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Geschichte dreier Männer, die der Krieg nach Grömitz spülte

Grömitz Geschichte dreier Männer, die der Krieg nach Grömitz spülte

„Unsere Aussichten waren allerdings schlecht. Hans Klappenbach

Hier läuft das Saniboot „Erika“ in Grömitz auf den Strand auf. FOTOS: ARCHIV SCHEMMER (3)

Grömitz. . Ihre außergewöhnliche Freundschaft endete erst mit dem Tod. Nach den Wirren des Zweiten Weltkriegs und die Rote Armee im Rücken, strandeten 18 junge Männer der Sanitätskompanie 2/181 am 21. Mai 1945 in Grömitz. Auf der Promenade gibt es noch heute kurz vor dem Yachthafen eine Messingplakette, die daran erinnert: „Hans Klappenbach, mit Saniboot gestrandet“.

LN-Bild

„Unsere Aussichten waren allerdings schlecht. Hans Klappenbach

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Klappenbach war einer von drei Freunden, die in Grömitz ankamen und sich hier eine neue Existenz aufbauten. Es ist eine von vielen Geschichten aus dem Krieg, die im Verborgenen geblieben wären, wenn nicht Hobby-Historiker wie Jörg Schemmer in Grömitz sie wieder zu Tage bringen würden. Schemmer nahm Kontakt zu Familienangehörigen des Trios auf, die noch heute in Ostholstein leben.

Die Sanitätskompanie gehörte der 81. Infanteriedivision an, die im Russlandfeldzug eingesetzt war. Hauptfeldwebel Hans Klappenbach kam mit seiner Kompanie auf dem Rückzug im April 1945 auf der Halbinsel Hela (bei Gdingen/Danzig) an. Dort hatten die jungen Männer die Wahl: Umweg über den Landweg oder mit der „Erika“, einem seeuntüchtigen Flussboot, auf dem Seeweg das Glück suchen. 18 Mann entschieden sich für die dieselbetriebene „Erika“.

Diese hatte einen Tiefgang von 80 Zentimeter und war nur 2,50 Meter breit. Reisegeschwindigkeit: vier Seemeilen in der Stunde. Sie stach am 8. Mai 1945 in See. In der Kompanie-Chronik von einst steht: „Unsere Aussichten waren allerdings schlecht, weil der vorhandene Dieselkraftstoff nicht einmal bis Bornholm gereicht hätte.“ Es war eine dramatische Fahrt. „Die See wurde immer bewegter. Bald zeigten sich Schaumköpfe, Brecher liefen über Bord und das Wasser im Schiffsraum stieg, so dass Bretter und Inventar darin schwammen. Ein großer Teil der Besatzung war seekrank.“ Nach zwei Tagen tauchten am Horizont Klippen und ein Bergmassiv auf, es war die schwedische Insel Hanö. Nachdem die „Erika“ den Fehmarnbelt bei glatter See überquert hatte, steuerte sie am Pfingstsonnabend das Ostseebad Grömitz an, wo das Boot auf denStrand gesetzt wurde.

Die Kompanie um Klappenbach wurde aufgelöst und in den Grömitzer Lazaretten – eingerichtet in Hotels wie der „Seeburg“ – untergebracht. Franz Hackenberg und Heinz Scheel blieben, später stieß auch Klappenbach wieder in Grömitz zu den Freunden. Alle drei verschrieben sich dem Tourismus, Hackenberg mit dem Wannerhus (heute Sinner), Scheel mit der Friesenstube (beide Blankwasserweg) und Klappenbach mit einer kleinen Pension.

Schemmer stieß im Zuge seiner Recherchen auf eine weitere interessante Randgeschichte. Willibald Wollny, der Vierte im Bunde, gehörte ebenfalls der Sanitätskompanie an. Er konnte jedoch nicht mit der „Erika“ übersetzen, weil er am Auge verwundet war. Er kam auf anderem Weg in Neustadt an. Wie er Grömitz erreichte, beschreibt er in persönlichen Aufzeichnungen. „Es geschah Mitte Juni beim Anstehen für das Essen in der Krankenabteilung. Ich traute meinen Augen nicht, da hielt ein Wehrmachts-Pkw und es war der Oberzahlmeister meiner Sanitätskompanie.“ Von ihm habe er erfahren, dass seine Kameraden in Grömitz seien. „Auch unser allseits beliebter Hauptfeldwebel Klappenbach.“ Doch um nach Grömitz zu kommen bedurfte es eines Tricks, denn Grömitz gehörte zum Kral, in dem 650

000 Soldaten eingeschlossen waren. Wollny musste an den englischen Posten vorbei.

Der Oberzahlmeister schleuste ihn im Pkw-Kofferraum bis nach Grömitz. Wollny dazu: „Die alten Kameraden bereiteten mir einen überaus herzlichen Empfang.“ Grömitz war ihre neue Heimat.

Peter Mantik

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