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Ostholstein Großer Andrang beim ersten Duell der Bundestagskandidaten
Lokales Ostholstein Großer Andrang beim ersten Duell der Bundestagskandidaten
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21:16 30.08.2013
Die Bundestagskandidaten trafen sich zur Podiumsdiskussion im Rahmen der Reihe „Ameos Mittendrin“. Quelle: Foto: Holger Marohn

Der Festsaal im Neustädter Ameos-Klinikum war mit 200 Gästen gut gefüllt, das grelle Licht der Scheinwerfer sorgte zumindest optisch auf der Bühne für Klarheit und mit Ingo Gädechens (CDU), Bettina Hagedorn (SPD), Dr. Bernd Buchholz (FDP) und Marlies Fritzen (Grüne) saßen sich erstmals die Direktkandidaten der wichtigsten Parteien im Rededuell gegenüber — die Talkrunde der Reihe „Ameos Mittendrin“ zur Bundestagswahl versprach einigen Zündstoff. Den brachten vor allem auch die Zuschauer aufs Podium.

„Das kann man so nicht sagen“, empörte sich eine Zuschauerin nachdem die Diskussion gerade einmal wenige Minuten in Gang war und stürmte mit einem Zettel in den Händen an die Bühne. Gädechens, gekleidet in dunklem Anzug, weißem Hemd und gestreifter Krawatte, hatte gerade über Unterschiede im Pflegeaufwand berichtet. Der Dame stieß dabei die Formulierung „Pflegebedürftige füttern“ auf. Es sollte nicht das einzige Mal im Laufe des Abends bleiben, dass es sie nicht mehr auf dem Sitz hielt.

Auf dem Podium waren die Rollen erwartet klar verteilt. Hagedorn, ohne roten Pullover und stattdessen in weißem Blazer, orangefarbener Bluse und schwarzer Hose, warf den Kandidaten der schwarz-gelben Regierungsparteien mit Unterstützung von Grünen-Kandidatin Fritzen — Jeans, helle Bluse und über die Schultern geworfener Pullover — vor, die Gesellschaft kaputtsparen zu wollen. Vor allem Gädechens hielt dagegen und wunderte sich, dass die SPD „genau die Fehler wieder machen“ wolle, „die sie mit der Umsetzung der Agenda 2010 einst erfolgreich korrigiert“ habe. Aus dem Publikum sahen sich Hagedorn und Fritzen bei Zwischenrufen mit Vorwürfen konfrontiert, Wahlversprechen der Landtagswahl wie die Einstellung neuer Lehrkräfte nicht eingehalten zu haben. Hagedorn ihrerseits warf Gädechens vor, Entscheidungen wie das Betreuungsgeld unter einen Finanzierungsvorbehalt gestellt zu haben.

Politik-Wiedereinsteiger Buchholz, sich lässig in dunkelblauem Anzug, aufgeknöpftem Hemd und brauen Schuhen mit überschlagenen Beinen auf dem Sessel zurücklehnend, blieb von derartigen Vorwürfen weitgehend verschont. Er hatte dafür vor allem mit Moderatorin Christiane Harthun-Kollbaum zu kämpfen. „Sie könnten der kleine Bruder von Wolfgang Kubicki sein“ oder „das hat Kubicki auch gemacht“

ließ die Neustädterin kaum eine Gelegenheit aus, die neue liberale Hoffnung mit Schleswig-Holsteins FDP-Spitzenmann zu vergleichen. Außerdem hatte Buchholz selten Gelegenheit, ein Statement zu Ende zu bringen. „Ich bin hier eine ganze Zeit nicht dran gewesen und habe mich brav zurückgehalten. Dann darf ich jetzt ja wohl wenigstens aussprechen“, wehrte sich Buchholz schließlich, als er erneut abgewürgt werden sollte — allerdings nur mit bedingtem Erfolg.

Ameos-Vorstand Michael Dieckmann zog dennoch ein positives Fazit: „Ich glaube es war eine sehr gelungene Veranstaltung.“

Die vier Direktkandidaten der Podiumsdiskussion
CDU-Kandidat Ingo Gädechens (53) von der Insel Fehmarn hat bei der vergangenen Bundestagswahl den Wahlkreis mit 38,5 Prozent der Erststimmen direkt gegen Bettina Hagedorn (SPD) gewonnen.

Er zog erstmals in den Bundestag ein. Um auch in der kommenden Wahlperiode dort zu sitzen, muss er den Erfolg wohl wiederholen. Mit Platz sieben gilt er als nicht über die Landesliste abgesichert.

SPD-Kandidatin Bettina Hagedorn (57) aus Kasseedorf verlor 2009 ihr 2002 und 2005 noch gewonnenes Direktmandat gegen Ingo Gädechens, zog aber über die Landesliste wieder in den Bundestag ein.

Dort wird sie voraussichtlich auch nach der Bundestagswahl 2013 sitzen. Hagedorn steht auf Platz zwei der Landesliste. Ein Platz, der auch bei einer Niederlage im direkten Duell wahrscheinlich reichen würde.

FDP-Kandidat Dr. Bernd Buchholz (51) aus Ahrensburg hat einen Zweitwohnsitz in Bosau und ist auch Mitglied des dortigen Ortsverbandes. Der ehemalige Gruner-&-Jahr-Vorstandsvorsitzende und Bertelsmann-Vorstand saß bereits von 1992 bis 1996 im schleswig-holsteinischen Landtag. Er steht auf Platz zwei der FDP-Landesliste und gilt damit als abgesichert, sollte die FDP wieder in den Bundestag einziehen.

Grünen-Kandidatin Marlies Fritzen (51) müsste das ostholsteinische Direktmandat gewinnen. Nur dann würde es die Landtagsabgeordnete, die auf der Landesliste der Grünen gar nicht vertreten ist, nach Berlin schaffen.

Holger Marohn

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