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Ostholstein Zahlen und Fakten zum Tunnelbau
Lokales Ostholstein Zahlen und Fakten zum Tunnelbau
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20:55 06.10.2018
Handout vom 14.08.2015 - Eine grafische Visualisierung des geplanten Fehmarnbelt-Tunnels zwischen Deutschland und Dänemark auf dänischer Seite in Rodbyhavn. Quelle: ICONO A/S/Femern A/S/dpa
Fehmarn

 So wird der Tunnel gebaut Östlich von Rødbyhavn wird eine Fabrik zur Herstellung der Stahlbetonelemente errichtet, aus denen der Tunnel zusammengefügt wird. Außerdem wird hier eine Wohnanlage für die Tunnelbauarbeiter gebaut. Sowohl auf Fehmarn als auch in Rødbyhavn auf Lolland werden Arbeitshäfen eingerichtet. Über die Häfen wird Baumaterial angeliefert, das für den Tunnelbau benötigt wird. Der Arbeitshafen in Rødbyhavn wird der weitaus größere der beiden sein, da hier die Tunnelelemente produziert werden. Der Hafen dient auch dazu, die fertigen Tunnelelemente aus der Fabrik auf den Fehmarnbelt zu schleppen.

Am Meeresboden wird ein 17,6 Kilometer langer Graben von Deutschland nach Dänemark ausgehoben, in den die etwa 40 m breiten und bis zu 15 m hohen Tunnelelemente abgesenkt, dort miteinander verbunden und anschließend abgedeckt werden sollen. Das Aushubmaterial aus dem Graben wird zum Anlegen neuer Küstenbereiche bei Rødbyhavn und bei Puttgarden verwendet.

Portalbauten werden zu beiden Seiten des Fehmarnbelts errichtet, um die Anbindung des Tunnels ans Land zu bewerkstelligen. Sie nehmen die Ein- und Ausfahrtsrampen für Straße und Bahn auf und verbinden diese mit den Fernstraßen und Bahntrassen an Land.

Die Tunnelelemente werden in der Fabrik bei Rødbyhavn hergestellt und von dort nacheinander mit Schiffen auf den Fehmarnbelt geschleppt. Die Tunnelelemente werden eines nach dem anderen von beiden Küsten her in Richtung Mitte des Fehmarnbelts angesetzt.

Autobahn, Bahnanlagen sowie alle benötigten technischen, elektrischen und mechanischen Anlagen werden in den Tunnel eingebaut.

Tests und Eröffnung: Die technischen Anlagen sowie die Sicherheits- und Rettungsprozeduren für den Tunnel werden getestet und behördlich genehmigt, bevor der Tunnel dem Verkehr übergeben wird. Die vorübergehend genutzten Land- und Küstenflächen werden wiederhergestellt, die Tunnelfabrik und der Arbeitshafen werden rückgebaut.

Der größte Teil des ausgehobenen Meeresbodens wird für Landgewinnungsflächen auf Lolland und Fehmarn genutzt. Strände und Dünen sowie Natur- und Weideflächen werden die Landschaft dieser Flächen prägen.

Chronologie
der Beltquerung 1863Der holsteinische Ingenieur und Landvermesser Gustav Kröhnke hat die Idee einer direkten Verkehrsverbindung über den Fehmarnbelt. 1963Eröffnung der Fehmarnsundbrücke zwischen der Insel Fehmarn und dem deutschen Festland. 1992Die Verkehrsminister von Deutschland und Dänemark beschließen Voruntersuchungen zum Tunnel. 1995-1999 Voruntersuchungen zu einer festen Querung über den Fehmarnbelt. 2008Verkehrsminister von Deutschland und Dänemark unterschreiben Staatsvertrag zwischen Deutschland und Dänemark zum Bau einer festen Fehmarnbeltquerung. 2009Das dänische Parlament sowie Bundestag und Bundesrat stimmen dem Staatsvertrag zu + Start der Umweltuntersuchungen und technischen Untersuchungen (Brücken- und Tunnelvarianten). 2011Entscheidung für den Bau eines Absenktunnels. 2013Antrag auf Planfeststellung in Deutschland eingereicht. 2015Baugesetz im dänischen Parlament mit großer Mehrheit beschlossen. 2016Femern A/S schließt vier Hauptbauaufträge mit internationalen Konsortien ab. 2018Ende des Jahres Planfeststellungsbeschluss für den Fehmarnbelttunnel erwartet.

Die Gegner Seit April befassen sich die Richter des Europäischen Gerichtshofs mit den Klagen der beiden Fährunternehmen Scandlines und Stena Line gegen den dänischen Staat sowie die staatseigene Bau- und Betreibergesellschaft Femern A/S. Hintergrund der Klagen sind aus Sicht der Fährunternehmen wettbewerbsverzerrende staatliche Beihilfen, die Dänemark Femern A/S gewährt. Ziel der Kläger sei es, dass der Fall an die EU-Kommission mit der Auflage zurückgeleitet wird, ihn erneut einer juristischen Prüfung zu unterziehen. Auch der Natuschutzbund Deutschland (Nabu) ist der Klage beigetreten. Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller nennt das Projekt „ein unseriös finanziertes, infrastrukturell überflüssiges Vorhaben“ mit irreparablen Schäden für Natur und Umwelt. Zahlen/Vergleiche 18 Kilometerlang wird der Tunnel – das entspricht einer Länge von circa 176 Fußballfeldern. 7 Minutensoll die Fahrt zwischen Deutschland und Dänemark im Zug durch den Fehmarnbelttunnel dauern, 10 Minuten mit dem Auto. 110 km/h ist die Höchstgeschwindigkeit im Tunnel für Autos. Züge durchfahren ihn mit 200 km/h. 160 Kilometer Umweg über Jütland sollen Autos und Güterzüge nach Eröffnung des Tunnels sparen können. 16 000 Seiten an Berichten und Bestandserfassungen füllen die Umweltuntersuchungen zum Tunnel. 73 000 Tonnenwiegt jedes der Standardelemente des Tunnels – so viel wie 14 000 Elefanten. Sie werden in bis zu 45 Meter Tiefe unter Wasser zusammengesetzt. 7,1 Milliarden Euro beträgt das Gesamtbudget für den Bau nach der aktuellsten Finanzanalyse aus dem Jahr 2016. Dänemark finanziert den Fehmarnbelttunnel. Die Menge an Stahl (360 000 Tonnen), die für den Tunnel benötigt wird, entspricht 50 Eiffeltürmen. Der Belttunnel besteht aus 2,5 Millionen Kubikmeter Beton – damit könnte man einen Bürgersteig von Dänemark nach China bauen.

Alev Dogan

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