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Ostholstein Geschichten aus dem Salon — vom Frisurenland auf die Bühne
Lokales Ostholstein Geschichten aus dem Salon — vom Frisurenland auf die Bühne
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20:28 21.12.2015
Scharbeutzer Friseurinnen und Hamburger Schauspielerinnen mit Theaterdirektor Karl-Heinz Wellendiek: Vanessa Hartwig (v. l.), Kristin Riegelsberger, Susanne Walbaum, Sylvia Land-Inselmann, Karin Westfal, Pamela Heuvelsmans, Monika Zickermann und Kira Rodemann. Quelle: hfr
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Scharbeutz

Den Meisterbrief der Chefin suchen Kundinnen im „Frisurenland“ in Scharbeutz vergeblich. Das Dokument von Sylvia Land-Inselmann (52) hängt seit einiger Zeit im „Engelsaal“, dem Theater der leichten Muse in Hamburg. Für das Bühnenbild der neuesten Produktion, des Musicals „Silver Ladies“, wurden auch eine Trockenhaube, ein gewaltiger Fön und ein Bedienstuhl aus dem Scharbeutzer Keller geholt und auf die Hamburger Bühne gebracht. Vor allem aber sind es die Texte, die aus Scharbeutz kommen und die das Publikum in der Hansestadt begeistern.

Aber der Reihe nach. Seit etwa fünf Jahren gehört Karl-Heinz Wellerdiek, der Prinzipal vom Engelsaal, zu den Kunden von Sylvia Land-Inselmann. 2010 lockte er mit besonderen Strandkörben, Saftbar und Massage-Zelt in das Scharbeutzer Strandtheater und begeisterte dort mit der 50er-Jahre-Revue „Komm ein bisschen mit nach Italien“ sein Publikum. Immer wieder besuchte Wellerdiek auch in den Jahren danach die Damen im Scharbeutzer „Frisurenland“.

Vor zwei Jahren offenbarte er ihnen dann seine Idee: „Bei euch geht es immer so lustig zu. Ich möchte gerne mal ein Stück über euch schreiben.“ Für die Friseurmeisterin Sylvia Land-Inselmann kein Thema: „Natürlich mache ich mit. Wir geben dir ganz viel Stoff, und du machst daraus das Beste.“ Außerdem sicherte sie dem Theater-Direktor zu, den Schauspielerinnen einige Handgriffe zu zeigen, die für die authentische Darstellung des Friseur-Handwerkes unbedingt erforderlich sind.

In den dann folgenden Monaten saß Rainer Schuhmacher, ein ehemaliger Schuldirektor und die „gute Seele“ des Betriebes, häufig im Geschäft. Er schrieb all das auf, was ihm die Chefin und ihr Team, zu dem ein Friseurmeister sowie sieben Mitarbeiterinnen gehören, so erzählten.

Wellerdiek, der in Hamburg und New York zum Schauspieler und Sänger ausgebildet wurde, schrieb das Buch und die Liedtexte, Ralf Steltner komponierte die Musik, Philip Lüsenbrink übernahm die Regie.

Vor kurzem war es so weit. Sylvia Land-Inselmann und einige Damen aus ihrem Team fuhren zur Premiere in den Hamburger Engelsaal und setzten sich, leicht aufgeregt, zu den anderen etwa 140 Zuschauern.

Sie fanden die alten Requisiten, sahen genau hin, wenn die Schauspielerinnen in ihre Rollen schlüpften und hörten oftmals eigene Dialoge wieder.

„Da wurde von unseren empfindlichen und zickigen Kundinnen erzählt, vor allem aber wurde der hilfsbereite und freundschaftliche Umgang miteinander dargestellt“, so Sylvia Land-Inselmann. Besonders gut gefiel ihr Karin Westfal in der Rolle von Evelin, der Salon-Chefin: „Das ist eine ganz taffe Frau, die sich sehr ausdrucksstark präsentiert.“

Die Geschichte spielt in dem Friseur-Salon Engel, der — ebenso wie seine Chefin Evelin — schon bessere Zeiten gesehen hat. Auch wenn die Friseurin immer hart am Existenzminimum lebt, so lässt sie sich ihre Lebensfreude nicht nehmen. Behilflich sind ihr dabei die beiden besten Freundinnen Hannelore und Irmgard. Prinzipal Wellerdiek verrät: „Das sind drei in Würde ergraute Grazien voller Tatendrang, die sich vorgenommen haben, den Herbst ihres Lebens mit Genuss und Sinneslust zu gestalten.“ Die drei halten auch zusammen, als durch die Kündigung des Hausbesitzers der Salon weiter in Gefahr gerät.

Auch wenn es auf der Hamburger Bühne vieles gibt, was sich in Scharbeutz ereignet hat, so entspringt eines doch vollkommen der Künstler-Phantasie: Anders als der Salon in Hamburg ist der in Scharbeutz wirtschaftlich gesund. „Unser Geschäft läuft sehr, sehr gut“, berichtet Sylvia Land-Inselmann.

Eines ist aber gleich: An der Elbe wie an der Ostsee gibt es die Original Haarpflege-Serie zum Musical, bestehend aus Shampoo, Haarspray und Conditioner. Und die heißt natürlich auch „Silver Ladies“.

Christina Düvell-Veen

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