Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein 1000 Bäume gegen das Bienensterben
Lokales Ostholstein 1000 Bäume gegen das Bienensterben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:29 29.03.2019
Sebastian Portius, Anke Erdmann, Ingo Ludwichowski (v. l.) und André Strube (r.) pflanzen gemeinsam eine „Hedelfinger Riesenkirsche“ ein. Quelle: Ulrike Benthien
Groß Meinsdorf

Seit Jahren gibt es immer weniger Bienenpopulationen. Das ist für alle Menschen ein Verlust, denn nur der Fleiß dieser Insekten ermöglicht eine Vielfalt an Früchten und Gemüse. Besonders trifft die abnehmende Zahl der Bienen Hersteller von Marmeladen. „Ohne Bienen keine Früchte. Ohne Früchte keine Konfitüre“ , haben die Schwartauer Werke längst erkannt und schon 2014 ihre Initiative „bee careful“ ins Leben gerufen. „Wir wollen über die Bedeutung der Honigbiene aufklären und ihr einen besseren Lebensraum verschaffen“, sagt Dr. Sebastian Portius, Geschäftsführer Innovation und Qualität bei dem Traditionsunternehmen. Gemeinsam mit dem Nabu (Naturschutzbund) Schleswig-Holstein haben die Schwartauer Werke ein einjähriges Pilotprojekt gestartet: die Neuanlage und Ausdehnung von Streuobstwiesen im Land.

Die ersten 40 Bäume stehen in Groß Meinsdorf

Bis zum Jahr 2020 sollen in ganz Schleswig-Holstein 1000 Obstbäume gepflanzt werden. Die ersten 40 sind in Groß Meinsdorf auf einem ehemaligen Acker in die Erde gebracht worden. Die Fläche gehört dem Ehepaar Sonja und André Strube, von Beruf Landschaftsplanerin/Waldpädagogin sowie Bauleiter in einer Garten- und Landschaftsbaufirma. „Es war schon immer unser Ziel, eine Streuobstwiese anzulegen“, sagt Sonja Strube. Die haben ihr Mann und sie jetzt direkt neben ihrem Haus: mit Apfelbäumen, Kirsch-, Quitten-, Birnen-, Mirabellen- und Reneklodenbäumen (Edel-Pflaumen).

Der Tafelapfel „Der gelbe Richard“ soll sehr gut schmecken. Ingo Ludwichowski, Sebastian Portius, Anke Erdmann, Sonja und André Strube sowie Frank Steiner (v. l.) rahmen das Bäumchen ein. Quelle: Ulrike Benthien

„Motivierte Streuobstwiesenliebhaber“ sollen es sein, die die mit dem Projekt gefördert werden. Die Eigentümer der Fläche binden sich mindestens zehn Jahre. „Denn die ersten zehn Jahre sind entscheidend für die unerlässlichen Erziehungsschnitte der Bäume. Dazu müssen sich die Bewerber verpflichten. Sie erhalten von uns Hilfe beispielsweise durch Schnittkurse“, erklärt Frank Steiner, Projektleiter Streuobst des Nabu.

„Der gelbe Richard“ und der „Lübecker Marzipanapfel“

Dass auch Steiner ein ausgemachter „Streuobstwiesenliebhaber“ ist, zeigt sich bei seinen Erläuterungen zu den einzelnen Sorten. „,Der gelbe Richard’ wird gern an der Küste angebaut, ein hervorragender Tafelapfel“, sagt er. „Der ,Lübecker Marzipanapfel’ ist dagegen ein seltener Lokalapfel.“ Schwärmerisch erzählt er vom „Juwel von Kirchwerder“ und „Signe Tillisch“, ebenfalls Apfelsorten, und der „Sonne Bergamotte“, einer Birnensorte.

Sebastian Portius, Anke Erdmann und Ingo Ludwichowski (v. l.) werben für die „Bienen-Helfer“-Konfitüre. Quelle: Ulrike Benthien

Für Ingo Ludwichowski, Geschäftsführer des Nabu in Schleswig-Holstein, ist die Kooperation mit den Schwartauer Werken eine Möglichkeit, „zu klotzen, nicht zu kleckern“. „Wir müssen viel mehr für den Lebensraum-Typ Streuobstwiese tun“, sagt er. „Sie gehören in Europa mit ihrer Arten- und Sortenvielfalt zu den Lebensräumen mit der höchsten biologischen Vielfalt und bieten insbesondere Bienen einen wichtigen Lebensraum.“

Viele Menschen stemmen sich gegen das Insektensterben

Schirmherrin des Projekts ist Staatssekretärin Anke Erdmann (ab der kommenden Woche übernimmt Dr. Dorit Kuhnt alle ihre Ämter – hier geht’s zum Artikel bei LN-Online.de). „Staatssekretärin im Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung“, stellt Sebastian Portius sie vor, doch sie umschreibt das fröhlich und deutlich knapper: „Staatssekretärin für draußen!“ Über das „neue Wohngebiet“ für Bienen in Groß Meinsdorf ist sie voll des Lobes. „Die Resonanz auf Artenschwund und Insektensterben ist enorm. Es gibt im ganzen Land viele Privatleute, Initiativen und Allianzen, die helfen wollen. Auch in Städten kommt immer häufiger die Frage auf: Was können wir für Insekten tun“, sagt sie. Ihr Wunsch für das Ehepaar Strube: „Dass Sie sich in ein paar Jahren vor Früchten nicht retten können.“

Hier kann man sich bewerben

Privatpersonen aus Schleswig-Holstein, die eine Streuobstwiese anlegen oder eine bestehende erweitern möchten, können sich für eine Förderung durch die Schwartauer Werke/Nabu bewerben. Die Adresse im Internet lautet www.bee-careful.com/de/bienenhelfer/.

Das Projekt wird finanziert über den Verkauf einer eigens für die Kooperation entwickelten Konfitüre: Sie heißt Schwartau Extra „Bienen-Helfer“. Pro verkauftem Glas gehen fünf Cent in einen Topf, aus dem die Obstbäume bezahlt werden.

Ulrike Benthien

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Gemeindevertreter stimmen für den Entscheid zur Sanierung der Eishalle in Timmendorfer Strand am Tag der Europawahl. Eine Gegenfrage soll es am 26. Mai nicht geben.

29.03.2019

Die Tierschutz-Organisation forderte am Donnerstag am Strand in Niendorf ein Ende jeglicher Fischerei und aller Aquakulturen. Die Qual für Milliarden Fische sei groß. Alternative sollen Laborfisch und -fleisch sein.

28.03.2019

Das Musical „Kiss me, Kate“ verspricht handfeste Unterhaltung zu bekannten Melodien. Regisseur Hardy Rudolz und die musikalische Leiterin Romely Pfund stellten jetzt das Stück und zwei der Hauptdarsteller vor: Patricia Hodell und Thomas Schirano. Sie müssen sich auf einen Kampf einstellen.

28.03.2019