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Ostholstein Gemeinsam um geliebte Menschen trauern
Lokales Ostholstein Gemeinsam um geliebte Menschen trauern
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11:00 25.11.2018
In Trauercafés können Betroffene um einen Verstorbenen trauern. Zwei Frauen erzählen, warum ihnen dieses Angebot hilft. Quelle: Luisa Jacobsen
Eutin/Neustadt

 „Mein Mann war unheilbar krank“, erzählt Cornelia Steffen. Sein Tod im Juni dieses Jahres kam trotzdem allzu plötzlich. „Eine Woche vor der Hochzeit unseres Sohnes ist er gestorben“, sagt sie. „Statt einer Hochzeitsfeier hatten wir dann eine Trauerfeier.“

Drei Wochen später geht Cornelia Steffen zum ersten Mal zum Trauercafé des Vereins „Beistand am Lebensende“ in Neustadt. Dort sagt sie vor Menschen, die sie noch gar nicht kennt, um wen sie trauert und wie es ihr dabei geht. Das Zusammensein mit Menschen, die Ähnliches durchmachen, hilft der 62-Jährigen. Das Trauercafé, sagt sie, biete ihr einen geschützten Raum. „In der heutigen Zeit trägt man keine Trauerkleidung mehr, man sieht den Menschen ihre Trauer nicht unbedingt an. Hier zeigt sie jeder, hier weiß es jeder.“

Trauern, ohne Angehörige damit zu belasten

Begleitet wird die Gruppe von den drei ehrenamtlichen Trauerbegleiterinnen Margarita Hüpping, Dorothea Klaus und Hannelore Hartog. Sie lenken, wenn nötig, das Gespräch und geben Impulse. „Hierher kann jeder kommen, der das Bedürfnis hat“, sagt Margarita Hüpping. Ohne Anmeldung, wer möchte, kann aber vorher anrufen. Einmal im Monat finden die Treffen statt. Für Cornelia Steffen ist das ausreichend. „Trauerarbeit ist für mich etwas, dass ich allein leisten muss“, sagt sie. „In dieser Zeit passiert auch viel, was man beim nächsten Treffen besprechen kann.“

Manche Menschen, die ins Trauercafé kommen, haben niemanden, mit dem sie über ihren Verlust sprechen können. Andere, wie Cornelia Steffen, brauchen abseits von Familie und Freunden einen Raum für ihre Trauer. „Ich habe drei Söhne“, sagt sie. „Die trauern natürlich auch um ihren Vater.“ Doch die möchte Cornelia Steffen mit ihren Gefühlen nicht noch weiter runterziehen. Natürlich seien sie für sie da, doch sie wolle auch traurig sein dürfen, ohne damit Sorgen bei anderen hervorzurufen.

Aus Trauernden können Freunde werden

Diese Gedanken hatte auch Gisela Nero (73). Seit gut zwei Jahren nimmt sie regelmäßig das Angebot der Hospizinitiative Eutin wahr und besucht das Trauercafé in der Albert-Mahlstedt-Straße. „Mein Mann ist jetzt zweieinhalb Jahre tot“, erzählt sie. Ganz plötzlich sei er gestorben. Auch sie habe das Bedürfnis empfunden, abseits ihrer Familie über ihren Verlust zu sprechen. „Als ich dann das erste Mal hier war, hat es mir den Hals zugeschnürt. Ich sollte eine Kerze anzünden, seinen Namen sagen. Das konnte ich nicht.“ Trotzdem ging sie zum nächsten Treffen und zu den folgenden. „Ich hatte das Gefühl, dass ich hier richtig war“, sagt sie. Die haben alle das gleiche Schicksal gehabt wie ich, diese Traurigkeit empfunden.“

Für manche Menschen sei das Schicksal anderer auch sehr belastend, erklärt Annegret Pistol, Trauerbegleiterin bei der Hospizinitiative. Doch nicht für Gisela Nero. „Natürlich nimmt man das auch mit“, sagt sie. Gleichzeitig lerne man voneinander, sehe wie andere mit ihrem Verlust umgingen und dass sich die Trauer – mit der Zeit – verändert.

Dankbar für gemeinsame Erinnerungen

Zusätzlich zu dem Café hat Gisela Nero auch eine abendliche, feste Trauergruppe besucht. „Da wird intensiver gearbeitet“, sagt sie. „Im Trauercafé ist die Stimmung lockerer.“ Natürlich weine auch mal jemand, doch nicht immer drehe sich im Trauercafé alles um die Traurigkeit. „Es wird sogar viel gelacht, man spricht über Alltägliches“, erzählt Gisela Nero. Und wenn es jemandem einmal ganz schlecht geht, würden die anwesenden Trauerbegleiterinnen Einzelgespräche anbieten.

Gisela Nero ist nach zwei Jahren so weit, dass sie bald aufhören wird, die Treffen zu besuchen. Mit zwei Frauen aus der Gruppe hat sie sich angefreundet. Eine große Bereicherung, findet sie und etwas, worauf sie immer ein wenig gehofft hat.

Menschen, die sich noch ganz am Anfang ihrer Trauer befinden, bei denen der Verlust noch nah ist, möchte Gisela Nero Hoffnung machen. Denn heute, sagt sie, sei ihre Trauer eine positive. Gisela Nero ist dankbar für die gemeinsame Zeit mit ihrem Ehemann und die schönen Erinnerungen, die ihr früher so weh taten. Das Trauercafé habe ihr auf diesem Weg geholfen. „Sicher ist das nicht für jeden etwas“, sagt sie. Doch denen, die sich vielleicht nur nicht trauen einmal hinzugehen, möchte sie Mut machen, es auszuprobieren.

Wo gibt es Trauercafés?

Viele Kirchen, Vereine und Initiativen in Ostholstein bieten regelmäßig ein Trauercafé an. Diese Links führen zu einigen Anbietern.

Förderverein Palliativ-Versorgung Bad Schwartau
Trauercafe Sonnenkinder in Stockelsdorf (für trauernde Eltern)
Kinder auf Schmetterlingsflügeln Pansdorf
Kirchengemeinde Niendorf Ostsee
St.-Nikolai Burg auf Fehmarn
Hospizdienst Oldenburg

Luisa Jacobsen

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