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Ostholstein Grömitz will Pflichtfeuerwehr einführen
Lokales Ostholstein Grömitz will Pflichtfeuerwehr einführen
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16:15 14.12.2018
Bei der Grömitzer Feuerwehr fehlen vor allem tagsüber Einsatzkräfte. Quelle: Louis Gäbler
Grömitz

 Wer in der Gemeinde Grömitz wohnt, der kann bald zum Feuerwehrdienst gezwungen werden. Am 18. Dezember soll die Gemeindevertretung entsprechende Beschlüsse fassen. Die LN sprachen mit Vertretern aller Fraktionen. Ihre Zustimmung gilt als sicher. Die Situation hat sich in den vergangenen Jahren extrem verschärft. Besonders tagsüber mangelt es an ausreichend Einsatzkräften. Die Belastung der wenigen Aktiven ist enorm. Bürgermeister Mark Burmeister (parteilos) als Dienstherr der sechs Ortswehren sagt: „Wir müssen diesen Schritt gehen, da wir den Brandschutz dauerhaft nicht leisten können.“

Sowohl vor etwa fünf Jahren als auch 2017 wurden mehrfach Hunderte Bürger angeschrieben und gebeten, sich zu engagieren. Hinzu kamen Dutzende Einzelgespräche. „Die haben alle nicht gefruchtet“, sagt Burmeister. Er betont, dass die Einführung der Pflichtfeuerwehr die letzte Möglichkeit sei. „Wir müssen das machen. Darüber gibt es einen Konsens, auch mit der Feuerwehr“, sagt er.

Mehr als 50 Feuerwehrleute fehlen

Gemeindewehrführer Björn Sachau. Quelle: Sebastian Rosenkötter

Gemeindewehrführer Björn Sachau bestätigt dies. Anhand weniger Zahlen verdeutlicht er die Dramatik. Statt der gesetzlich vorgeschriebenen 63 Feuerwehrleute im Ort Grömitz gebe es derzeit lediglich 35. In Brenkenhagen sind es 15. Es müssten 27 sein. Und in Lenste fehlen neun Ehrenamtler, um auf das Minimum von 27 zu kommen. „Es gibt einen Erlass vom Innenministerium. Die Mindestgröße ist vorgegeben“, betont Sachau. Er spricht von einer dringenden Notbremsung. „Wir sind an einem Punkt angelangt, gerade im Ort Grömitz, an dem die Belastung für die Übriggebliebenen zu hoch geworden ist“, erläutert der Gemeindewehrführer. „Ich muss aufpassen, dass nicht noch die letzten sagen, dass es ihnen zu viel wird“. Jedoch ist ihm bewusst, dass sich das Problem keinesfalls schnell lösen lässt – auch nicht durch die Einführung einer Pflichtfeuerwehr. Schließlich dauert die sogenannte Truppmannausbildung etwa ein Jahr.

Doch wer kann eigentlich zum Löschen von Bränden und Helfen bei Unfällen oder Überschwemmungen gezwungen werden? Aus der mit dem Innenministerium und dem Kreis Ostholstein abgestimmten Satzung geht hervor, dass alle Bürger „vom vollendeten 18. bis vollendeten 50. Lebensjahr“ verpflichtet seien, „Dienst in der Pflichtfeuerwehr als ehrenamtliche Tätigkeit für die Gemeinde zu übernehmen und auszuüben, sofern sie nicht nachweisen, dass sie den gesundheitlichen Anforderungen des Feuerwehrdienstes nicht gewachsen sind“.

Erste Pflichtfeuerwehr an der Ostsee

Bevor es so weit kommt, will Mark Burmeister einzelne Bürger zu Gesprächen auffordern. „Durch die Einführung haben wir die Möglichkeit, Vorladungen zu verschicken. Wir möchten die Chance nutzen und Personen überzeugen“, sagt er. „Die Belastung muss auf mehr Schultern verteilt werden.“ Dennoch löst die geplante Einführung einer Pflichtfeuerwehr keinesfalls nur positive Erwartungen aus. Laut Björn Sachau ist der Schritt aus Sicht der Feuerwehr zwar richtig, aber: „Die Leute, die etwas freiwillig machen, machen es mit Herzblut und Seele. Das ist auf der anderen Schiene schwierig. Die kriegen nichts dafür und müssen was leisten.“ Ähnlich äußert sich Landesbrandmeister Frank Homrich. „Ehrenamtliche Feuerwehrkräfte engagieren sich in der Gemeinde deutlich mehr als verpflichtete Bürger, da das Verständnis zum Ehrenamt anders ist.“

Landesfeuerwehrchef Frank Homrich. Quelle: Doreen Dankert

Laut Vorlage sollen für alle sechs Ortsteile (Brenkenhagen, Cismar, Grömitz, Guttau, Lenste und Suxdorf-Nienhagen) Satzungen für Pflichtfeuerwehren beschlossen werden. Bislang gibt es diese in Schleswig-Holstein nur in List auf Sylt, in Friedrichstadt (Nordfriesland) und in Burg (Dithmarschen). Die politische Zustimmung in der Gemeinde Grömitz gilt als gesichert.

Die Politik ist sich einig

Hendrik Wozniak, Vorsitzender der CDU, sagte, dass sie wohl nicht darumkommen würden, da die Verfügbarkeit der Feuerwehrkameraden insbesondere durch auswärtige Jobs vieler Bürger nicht gegeben sei. „Wir werden die Gemeinde unterstützen“, hob er wie auch Heinz Bäker von der FDP hervor. Ähnlich äußerte sich Manfred Pundt, Fraktionsvorsitzender der SPD. „Wir müssen das anpacken und den Brandschutz langfristig sicherstellen. Es gab Situationen, wo nur wenige Kräfte da waren“, warnt er. Die Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler Birgit Wilhelm spricht ebenfalls von dringend benötigten Leuten und ergänzt, dass zuletzt beschlossen worden sei, einen hauptamtlichen Gerätewart einzustellen. Dieser soll die Feuerwehrleute entlasten.

Dann fällt die Entscheidung

Die Grömitzer Gemeindevertreter kommen am Dienstag, 18. Dezember, ab 18.30 Uhr im Rathaus zusammen. Die Sitzung ist öffentlich. Das Thema Pflichtfeuerwehr soll in den Tagesordnungspunkten 16 und 17 behandelt werden. Weitere Details gibt es auf www.groemitz.eu. Darüber hinaus soll an dem Abend ein Investor für ein geplantes Hotel oberhalb des Jachthafens ausgewählt werden.

Personalsorgen auch in Ahrensbök

Auch andernorts sorgen sich die Gemeinden um die Personalstärke ihrer Feuerwehren. In der Gemeindevertretersitzung Ahrensbök teilte Bürgermeister Andreas Zimmermann (parteilos) mit, die Gemeinde müsse sich Gedanken darüber machen, wie auch sie weiter den Brandschutz vorhalten könne. „Das wird Thema eines unserer nächsten Workshops sein, um nicht wie in Grömitz eine Pflichtfeuerwehr gründen zu müssen.“

Sebastian Rosenkötter

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