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Ostholstein Grabungen in Farve: Erbe der Steinzeitmenschen gefunden
Lokales Ostholstein Grabungen in Farve: Erbe der Steinzeitmenschen gefunden
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00:00 20.10.2012
Ostholstein

Unweit des Wasserwerkes am Ortsrand von Farve (Gemeinde Wangels), versteckt zwischen Bäumen, liegen sie – die Grabstätten der Steinzeitmenschen. Seit August ist ein 20-köpfiges Grabungsteam des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Kieler Christian-Albrechts-Universität (CAU) vor Ort. Sein Auftrag lautet: Erdschichten abtragen, Fundstücke einsammeln, die menschliche Entwicklung rekonstruieren.Für Grabungsleiter Jan Piet Brozio (30) ist die Fundstelle „ein Glücksfall“, „eine kleine Sensation“. „Wir haben hier einen Bestattungsplatz gefunden. Die Reste einer Steinkammer sind gut erhalten. Wir konnten einen ungestörten Fund dokumentieren. Das ist äußerst selten der Fall.“ Schließlich seien die aus großen Steinen bestehenden Grabstätten meist auf Anhöhen errichtet worden, sie waren also gut sichtbar. „Vor 100 bis 150 Jahren wurden viele Steine entnommen und zu Kopfsteinpflaster verarbeitet“, erklärt Jan Piet Brozio. Da habe es keine Rolle gespielt, dass es sich einmal um eine Art Friedhof gehandelt habe.Nicht ganz klar ist bislang, wer hier bestattet wurden. „Man geht davon aus, dass es mehr Siedlungen als Gräber gab. Eine Theorie besagt, dass nur hochrangige Personen bestattet wurden“, so Brozio, Doktorand der zur CAU gehörenden „Graduate School ,Human Development in Landscapes’“. Außerdem sei es wahrscheinlich, dass die Grabungsstätten über mehrere Generationen hinweg genutzt wurden.Warum die Studenten seit Jahren die Gegend rund um Oldenburg umgraben – in Dannau zum Beispiel legten sie eine Steinzeitsiedlung frei und fanden sogar ein 5000 Jahre altes Skelett –, erklärt Jan Piet Brozio: „Das hat einen kulturellen Nutzen. Wir wollen die menschliche Entwicklung verstehen. Die Zeit, die wir hier untersuchen, ist der Ausgangspunkt der heutigen Gesellschaft.“ In der Neusteinzeit gab es nach Angaben des Grabungsleiters erstmals hierarchische Gesellschaften. „Die Menschen hatten Eigentum, es entstanden Gedanken wie ,das ist meins’.“ Zudem sei die Versorgung bereits sehr vielfältig gewesen. „Schafe, Ziegen und Schweine wurden gehalten, Fische und Muscheln gefangen. Es wurden erste Getreidesorten angebaut“, sagt Brozio.Was genau die Menschen in der Gegend um Farve gegessen haben, hoffen die Studenten schon bald noch konkreter zu wissen. Neben Pfeil- und Beilspitzen haben sie etwa 20 Keramikgefäße gefunden. „In den kommenden Wochen und Monaten werden wir versuchen, die Gegenstände zu untersuchen, Reste von Nahrungsmitteln freizulegen und diese zu analysieren“, sagt Brozio. Der erstaunlichste Fund wurde bereits abtransportiert. „Wir haben zwei Zähne gefunden. Das ist relativ selten in dieser Region. Wir können feststellen, wie stark diese benutzt wurden und wie alt sie sind.“Zum Abschluss der seit August andauernden Grabungsarbeiten wurden gestern Nachmittag alle Löcher zugeschüttet. „Die Kammer war vollständig ausgegraben. Es fällt schon schwer, da wir sehr behutsam alles freigelegt haben“, räumte Jan Piet Brozio ein.Neben Brozio und seinen Mitstreitern gibt es weitere 21 ähnliche Gruppen in Norddeutschland. „Es sind alles Projekte, die diese Kultur untersuchen. Wir kommen jetzt in die Phase der Auswertung. Das heißt, die Fotos, die wir gemacht haben, Zeichnungen, Fundstücke, Aufzeichnungen und all diese Dinge werden nun geordnet und untersucht. Das ist noch einmal sehr viel Arbeit“, so Brozio.

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