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Ostholstein Goethe mit Sigrid Damm zu Besuch im Weissen Haus
Lokales Ostholstein Goethe mit Sigrid Damm zu Besuch im Weissen Haus
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19:13 13.09.2016

„Die wahre Geschichte der ersten zehn Jahre meines weimarischen Lebens könnte ich nur im Gewande der Fabel oder eines Märchens darstellen; als wirkliche Tatsache würde es die Welt nimmermehr glauben.“ Eine unbefriedigende Begründung des großen deutschen Dichters Johann Wolfgang von Goethe dafür, dass er eine zehn Jahre währende Beziehung einfach aus seinem Werk verbannt hat.

Sigrid Damm sprach über die Beziehung Goethes zu Charlotte von Stein. Quelle: Binkowski (hfr)

Mehr als 1700 Briefe schrieb der Weimarer Dichterfürst an seine geliebte und verehrte Charlotte von Stein. Mindestens ebenso viele sie an ihn. Manchmal mehrmals täglich mussten die Kuriere die „Zettelchen“ transportieren, so dass Herzog Carl August darüber sogar ein Spottgedicht an Charlotte von Stein schrieb. Ihre Briefe forderte die Weimarer Hofdame später von Goethe zurück. Sie sind verschwunden.

Eine Herausforderung für die in Gotha geborene Erfolgsschriftstellerin Sigrid Damm. Wie war das Verhältnis der Liebenden wirklich? Mit großer Akribie hat Sigrid Damm das Leben der beiden durchforscht, Briefe gelesen und wissenschaftlich belegte Dokumente bearbeitet. Immer diskret, nie spekulativ und mit großem Respekt vor den beteiligten Persönlichkeiten.

Als Goethe im November 1775 auf Einladung der Herzogs nach Weimar kommt, verliebt er sich sofort in die schöne, geistreiche Charlotte. Sie ist seine Zuflucht, sein Anker, seine Seelenvertraute.

Charlotte, die den Dichter des „Werther“ mit Spannung erwartet, hält ihn zunächst auf Distanz und wird später, so heißt es, zu seiner „Bildnerin und Erzieherin“. War es so oder ganz anders? „Wir wissen es nicht“, schreibt Sigrid Damm. Die Frage, ob ihre Liebe eine erotische Komponente hatte oder rein platonisch war, stuft Sigrid Damm letztlich als unerheblich ein.

Gespannt lauschten die Zuhörerinnen und Zuhörer im bis auf den letzten Platz gefüllten großen Saal im Kloster Cismar den Worten der fragilen Autorin, die heute als freie Autorin in Berlin lebt und früher als Hochschuldozentin in Berlin, Jena, Glasgow, Edinburgh und Hamburg gewirkt hat.

Im nachfolgenden Dialog mit Gastgeberin Doris Runge begegneten sich die beiden Kolleginnen auf Augenhöhe und schärften gemeinsam der großen Zuhörerschar noch einmal den Blick auf eine Reihe von Details aus den Zeiten der Weimarer Klassik. Im festlich geschmückten und beleuchteten Weissen Haus du Garten fand dieser wunderbare literarische Abend dann seine Fortsetzung bei Wein, einem opulenten Buffet und der Gelegenheit, mit Sigrid Damm auch noch einmal persönliche Fragen auszutauschen.

„Seit vielen Jahren besuche ich mit Lingua und Cultura Tour Lesungen in Deutsch, Österreich und der Schweiz“, befand denn eine Dame, die mit einer 16-köpfigen Reisegruppe extra aus Mainz angereist war, „und so eine traumhafte Veranstaltung in solch einem wunderbaren Ambiente und solch einer Qualität habe ich noch nie erlebt.“ Und für Sigrid Damm war es schlicht „die schönste Lesung, die ich je gemacht habe“. Was will man mehr?

Reiner B. Binkowski

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