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Ostholstein Große Resonanz auf eine kleine Geburtsanzeige
Lokales Ostholstein Große Resonanz auf eine kleine Geburtsanzeige
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21:16 14.09.2013
Er hat sich gegen die Konkurrenz durchgesetzt: Markus Otschakowski und Judith Engeler haben am vergangenen Freitag geheiratet. Quelle: Foto: lin

Das gibt es auch nicht oft: Judith Engeler war gerade geboren, da wurden ihr schon zahlreiche Heiratsanträge gemacht. Die Verehrer standen Schlange. Der Grund für diese ungewöhnlich frühen Aufwartungen: Judiths Vater, der inzwischen leider verstorben ist, hatte sich einen kleinen Scherz erlaubt und bei ihrer Geburtsanzeige in den LN im Jahre 1988 ein kleines „P.S.: Heiratsanträge mit Kapitalnachweis werden ab morgen in schriftlicher Form entgegengenommen“ eingefügt. Und die Resonanz war groß, zahlreiche junge Burschen meldeten sich. Als „Kapitalnachweis“ gaben die Verehrer Dreiräder, Sparbücher, Plastiktrecker (sogar mit Anhänger!) oder auch die Absicht, später einmal Fußballprofi zu werden, an. Also echte Zeichen wahren Reichtums.

An diesem Freitag nun hat Judith Engeler mit 25 Jahren tatsächlich geheiratet — allerdings: Ihre damaligen Verehrer gingen leer aus.

„Mein Mann hatte immer ein bisschen den Schalk im Nacken“, sagt Veronika Engeler aus Malente, die Mutter von Judith. Dass sich auf seinen kleinen Aufruf aber gleich zwölf Verehrer melden würden, hätte er damals selbst nicht gedacht. „Wir waren überrascht, wie viele auf den Gag angesprungen sind. Die Briefe waren so niedlich“, erzählt Veronika Engeler. Auch Judith Engeler, die die Heiratsanträge mit 13 Jahren zum ersten Mal gelesen hat, fand die Idee toll. „Das ist typisch für meinen Vater. Der hat immer so was gemacht. Die Anträge waren wirklich sehr süß“, sagt die 25-Jährige. So wie der Heiratsantrag eines Bastian aus Lübeck: „Liebe Judith! Ich gratuliere Dir ganz herzlich zu Deiner Geburt. Hiermit möchte ich um Deine Hand anhalten. Ich bin zwar schon eindreiviertel, jedoch ein kräftiger norddeutscher Junge (mit blonden Haaren). Mein Kapital habe ich in Spielsachen angelegt: Dreirad, Ball, Brummkreisel...“. Oder der etwa einjährige Nils aus Schwarzenbek, der seinen Antrag mit „Meine teure Judith“ begann und mit „in treuer Ergebenheit“ enden ließ. Er wollte Fußballprofi werden, Judith müsse sich also „um eine eventuelle gemeinsame finanzielle Zukunft keine Sorgen machen“. Und als doppelte Absicherung schickte er ihr noch eine Kopie seines mit 125 Deutschen Mark gefüllten Sparbuches.

Dennoch, zum Ehegatten von Judith Engeler hat es keiner der früheren Verehrer geschafft, auch wenn die freundschaftliche Verbindung mit einem der Heiratswilligen länger gehalten hat: „Der ist aber vergeben, hat Frau und Kinder“, sagt Judith Engeler scherzend. Und vergeben ist jetzt auch sie selbst: Am Freitag wurde Markus Otschakowski aus Malente bei einer feierlichen Trauung im Eutiner Schloss ihr neuer Ehemann. Und für seinen Heiratsantrag hat der sich ebenfalls ordentlich ins Zeug gelegt: „Wellness-Wochenende im Hotel, Rosen auf dem Zimmer, Kniefall im Anzug — wie sich das gehört“, berichtet Judith Engeler. Eine kleine Vorahnung habe sie allerdings gehabt, weil es in der Jackettasche ihres Partners so verdächtig klimperte. Und der Kapitalnachweis? „Ich glaube, ich bin, was das Kapital betrifft, eine eher durchschnittliche Partie“, sagt der Polizist Otschakowski lächelnd. Kein Problem für Judith Engeler. „Ach, der Kapitalnachweis ist mir nicht mehr so wichtig“, sagt die Inhaberin einer Versicherungsagentur in Malente. Denn auch sie weiß: Was am Ende zählt ist schließlich nur — ja, Sie ahnen es schon — die Liebe.

„Wir waren überrascht, wie viele auf den Gag angesprungen sind. Die Briefe waren so niedlich.“
Veronika Engeler, Mutter der Braut

Hannes Lintschnig

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