Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Gemeinde ließ Bäume fällen: Fabrik-Panorama in Timmendorf
Lokales Ostholstein Gemeinde ließ Bäume fällen: Fabrik-Panorama in Timmendorf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:12 19.05.2017

Freie Sicht ist ein relatives Vergnügen: Aufs Meer hinaus beispielsweise mag sie das Auge erfreuen, auf die Rückseite einer Wurstwaren-Fabrik hinaus eher weniger. Letztere Ansicht ist jedoch der Timmendorferin Annette Büsterfeld-Tubbesing beschert worden. Hinter ihrem Grundstück im Jütlandweg liegt ein gemeindeeigenes Areal, das vor Kurzem „gerodet“ wurde, meint sie empört: „Ein Skandal.“

Der Jütlandweg liegt in einer beschaulichen Gegend und mündet in eine Sackgasse mit Wendekreis. Dort steht auch das Haus von Annette Büsterfeld-Tubbesing, ein schmucker Bau, mit grauem Holz verkleidet. „Mein Mann und ich haben das Haus vor zwei Jahren gekauft“, sagt sie. Damals habe sich hinter dem Garten ein regelrechtes Wäldchen befunden, „ein Dickicht, ein kleines Paradies“. Das dichte Grün habe auch Sicht- und Lärmschutz geboten, denn unweit von Büsterfelds Grundstück liegt die Firma Brandenburg mit einigen größeren Hallen.

„Die Fabrik hat mich nicht gestört – aber dann hat die Gemeinde vor einigen Wochen alles abholzen lassen“, sagt die Anwohnerin verärgert. Sie selbst sei während der Arbeiten nicht vor Ort gewesen, habe aber einen Anruf von ihrem Hausmeister erhalten: „Er hat mir gesagt, dass etwas Schlimmes passiert sei.“ Beim ersten Anblick sei sie geschockt gewesen und habe geweint. „Wie kann man einfach so viele Bäume fällen? Es waren bestimmt 80 Stück, dazu viele Sträucher, das war doch ein Biotop“, meint Annette Büsterfeld-Tubbesing ratlos. Zudem gebe es auf dem Gemeindegrundstück auch einen kleinen See, „der beherbergt Frösche, Schmetterlinge und Seevögel“. Der Wert des Hauses sei nun außerdem deutlich gemindert.

Sie bemühe sich seit zwei Jahren darum, einen Kirschbaum kürzen zu lassen, ergänzt eine Nachbarin. „Aber dazu wurde mir vonseiten der Verwaltung gesagt, dass das nicht möglich sei, weil die Vögel diesen Lebensraum benötigten.“ Umso irritierter sei sie über das großflächige Abholzen gewesen. „Aber wenn man nachfragt, erreicht man niemanden in der Verwaltung, und es meldet sich auch niemand zurück.“

Hauptamtsleiter Martin Scheel spricht hingegen von einer „Routinemaßnahme“. „Der Bauhof ist mit der Knickpflege beauftragt, und eben dieser Knick muss alle zehn bis 15 Jahre auf den Stock gesetzt werden.“ Beim genannten See handele es sich um ein Regenrückhaltebecken, „und das ist auf Verlangen des Zweckverbands freigeschnitten worden“. Die Umweltbeauftragte der Gemeinde habe sich das Grundstück extra noch einmal angesehen, „und sie hatte nichts zu beanstanden“.

Als das Haus vor 16 Jahren gebaut wurde, sei dem damaligen Eigentümer zugesichert worden, dass es eine „immergrüne Bepflanzung“ auf dem Wall geben werde, erklärt Annette Büsterfeld-Tubbesing, und dass quasi „hinter einer grünen Wand“ gebaut werden könne. „Ich bin entsetzt über diese rücksichtslose Vorgehensweise“, betont sie. Wegen des Fabriklärms könne sie ihre Terrasse nicht mehr nutzen, „und nachts scheint das Licht der Fabrik in unsere Fenster“. Die Frage sei unter anderem, ob vielleicht eine Lärmschutzwand Abhilfe schaffen könne.

Der Hauptamtsleiter verweist in diesem Zusammenhang auf den B-Plan für das Areal: „Zuerst war die Firma Brandenburg da, später wurde das Baugebiet ausgewiesen. Demnach gibt es im B-Plan keine Festsetzungen, die eine Lärmschutzwand fordern.“ Der Anwohnerin sei deshalb zu empfehlen, ihr Anliegen zunächst in der Einwohnerfragestunde des Bauausschusses vorzutragen.

Sabine Latzel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Ostholstein Malente/Eutin/Brüssel - Die GLC unterliegt in Brüssel

/Brüssel. Die Beschwerde hätte die deutsche und die internationale Tourismuswirtschaft durcheinanderwirbeln können. Doch die EU-Kommission hat die Beschwerde zurückgewiesen.

19.05.2017

Der bange Blick zum Himmel und auf die Handy-Wetter-App begleitet das Eutiner Bluesfest.

19.05.2017

Bisherige Prognose übertroffen – Aber langfristig sinkt die Zahl.

19.05.2017
Anzeige