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20:24 11.01.2017
Professor Mojib Latif aus Kiel mit der Schülergruppe, die sich in der Cesar-Klein-Schule besonders mit dem Klimawandel beschäftigt. Quelle: Fotos: Düvell-Veen
Ratekau

Der eindringliche Appell des Professors hallte lange nach. „Wir müssen endlich anfangen zu handeln“, beschwor Mojib Latif das Publikum am Ende seines Vortrages in der Ratekauer Cesar- Klein-Schule. In dem Bewusstsein jedes einzelnen müsse eine Abwägung erfolgen. „Was wertschätzen wir mehr? Einen zweiten Geländewagen oder saubere Luft?“ fragte er die mehr als 150 Zuhörer, die sich gefangen nehmen ließen von den klaren Worten des 62-Jährigen. Zu ihnen zählten auch mehrere Schüler, die sich im Schulprojekt „Klimawandel“ im Profilfach Geografie intensiv mit diesem Thema beschäftigt hatten.

Meteorologe Professor Mojib Latif zu Besuch in der Ratekauer Cesar-Klein-Schule.

„Herausforderung Klimawandel“ hatte Latif seinen Vortrag überschrieben. Seit 2003 ist er Professor am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel und dort Leiter für die Bereiche Ozeanzirkulation und Klimadynamik sowie für Maritime Meteorologie.

Anschaulich zeichnete er die Entwicklung der drohenden Klimakatastrophe nach, benannte die fossile Energie als Hauptursache der Erderwärmung, und wies auf die dramatischen Folgen eines ständig steigenden Kohlendioxid-Ausstoßes hin. Normalerweise müssten „die Alarmglocken schrillen“, aber: „Wir können CO2 nicht riechen, schmecken, hören oder ertasten“, gab er zu bedenken. Der Anstieg der Treibhausgase führe zu einer Erderwärmung, und die sei derzeit in der Arktis am stärksten. Dort stehe ein ganzes Ökosystem, zu dem auch Eisbären und Kleinstorganismen gehören, auf dem Spiel.

Die Schülergruppe aus dem zwölften Jahrgang mit Antonia Rupp, Shirley Wolf-Dähn, Jule Marie Theurich, Chiara Wellach, André Tams, Carolin Kelch und Anna Helle gab an dem Abend mit ihrem Vortrag „Meeresspiegelanstieg und Küstenschutz an der schleswig-holsteinischen Nord- und Ostsee“ den regionalen Einstieg in die Klimaschutz-Veranstaltung. Im Unterricht hatten sie eigene Recherchen angestellt, sie hatten Experten in Hamburg besucht und dabei auch die Methodik des wissenschaftlichen Arbeitens an Universitäten gelernt.

Angeleitet wurden sie von ihrem Lehrer Heiko Kügler und vom Oberstufenkoordinator Christian Hack. Der 44-jährige Oberstudienrat für die Fächer Geografie und Religion war es auch, der den Kontakt zu Professor Latif suchte und fand. „Ich hatte gehofft, habe aber doch nicht damit gerechnet, dass er Zeit für uns hat“, erklärte Hack. Da er am 1. Februar die Schule wechseln und die Leitung einer Gemeinschaftsschule mit Oberstufe in Trittau (Kreis Stormarn) übernehmen wird, sei dies ein schönes Abschiedsgeschenk gewesen, das er der Cesar-Klein-Schule habe machen können. Zusammen mit Finn Gerstel aus dem 13. Jahrgang gab Hack dann selber noch einen „Einblick in die Arbeit mit Daten, Szenerien und Programmen zur Kartenerstellung“.

Ratekaus Bürgermeister Thomas Keller (parteilos) hatte den Meteorologen und Klimaforscher Latif bereits vor Jahren bei der Siegerehrung eines bundesweiten Klimaschutz-Wettbewerbes in Berlin kennnengelernt. Nun überlegte er, ob er als Bürgermeister, der auch einen Oldtimer fahre, der manchmal mit dem Flugzeug in Urlaub fliege und auch gerne mal ein Rindersteak esse, sich zu diesem Thema überhaupt äußern könne. Klimaschutz werde erst dann effektiv, wenn es für alle zur Selbstverständlichkeit werde, so Keller, und weiter: „Mit Zwang und Verboten funktioniert er nicht.“ Wichtig seien ein gesellschaftlicher Grundkonsens und ein gesellschaftlicher Wandel. Der müsse schon in Kindertagesstätten und Schulen angestoßen werden, denn: „Die Erwachsenen von morgen werden uns Ältere bewegen, gleichermaßen zu agieren.“ Die Klimaschutz-Aktivitäten im Unterricht der Cesar-Klein-Schule lobte der Bürgermeister mit den Worten: „Die Schule ist auf dem Weg zum Ziel.“

Ebenso wie Keller staunte Schulleiter Georg Krauß über das große Interesse, das Zuhörer aus der gesamten Region an diesem Abend zeigten. Damit werde ein Ziel der Schule erfüllt, denn sie will nicht nur schulinterne Veranstaltungen anbieten, sondern für alle Ratekauer geöffnet sein.

Christina Düvell-Veen

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