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Ostholstein Gestatten, Heiligenhafens Flaggenmann
Lokales Ostholstein Gestatten, Heiligenhafens Flaggenmann
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21:01 07.04.2016
Günter Kahlke ist der „Flaggenmann der Warderstadt“. Quelle: Peter Mantik

Der große Mast im Garten der Kahlkes fällt ins Auge. Die Heiligenhafener blicken im Vorbeifahren beim gelben Haus im Sundweg schon automatisch nach oben, in Erwartung, dort eine exotische oder auch eine bekannte Flagge zu entdecken.

Günter Kahlke hat 120 Flaggen in seiner Sammlung — Es gibt auch Nacheiferer.

Günter Kahlke ist der „Flaggenmann der Warderstadt“. Seine Sammlung umfasst mittlerweile 120 Exemplare, je 60 im Haus und im Schrebergarten, wo der 76-Jährige viel Zeit verbringt. Bevor er morgens das Haus verlässt, hisst er eine Flagge im Garten. Jeden Tag eine andere. Es sei denn, das Wetter ist zu schlecht. „Kommt mein Bruder aus Lübeck, ist es die Flagge der Hansestadt. Manchmal wähle ich auch die Flagge der Stadt Heiligenhafen aus. Da freut sich immer der Bürgermeister.“

Als er in seinem Schrebergarten den Flaggenmast aufgestellt habe, hätten ihn die anderen dafür belächelt. „Heute gibt es in der Kolonie 20 Masten. Ich hab‘ die alle mit meinem Hobby infiziert“, sagt Kahlke. Er habe allerdings beim Hissen der Flaggen Nachhilfeunterricht erteilt. „Einige dachten, sie könnten die Flaggen mit einem Altweiberknoten befestigen. Ich habe denen aber gesagt, damit könnten sie höchstens eine Ziege anleinen.“ Oben müsse ein Acht-Knoten her, unten ein Schotsteg-Knoten.

Kahlke muss es wissen. Er ist der Profi. Sieben Jahre sei er als junger Bursche zur See gefahren. Über den Wasserweg lernte er die Küste Westafrikas kennen. Von diesen Fahrten brachte er die ersten Flaggen mit. Um 1957 war das.

1961 zog er mit seiner Frau aus Lübeck nach Großenbrode, aus der großen wurde die kleine Seefahrt — zwei Jahre von Großenbrode nach Gedser und zurück, danach mehr als 30 Jahre mit der Fähre die Route Puttgarden nach Rødby. Er und seine Frau seien 1963 nach Heiligenhafen gezogen, zusammen haben sie zwei Kinder groß gezogen. Sein Flaggen-Hobby hat Günter Kahlke aber nie aus den Augen verloren.

Noch heute haben die westafrikanischen Flaggen in seinem Herzen einen Ehrenplatz. Mit einem der schwarzen Crew-Boys habe er sich damals angefreundet, „obwohl wir gewarnt wurden, dies nicht zu tun und die Schwarzen zu meiden“. Aber er habe dazu eben eine andere Einstellung gehabt.

Bei einem Landgang habe sein Kumpel, der ein Amateurboxer war, ihn in die Welt des Faustkampfes einweihen wollen. Aber gleich beim ersten Sparring im Ring habe er die Sternchen gesehen. Die Freundschaft der beiden belastete das aber nicht. „Ich habe ihm auf großer Fahrt immer zu Essen gegeben. Die Boys hatten ja nur Reis, hausten an Bord in einem Zelt.“ Es sei zwar untersagt gewesen, aber sein Kumpel sei ein solch feiner Kerl gewesen, dass er ihn ab und zu in seine Kajüte eingeladen habe. Dann haben sich die beiden aus den Augen verloren. Was aus seinem Freund später geworden ist und ob er womöglich noch lebt, weiß Günter Kahlke leider nicht. „Das alles ist lange her.“

In Heiligenhafen hat Günter Kahlke aufgrund seines Hobbys einen gewissen Bekanntheitsgrad errungen. Das einzige, was ihn daran stört ist, „wenn ich bei der Gartenarbeit ständig angesprochen werde und deswegen nicht fertig werde“. Demnächst will er seinen Gartenzaun anstreichen. Seine Bitte lautet: Nach oben schauen, genießen und weitergehen.

Von Peter Mantik

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