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Ostholstein Gosch eröffnet in bester Lage, aber ohne Konzession!
Lokales Ostholstein Gosch eröffnet in bester Lage, aber ohne Konzession!
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11:33 05.06.2017
Besser geht es nicht: Der „Niendorfer Balkon“ unmittelbar vor der Seebrücke gilt an der Ostsee als absolute 1-A-Lage. Quelle: Fotos: Sabine Latzel/ln
Niendorf/Ostsee

Frei nach George Orwell („Farm der Tiere“) heißt es im Volksmund „Alle Menschen sind gleich, aber manche sind gleicher“. Gilt das auch für Unternehmen?

Timmendorfer Strand sucht nach Erklärung und kündigt Überprüfung an.

Gaststättengesetz

§ 2 Erlaubnis

(1) Wer ein Gaststättengewerbe betreiben will, bedarf der Erlaubnis. Die Erlaubnis kann auch nichtrechtsfähigen Vereinen erteilt werden.

(2) Der Erlaubnis bedarf nicht, wer

1. alkoholfreie Getränke,

2. unentgeltliche Kostproben,

3. zubereitete Speisen oder

4. in Verbindung mit einem Beherbergungsbetrieb Getränke und zubereitete Speisen an Hausgäste verabreicht.

Mitte Mai war es so weit. Auf dem Niendorfer Balkon prangt in bester Lage am ehemaligen Restaurant „Süfke & Wizzig“ das berühmte Logo, und die Gosch-Fans strömen zum neuen Lokal direkt an der Seebrücke. Einziger Wermutstropfen: Der Betrieb hat keine Konzession.

Der Kreis Ostholstein bestätigt lediglich „eine baurechtliche Prüfung im Rahmen der Gaststättenerlaubnis“. Angesichts des laufenden Verfahrens „gibt es seitens der Baubehörde keine weitere Stellungnahme“ so Sprecher Thomas Jeck. Er verweist im Übrigen auf die Gemeinde Timmendorfer Strand. Dort gibt man sich zunächst ebenfalls zugeknöpft. Eingeräumt wird „ein laufendes Antragsverfahren, die Prüfergebnisse stehen noch aus“. Ob dies bedeute, dass eine Konzession nach dem Gaststättengesetz derzeit nicht vorliegt, wird mit einem kurzen „Ja“ beantwortet. Auf die Frage, ob es für den Betrieb zumindest eine zeitlich befristete Gestattung gebe, heißt es aus dem Ordnungsamt: „Eine vorläufige Erlaubnis können wir zur Zeit nicht erteilen.“

Damit konfrontiert zeigt sich Thomas Schmidt, Lizenznehmer der WPS Immobilienagentur aus Heide, der auch die Gosch-Filialen in den Nachbarorten betreibt, überrascht. „Mein Wissensstand ist, dass alles geklärt ist. Darum kümmert sich der Architekt.“ Dass Schmidt noch keine Konzession habe, aber dennoch eröffnen konnte, sei wohl einer „großzügigeren Handhabung“ der Gemeinde geschuldet, denn: „Wir eröffnen zunächst ja nur für vier Monate, dann wird umgebaut.“

Timmendorfs stellvertretender Bürgermeister Rainer Steen (CDU), der die erkrankte Verwaltungschefin Hatice Kara (SPD) vertritt, weist eine solche Vermutung entschieden zurück. „Das geht natürlich nicht, eine Bevorzugung darf es nicht geben.“ Gerade bei Konzessionen müsse alles korrekt zugehen. „Da gibt es keine Ausnahmeregelung.“ Steen verweist auf personelle Engpässe im Rathaus aufgrund von Urlauben. Gleich nach Pfingsten werde sich das Ordnungsamt mit dem Betreiber in Verbindung setzen und alles prüfen. „Wir wollen wissen, aus welchem Grund er früher angefangen hat – ohne Genehmigung.“

Matthias Drespling, Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Ostholstein, wundert sich: „Kaum zu glauben, von so etwas höre ich zum ersten Mal.“

Martina Janke-Hansen

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