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Ostholstein Gegen die Räuber aus der Luft: Schießanlage soll Ernte retten
Lokales Ostholstein Gegen die Räuber aus der Luft: Schießanlage soll Ernte retten
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21:39 19.07.2016
Volker Friederichsen setzt auf seine mit Gasdruck betriebene Schießanlage. Quelle: Klatt

Ein lauter Knall ertönt, doch über den Feldern des Gutes Kremsdorf rührt sich nichts. Kein Jäger in Sicht und auch kein Tier muss sterben. Die mit Gasdruck betriebene Schießanlage auf den Feldern des Gutes hat nur einen Zweck: Sie soll gefräßigen Räubern aus der Luft den Appetit auf Erdbeeren, Kohlrabi und anderes Erntegut verderben. Eine Maßnahme, die jedoch nicht immer nur auf Verständnis stößt. Das laute Knallen hatte kürzlich einige Nachbarn in unmittelbarer Nähe der Markthalle um den Schlaf gebracht.

 

Volker Friederichsen setzt auf seine mit Gasdruck betriebene Schießanlage. Quelle: Fotos: Klatt
Ein arg strapazierter Kohlrabi.

„Die Kunst ist es, die Anlage richtig einzustellen.“ Volker Friederichsen

„Ein Versehen, die Anlage ist an dem betreffenden Abend nicht ausgestellt worden“, bedauert Betriebsleiter und Geschäftsführer Volker Friederichsen. Man habe sich in öffentlichen Foren für diesen Vorgang entschuldigt.

Warum die Anlage notwendig ist, macht Friederichsen anhand der Kohlrabis deutlich, die gerade zu beachtlicher Größe auf seinem Feld heranwachsen. Ein Kohlrabi, den er in seiner Hand hält, weist Schäden von Hagelschlag auf. Doch darüber hinaus hat die Pflanze nur wenig Blätter ausgebildet. „Das passiert, wenn größere Vogelschwärme in die Felder einfallen. Ohne Blätter keine Assimilation – der Kohlrabi kann nicht mehr wachsen“, erläutert Friederichsen. In trockenen Zeiten seien besonders die Erdbeeren gefährdet. „Das ändert sich immer erst, wenn die Ernte einsetzt und Tauben, Möwen und Krähen auf den Feldern wieder ein großes Nahrungsangebot vorfinden.“

Um die Schäden durch Vogelfraß möglichst gering zu halten, kommt auf Gut Kremsdorf schon seit Jahren die Schießanlage zum Einsatz. „Die Kunst ist es, die Anlage richtig einzustellen“, so Friederichsen. Feuere die Anlage zu schnell hintereinander, gewöhnten sich die Vögel an das Geräusch und blieben einfach sitzen. Sei der Abstand zwischen den Schüssen zu groß, kämen die ungebetenen Gäste wieder und verursachen Schäden auf den Feldern. Die optimale Einstellung der Anlage – zur Zeit fällt alle halbe Stunde ein Schuss – sei nur durch Beobachten der Felder zu ermitteln. Zur Zeit ist die Anlage von etwa 5.30 Uhr bis maximal 19 Uhr in Betrieb. Friederichsen: „Das hängt ein bisschen von den Witterungsbedingungen und anderen Umständen ab.“

Früher, so erinnert sich Friederichsen, hätten die Tiere noch geschossen werden dürfen. Als das verboten wurde, habe man extra einen Erntehelfer dafür abgestellt, mit einer Schreckschusspistole von Zeit zur Zeit in die Luft zu schießen. Friederichsen, selbst Inhaber eines Jagdscheins, war dann jedoch von den Behörden darauf hingewiesen worden, dass Besitzer einer Schreckschusspistole einen kleinen Waffenschein haben müssen. Seitdem ist die Schießanlage in Betrieb.

Die Schießanlage hat Friederichsen eigens mit Schussrichtung von der Wohnbebauung weg installiert. „Mit Ausnahme dieser einen Nacht sind bisher keine Klagen an uns herangetragen worden“, sagt er.

Alle halbe Stunde ein Schuss – das ist vergleichsweise noch human. Bis zu 150 Schüsse am Tag dürfen die Anlagen abgeben. Friederichsen hat das schon in Obstanbaugebieten mitbekommen: „Gehen Sie mal ins Alte Land. Da kommen Sie sich vor wie in einem Manöver.“

Die Anwohner in der Nachbarschaft, bei denen sich die LN umhörten, scheint der Schusslärm nicht zu stören. Ohnehin hat die Ernte auf den Feldern begonnen. Friederichsens ungebetene Gäste ziehen daher erstmal weiter.

 Thomas Klatt

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