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Ostholstein Giftprozess: Floristin muss drei Jahre ins Gefängnis
Lokales Ostholstein Giftprozess: Floristin muss drei Jahre ins Gefängnis
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12:50 05.03.2018
Die Frau habe nicht kalkulieren können, welche Samen-Menge des Zerberusbaumes tödlich sei. Deshalb könne nur von einem bedingten Tötungsvorsatz ausgegangen werden, entschied das Gericht. Quelle: LN-Archiv
Dahme/Lübeck

Richter Christian Singelmann nahm sich gestern Morgen viel Zeit für die Urteilsverkündung. Dies sei notwendig, um den Sachverhalt verständlich darzustellen. Er sprach von einem nicht ganz alltäglichen Verfahren und einem Motivbündel. Die Dahmerin habe ihre Ehe skeptisch gesehen, sei in einen anderen Mann verliebt gewesen und habe Angst vor einer Scheidung gehabt. So eine hatte sie bereits hinter sich. Damals musste sie rund 70000 Euro zahlen. Das alles spreche für einen direkten Tötungsvorsatz. Jedoch habe die Frau nicht kalkulieren können, welche Samen-Menge des Zerberusbaumes tödlich sei. Deshalb könne nur von einem bedingten Tötungsvorsatz ausgegangen werden.

 

Die 50-jährige Floristin verbarg ihr Gesicht vor Prozessbeginn mit einem Aktenordner vor den zahlreichen Kameras. Neben ihr sitzen ihre Verteidiger Christian Schumacher (l.) und Christian Dwars. Quelle: Foto: Sebastian Rosenkötter

Tödliche Samen

Der Zerberusbaum wird häufig auch Selbstmordbaum genannt. Insbesondere in Indien wird sein Gift immer wieder genutzt, wenn Menschen nicht mehr leben wollen. Wer die Samen zu sich nimmt, kann Herzrhythmusstörungen, Kammerflimmern, Übelkeit und Sehstörungen bekommen. Nach drei bis sechs Stunden kann die Einnahme zum Tod führen.

Die Angeklagte hatte bis zuletzt behauptet, nicht gewusst zu haben, wie das Gift wirkt. „Der Einwand, es habe keinen Warnhinweis gegeben, kann sie nicht entlasten. Sie wusste, dass so eine Pflanze generell geeignet ist, eine tödliche Wirkung herbeizuführen“, erläuterte Singelmann.

Offener Vollzug ist möglich

Wie bereits in den LN berichtet, wurde der Haftbefehl aufgehoben. Die fast siebeneinhalb Monate Untersuchungshaft werden auf die noch zu verbüßende Strafe angerechnet. Wobei: Noch kann Revision eingelegt werden. Dies gilt jedoch als unwahrscheinlich. Der Richter geht davon aus, dass die nicht vorbestrafte Floristin zunächst die Zukunft ihres Betriebs regeln werde und anschließend die Haft antrete. Offener Vollzug sei nach einer gewissen Zeit denkbar.

Ihr Opfer leidet nach Aussagen des Richters bis heute an den psychischen Folgen der Tat. Er könne sich nur schwer auf eine neue Beziehung einlassen. Der Mann verfolgte den Prozess als Nebenkläger.

Während er sich kurz vor der Urteilsverkündung von TV-Reportern filmen ließ, verbarg seine Ex-Frau ihr Gesicht hinter einem Aktenordner.

Kein Wunder, erfuhren die Prozessbeobachter teils pikante Details aus dem Sexualleben der Frau. Richter Singelmann fasste die gemeinsame Zeit des Ex-Ehepaares ausführlich zusammen. Die Beiden hätten sich Ende 2002 im Internet kennengelernt. Zu dem Zeitpunkt seien sie mit anderen Partnern verheiratet gewesen. „Es ging um sexuelle Kontakte“, sagte Singelmann. Später seien Gefühle hinzugekommen.

2005 zog das Opfer zu der Floristin nach Dahme. „Die Beziehung war zunächst glücklich und harmonisch“, führte der Richter aus.

Ohne Sex wurde es problematisch

Nach einem Schlaganfall des Mannes im Jahr 2010 habe sich das geändert. Weniger Sex sei zum Problem geworden. Dennoch habe die Dahmerin 2014 einen Heiratsantrag angenommen – ab März 2015 aber eine sexuelle Beziehung mit einem Jugendfreund gehabt. Kurz darauf folgte die Hochzeit. Das gegenseitige Misstrauen wuchs, im August 2015 eskalierte die Situation. Sie mischte das Gift ins Chili con Carne. Dem Nebenkläger ging es tagelang schlecht. Er schöpfte Verdacht, gab Urin- und Blutproben ab. Doch erst 2017 gelang es einem Labor in Frankreich, das Gift in den Proben nachzuweisen.

Der Prozess folgte.

 Sebastian Rosenkötter

 

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