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Ostholstein Gesundheitscampus im Gewerbegebiet?
Lokales Ostholstein Gesundheitscampus im Gewerbegebiet?
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19:14 24.06.2016

„Wir haben heute einen Gast.“ Mit diesen Worten kündigte Gabriele Appel (SPD), stellvertretende Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses, am Donnerstagabend den Unternehmer Thomas Hüstreich an. „Kurz“, betonte Appel, werde Hüstreich sein Projekt vorstellen – und der hielt sich an diese Zeitvorgabe: Gemeinsam mit Professor Jens Bothe und dem ehemaligen Europaminister Uwe Döring hat Hüstreich das Konzept für einen „Gesundheitscampus Eutin“ erarbeitet.

Nur kurz konnte Thomas Hüstreich seinen Gesundheitscampus im Ausschuss umreißen. Quelle: Jabs

Für 30 Millionen Euro soll unter dem Motto „Arbeiten, Lernen und Wohnen im lebenswerten Quartier“ das Therapiezentrum A-K-tiv in der Ohmstraße in einen Campuspark eingegliedert werden, der Therapie, Fort- und Weiterbildung sowie studentisches und altersgerechtes Wohnen miteinander verbindet. Auf dem 30 000 Quadratmeter großen Grundstück rund um das A-k-tiv sollen die entsprechenden Gebäude entstehen. Mit dem Vitaltherapeuten werde derzeit eine neue berufliche Qualifizierung auf den Weg gebracht. In einer Kooperation mit dem vom selben Team verantworteten Gesundheitscampus in Neumünster solle der Schwerpunkt in Eutin auf der Fort- und Weiterbildung im Gesundheitsbereich liegen: „Wir sprechen von 51 neuen Arbeitsplätzen für Eutin“, so Hüstreich.

Damit dies Realität werden kann, bedarf es einer Nutzungsänderung. Aus der jetzigen Gewerbefläche, in der das A-k-tiv liegt, müsste eine Mischfläche werden. „Wir sehen dort einen vorhabenbezogenen B-Plan“, erläuterte Bauamtsleiter Bernd Rubelt.

Äußerst kritisch hinterfragt wird die Eignung des Projektes für den angestrebten Standort von der Entwicklungsgesellschaft Ostholstein (Egoh). In der Sitzung hieß es dazu, es gebe seitens der Egoh Bedenken hinsichtlich des Emissionsschutzes. Dirk Bremken, verantwortlich für die Gewerbeflächenerschließung und -vermarktung, stellte auf LN-Nachfrage dar, welche Probleme aus Egoh-Perspektive mit einem Gesundheitscampus Eutin verbunden sein können: „Die Planung der Gewerbeflächenentwicklung ist darauf ausgelegt, das Gewerbegebiet langfristig bis 2030 und darüber hinaus bis an die Bundesstraße wachsen zu lassen. Es wäre schade, wenn diese große, zusammenhängende Planung für eine Einzelmaßnahme durchbrochen würde. Ich sehe im Zusammenhang mit dem Vorhaben große Schwierigkeiten, wenn nicht gar eine Verhinderung unserer Vision“, so Bremken.

Außerdem sei die Frage, ob es sich bei dem Gesundheitscampus wirklich um ein Mischgebiet handele, noch offen. Bremken: „Ist das dann nicht eher ein Wohngebiet?“ Für eine solche Nutzung gelten nämlich strengere Lärmschutzauflagen. Darin liege für die angrenzenden (Industrie-)Firmen Weyer und Raiffeisen eine Gefahr. Würde die zulässige Schallgrenze rückwirkend angehoben, sei der Betrieb dort nicht mehr wie derzeit möglich. „Eutin kann es sich nicht leisten, solche Arbeitgeber zu verlieren“, mahnte Bremken. „Es ist deshalb wichtig, jetzt ein Planungsziel zu formulieren. Da ist die Stadt gefordert“, sagte er.

Für Thomas Hüstreich dagegen wird die Zeit knapp. Um Fördermittel aus dem Programm Interreg 5A rechtzeitig beantragen zu können, brauche er auf der Septembersitzung des Entwicklungsausschusses „ein Signal“. Möglich sei eine Förderung in Höhe von 80 Prozent. Sobald Planungssicherheit gegeben sei, würden auch die Investoren öffentlich benannt. Das Europaministerium in Kiel hat das Konzept bereits als „Leuchtturmprojekt“ anerkannt. In Kürze soll es der Landesregierung präsentiert werden.

Drei Projekte nehmen die nächste Hürde

Die Frage nach den Stellplätzen zog eine längere Diskussion zum Semmelhaackschen Bauvorhaben am Standort des ehemaligen Hotels „Wiesenhof“ in Fissau nach sich: 38 Stellflächen für 38 Wohneinheiten sind in der Planung vorgesehen. Das entspricht bereits der neuen Stellplatzsatzung der Stadt Eutin, die ein Verhältnis von 1:1 vorsieht. Zuvor lag dies bei 1:0,75.

Trotzdem sah Manfred Raddatz vom Dorfvorstand die Zahl als nicht ausreichend an: „Das ist am Stadtrand, dort wird Mobilität stattfinden“, so Raddatz, und einige Ausschussmitglieder teilten die Befürchtung, es werde zu Parkplatzproblemen kommen. Nach kurzer Beratung fiel der Satzungsbeschluss dann einstimmig.

Für den Auslegungsbeschluss zum Bauvorhaben in der Albert-Mahlstedt-Straße 27/29 gab es keine Zustimmung von den Grünen: „Was dort seit Jahren geschieht, lehnen die Grünen ab!“ sagte Eike Diller. Die zwei Gegenstimmen seiner Fraktion, für die Christiane Balzer eine grundsätzliche Skepsis an den beschleunigten Planverfahren anmeldete, stehen auch für das Bauvorhaben der Firma Nordiska auf der „Sonnenkoppel“ in Neudorf zu Buche. Mehrfach hatte das Gremium den Entwurf zurück an den Planer verwiesen. Kritisiert worden war hauptsächlich die enge Bebauung. Nun sollen 65 Wohneinheiten als Einfamilien- und Doppelhäuser entstehen, die Mindestgröße der Grundstücke wurde auf 500 Quadratmeter festgeschrieben. aj

Astrid Jabs

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