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Ostholstein Graswarder: Kiel bläst zur Jagd auf Mutterfüchse
Lokales Ostholstein Graswarder: Kiel bläst zur Jagd auf Mutterfüchse
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15:29 20.05.2014
650 Sturmmöwen-Paare brüten nach Angaben des Ministeriums auf dem Graswarder. Vor einigen Jahren sollen es noch mehr als 1000 Paare gewesen sein. Die Sturmmöwe steht daher in Schleswig-Holstein auf der Vorwarnliste zur Roten Liste.
Heiligenhafen

Auf dem Heiligenhafener Graswarder wollen Naturschützer künftig auch in der Schonzeit Füchse jagen lassen. Und das mit Unterstützung des Kieler Umweltministeriums.

Dort wurde eigens das Jagdgesetz geändert, um Füchse ganzjährig auf der flachen Landzunge am Fehmarnsund schießen zu können. Kritik gibt es von Tierschützern und Jägern. Wer führende Fähen — also Fuchsmütter mit Jungen — schießt, der nehme in Kauf, dass der Nachwuchs im Bau verhungern wird, heißt es. Nabu- Schutzgebietsreferent Klaus Dürkop verweist auf den rückläufigen Bestand an Sturmmöwen. Der Graswarder sei für sie ein „herausragender Brutplatz“.

Als ehemaliger Landesnaturschutzbeauftragter verfügt Dürkop über beste Kontakte bis in die Ministeriumsspitze. So unterstützt das Ministerium die kritisierte Jagd zusätzlich durch eine großzügige Auslegung seiner geänderten Gesetze. In einem Schreiben heißt es, man gehe davon aus, dass der Graswarder eine „sonstige Erhebung“ sei. Auf diesen wäre die Jagd dann wie auch auf Deichen erlaubt.

Ursprünglich waren die Ausnahmen gedacht, um Deiche und sonstige Erhebungen wie Warften zu schützen. Vor allem in den 90er Jahren hatten an der Küsten ganze Kolonien von Kaninchen die Schutzbauten durchlöchert.

„Was offenbar auf dem Graswarder nun passieren soll, hat mit dem ursprünglichen Gedanken dieser Ausnahmen nichts zu tun“, kritisiert Thies Rickert, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Oldenburg. Muttertiere während der Aufzucht zu schießen und die Jungtieren verhungern zu lassen, sei die „fieseste Art und Weise“.

Auch der Vorsitzende des Tierschutzbundes Schleswig-Holsteins, Holger Sauerzweig-Strey, bezeichnet die Pläne als „unverantwortlich“. Sie seien tierschutzwidrig. „Die Jungtiere würden dann elend verrecken“, sagt Sauerzweig- Strey.

Auch Kreisjägermeister Rudolf Meyer-Böttger ist erbost. Das Vorhaben verstoße gegen alle waidmännischen Grundsätze, sagt er. Da Dürkop selbst keinen Jagdschein habe, müsse er einen Jäger finden, der diese Arbeit für ihn erledigt. „Aber kein ordentlicher Jäger in Ostholstein wird so etwas mitmachen“, betont Meyer-Böttger.

Widerstand kommt auch aus der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises. Zu verantworten sei die Tötung von Mutterfüchsen nur dann, wenn die Jungen vorher oder unmittelbar danach getötet würden. Das setze voraus, dass auf dem Graswarder auch Fuchsbaue seien.

Dürkop hingegen verteidigt seine Forderung. Mindestens zwei Füchse würden pro Nacht den Graswarder unsicher machen. „Die schleppen dann ganze Gänse weg“, klagt er. Allerdings räumt er auch ein, dass es vor Ort keine Fuchsbaue gebe. Verantwortlich für die Tötung der Mutterfüchse in der Schonzeit wäre aber ohnehin das Kieler Ministerium. Seine Aufgabe sei lediglich zu sagen, was sich in dem Gebiet verändere.

Kiel wiederum schiebt die Verantwortung den Jägern und Naturschützern zu: Das Ministerium appelliert an Jagd und Naturschutz, von dieser Sondergenehmigung, Füchse auch in der Setzzeit jagen zu dürfen, nur in absolut notwendigen Fällen Gebrauch zu machen. Man sei sich der „schwierigen Situation“ bewusst und habe im Zuge der Überarbeitung der Landesjagdzeiten-Verordnung „die unterschiedlichen Gesichtspunkte sorgfältig abgewogen“.

Der Graswarder
Der Graswarder in Heiligenhafen umfasst 230 Hektar, von denen 100 Hektar reine Landfläche sind. Der Nehrungshaken ist 2,5 Kilometer lang. Die Zahl der Brutpaare nimmt trotzdem ab.

Für den Rückgang verantwortlich machen die Naturschützer unter anderem Füchse. Früher hatte Naturschutzbeauftragte Klaus Dürkop nach Angaben der Jägerschaft massiv gegen die Jagd in Naturschutzgebieten protestiert.

Holger Marohn

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