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Ostholstein Große Alarmübung erstmals mit radioaktiver Strahlung
Lokales Ostholstein Große Alarmübung erstmals mit radioaktiver Strahlung
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19:09 08.10.2016
Gleich vier Insassen sind in dem verunglückten Wagen und müssen befreit werden. Dafür wird das Auto stückweise zerlegt.

Männer in Schutzanzügen sperren die Unfallstelle ab. Ein Transporter ist verunglückt. Blaue Fässer und kleine Päckchen, beklebt mit schwarz-gelben Strahlenwarnzeichen, wurden aus dem Laderaum geschleudert. Wer das in Bleikapseln gesicherte radioaktive Material – ein schwacher Prüfstoff – berührt, begibt sich in Gefahr. Wenige Meter entfernt ist ein VW Polo gegen einen Baum gerast. Die Bergung der vier Insassen gestaltet sich schwierig, da der Wagen schräg in der Böschung steht. Dieses Szenario war gestern Grundlage einer Feuerwehrübung in Jahnshof (Gemeinde Gremersdorf).

Knapp 100 Feuerwehrleute aus dem Kreis Ostholstein übten gestern in Jahnshof den Umgang mit dem Gefahrstoff – Vier Insassen mussten aus einem Auto befreit werden.

Erstmals übten die Frauen und Männer des Ostholsteiner Gefahrgut-Löschzuges Nord den Umgang mit radioaktiver Strahlung im Einsatz. „Sonst haben wir das immer nur ausbildungsmäßig gemacht“, erläuterte Oldenburgs Wehrführer Marco Kleinschmidt. Hintergrund der Übung mit Messgeräten waren übrigens nicht Gedankenspiele, dass AKW-Schutt irgendwann einmal möglicherweise in der Deponie in Johannistal gelagert werden könnte, sondern viel eher die zahlreichen Kurierfahrten auf der A 1. „Dort sind regelmäßig Sprinter mit radioaktivem Material unterwegs. Es ist durchaus möglich, dass diese verunglücken. Deshalb die Übung“, betonte Marco Kleinschmidt.

Dass es im Kreis Ostholstein zu Unfällen kommt, ist trauriger Alltag. Immer wieder müssen die Rettungskräfte Verletzte aus Fahrzeuge befreien. Um die dafür notwendigen Abläufe einwandfrei zu beherrschen, werden Übungen wie die gestrige angesetzt. Marc Ochsen, Wehrführer der Gemeinde Gremersdorf, erklärte, auf welche Dinge die Kameraden besonders zu achten hätten. Autos, die in der Böschung hängen und abzurutschen drohen, sollten als erstes gesichert werden. Anschließend könnten Leitern auf den Boden neben dem Wagen gelegt werden. Die Feuerwehrleute hätten dann den nötigen Halt auf dem abschüssigen Gelände, um die Scheiben zu entfernen und bei Bedarf das Dach abzuschneiden. „Wenn ein Auto abrutscht, besteht die Gefahr, dass die Verletzungen der Insassen sich noch verschlimmern. Das muss unbedingt verhindert werden“, so Ochsen.

Die rund 100 Einsatzkräfte aus Oldenburg, Gremersdorf sowie vom Löschzug-Gefahrgut gelang es letztendlich, das radioaktive Material zu sichern und die Insassen zu retten. Sie waren lediglich etwas durchgefroren.

 Sebastian Rosenkötter

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