt Max. Schließlich hätten sie eine wichtige Bedeutung. Zusammen mit drei Klassenkameraden schrubbt der 14-Jährige die kleinen Platten auf dem Gehweg, bis die eingravierten Namen wieder deutlich zu lesen sind. Namen von Mitgliedern der Familie Rosenblum, allesamt Opfer des Nationalsozialismus.

Die Stolpersteine in der Oldenburger Hoheluftstraße springen Fußgängern wieder deutlich ins Auge. Siebtklässler der Wagrienschule haben sie gestern auf Hochglanz poliert. Die Schule hat vor mehreren Jahren die Patenschaft für die Messingtafeln übernommen.

„Wir müssen ein Zeichen gegen Rechts setzen“

Ausführlich im Unterricht behandelt werde das Thema eigentlich erst in der neunten Klasse, sagt Andreas Kröhl, kommissarischer Leiter der Wagrienschule. Bei aktuellen Anlässen sprächen die Lehrer aber auch mit jüngeren Schülern schon über den dunklen Teil der deutschen Geschichte. Und zurzeit sei das Thema „aktueller denn je“, betont er mit Blick auf die Debatte um antisemitische Strömungen an Berliner Schulen und um die Echo-Verleihung (die LN berichteten). „Rechtes Gedankengut ist leider wieder im Kommen“, so Kröhl. „Es ist entscheidend, rechtzeitig ein Zeichen zu setzen und gegenzusteuern – gerade an Schulen.“ Genauso sieht es Lehrer Matthias Wagner, der schon zum zweiten Mal mit Schülern die Stolpersteine putzt. „Ich habe das Gefühl, dass Judenhass an einigen Orten wieder aufflammt“, warnt er, „da muss man sofort reagieren und offensiv etwas entgegensetzen.“

Die Schicksale

hinter den Namen

Mit den vier Jungen, die jetzt konzentriert die Stolpersteine mit Schwämmen und Tüchern bearbeiten, habe er vor der Aktion über die Bedeutung solcher Tafeln gesprochen. Auch das Datum der Aktion – der 20. April, der Geburtstag Adolf Hitlers – wurde bewusst gewählt und thematisiert.

„In Großstädten gibt es solche Steine auch ganz viel“, weiß Max. Und Erik (13) erzählt, dass er in der Grundschule auch schon einmal Stolpersteine geputzt hat. Dass die Tafeln vielerorts als Zeichen gegen das Vergessen in den Boden eingelassen worden seien, sei eine gute Sache, sind sich die Schüler einig.

Auch über die Familie Rosenblum haben die Jugendlichen etwas erfahren. Einige ihrer Mitschüler haben deren Schicksal im Rahmen einer Projektwoche – zu der auch die letzte Putzaktion gehörte – recherchiert und auf Infotafeln zusammengefasst. Die Opfer wurden zum Teil nicht älter als 19 oder 20 Jahre, bevor sie deportiert und ermordet wurden. „Das ist nicht so viel älter als die Schüler heute sind“, sagt Rektor Kröhl, „das bringt den ein oder anderen schon zum Nachdenken.“

Ein Mahnmal –

auch für Erwachsene

Als alle Stolpersteine wieder glänzen, wird die Gedenkstätte mit drei weißen Rosen verziert und die Schüler legen einen Moment des Schweigens zum Gedenken an die Opfer ein. Andreas Kröhl lobt die Arbeit der jungen Leute. Er hofft, dass die Steine nun wieder mehr Blicke auf sich ziehen. Denn „vielen Erwachsenen würde es ebenfalls gut tun, sich das Geschehene nochmal vor Augen zu führen“.

Von Jennifer Binder

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