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Ostholstein Großkontrolle in der Lübecker Bucht
Lokales Ostholstein Großkontrolle in der Lübecker Bucht
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00:09 01.07.2018
Travemünde/Lübeck

Möwen kreischen, und ein angenehm frischer Wind weht. Mit aufbrausendem Motor saust das Boot „Fehmarn“ der Wasserschutzpolizei über die Lübecker Bucht. Die heutige Mission: eine Großkontrolle der Bootskapitäne zu See, denn die Zahl der Beanstandungen bei Polizeikontrollen bleibt auf einem hohen Niveau; Geschwindigkeitsverstöße und auch der Missbrauch von Alkohol werden auf dem Wasser oft unterschätzt.

„Durch unsere Kontrollen wollen wir die Bootsfahrer auf Regelverstöße aufmerksam machen. Wir hoffen zudem, dass das ganze Wellen schlägt und weitere Wassersportler erreicht, die sich daran zurückerinnern, dass es sich bei solchen Verstößen um Ordnungswidrigkeiten oder sogar Straftaten handelt“, erklärt Christian Langbehn, Polizeihauptkommissar der Wasserschutzpolizei Lübeck.

Wassersport immer beliebter Denn Tatsache ist: Trendsportarten wie Stand Up Paddling und Kitesurfen werden beliebter – die Konkurrenz um die Wasserfläche zwischen Hobbysportlern und Bootsfahrern nimmt zu. „Der Gesamtkomplex Sicherheit gewinnt an Bedeutung“, sagt Langbehn.
Insgesamt 24 Beamte sind an der Aktion beteiligt. „Unsere Präsenz auf dem Wasser ist durch den Personalabbau 2015 stark zurückgegangen. Aus diesem Grund sind Schwerpunkteinsätze wie dieser sehr wichtig“, sagt Robert Joppien, der mit einem Fernglas den Horizont nach Schnellfahrern absucht.

Jürgen Brunnlieb scannt unterdessen unentwegt den Radar mit den sich in der Lübecker Bucht befindenden Schiffen und Sportbooten, die sich in Form winziger gelber Punkte verfolgen lassen. Einziges Manko an der Sache: Bei den besonders kleinen Punkten auf dem Radar muss es sich nicht zwingend um einen Jetski handeln – auch eine große Wildgans wird nicht selten ebenfalls als Punkt, und somit potenzieller Schnellfahrer, auf dem Radar abgebildet.

Brunnlieb hat einen Schnellfahrer gesichtet. Über Funk ist das Team mit weiteren Kollegen der Wasserschutzpolizei verbunden: acht Mann sind auf Schlauchbooten unterwegs und nehmen Kurs auf die von den Einsatzleitern herausgefilterten Boote. Zusätzlich dazu sind weitere Beamte auf Küstenstreifenbooten unterwegs, wieder andere warten an Land auf ihr Einsatzkommando, Bootskapitäne mit zu viel Alkohol im Blut zum Arzt zu fahren um deren Promillewerte nachprüfen zu lassen. Denn wer alkoholisiert ein Boot steuert, ganz gleich ob Motorboot oder Kanu, begeht eine Straftat.

„Dieser Bootskapitän fährt 10 Stundenkilometer schneller, als erlaubt“, erklärt Brunnlieb mit Blick auf den Radar und deutet dann auf ein sich in der Nähe befindendes Motorboot. Bei der vorliegenden Geschwindigkeitsüberschreitung handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit, was eine Geldbuße nach sich zieht. „Nach allzu viel klingt das gar nicht, aber auf dem Wasser macht eine solche Geschwindigkeitsüberschreitung ganz schön was aus.“

Kersten Nickel sieht nach der Aktion zufrieden aus. Insgesamt 73 Bootsführer wurden kontrolliert. Dabei wurden 42 Verstöße, hauptsächlich wegen überhöhter Geschwindigkeit, festgestellt. „Wir haben unser Ziel erreicht“, erklärt er. „Durch diejenigen, die wir bei der Kontrolle rausfischen und mit ihren Verstößen konfrontieren, breitet sich die Aktion aus wie ein Lauffeuer. Das wiederum hält andere Bootsfahrer davon ab, die Geschwindigkeitsbegrenzungen eben falls zu überschreiten – und schon ist mehr Sicherheit auf dem Wasser gegeben.“

Sicherheit und Tierschutz
Dass dies sinnvoll ist, zeigt die Tatsache, dass es immer wieder zu schweren Unfällen auf der Lübecker Bucht kommt. Besonders aufsehenerregend war der Fall eines Lübecker Unternehmers, der 2011 mit seiner Motoryacht einen Surfer überfahren hatte – diesem musste ein Bein amputiert werden. Im Mai dieses Jahres waren zudem vor Neustadt eine Motoryacht und ein Jetski kollidiert.

Die gedrosselte Geschwindigkeit der Verkehrsteilnehmer zu See fördert nicht nur deren eigene Sicherheit, sondern kommt auch der Umwelt zugute. Durch eine Massenklage von Anwohnern war im Jahr 2012 eine Lärm-Verordnung verhängt worden. Diese verbietet es Sportbooten und Wassermotorrädern, bei denen die Antriebsmaschine einen Schalldruck von 75 Dezibel überschreitet, auf der Lübecker Bucht zu verkehren.

Doch auch der reduzierte Lärm bedeutet noch Stress für die Meeresbewohner. Joshka Knuth, Pressesprecher des Landwirtschaftsministeriums, sagt: „Lärmbelästigung ist ein wichtiges Thema des Meeresschutzes.“ Denn: Impulsartige Schalleinträge können zu Verletzungen oder Tötung mariner Arten führen. Dies betreffe insbesondere Meeressäuger wie den Schweinswal und auch Fische.

Von Josephine Andreoli

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