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Ostholstein Gutachterin im Mordprozess: Kabelhorsterin war schuldfähig
Lokales Ostholstein Gutachterin im Mordprozess: Kabelhorsterin war schuldfähig
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18:16 27.06.2016

Die Ehefrau des ermordeten Kabelhorster Familienvaters Jean-Claude T. war offenbar schuldfähig. Alles spreche gegen eine tiefgreifende Bewusstseinsstörung und damit gegen eine unbewusste Affekthandlung, sagte Dr. Christine Heisterkamp, als sie gestern ihr psychiatrisches Gutachten vor dem Lübecker Landgericht vorstellte. Auch seien „keine Auffälligkeiten zu diagnostizieren, die juristisch relevant“ seien.

„Alles spricht gegen eine unbewusste Affekthandlung.“Christine Heisterkamp

Die 43-jährige Angeklagte soll im Herbst 2015 ihren damals 58-jährigen Ehemann erstochen haben. Sie hat die Tat gestanden (die LN berichteten). Zwar hatte die gebürtige Kamerunerin sich vor Gericht nur in Teilen daran erinnern können oder wollen, wie sie mit einem Küchenmesser auf ihren schlafenden Mann losgegangen war. Dass ihr einige Einzelheiten aber doch im Gedächtnis geblieben seien, deute darauf hin, dass sie „während der Tat nicht komplett neben sich gestanden“ habe, so Dr. Heisterkamp. Auch die Anstrengungen, nach dem Mord die Spuren zu verwischen, sprächen gegen die typische Affekthandlung, so die Sachverständige.

Sie beschreibt die Angeklagte als Menschen mit sehr wechselhaften Launen und einem „sehr hohen Aggressionspotenzial“. Auffällig seien die Stimmungsschwankungen der 43-Jährigen, so die Gutachterin:

Auf ihre Besuche in der Justizvollzugsanstalt habe die Angeklagte mal freundlich, mal abweisend oder gar „richtig böse“ reagiert. Außerdem habe sie während der Gespräche ganz offensichtlich eine „Spaltungsstrategie“ verfolgt, habe sich abwechselnd mit der Sachverständigen und dann wieder mit der Dolmetscherin gegen die jeweils andere Person „verbünden“ wollen.

Psychische Erkrankungen habe sie bis auf eine leichte Depression aber nicht feststellen können, erklärte Dr. Heisterkamp. Ebenso wenig gebe es intellektuelle Mängel; die Intelligenz der 43-Jährigen liege „mindestens im oberen Normalbereich“. Gegen einen (vorübergehenden) Wahn spreche zudem, dass die Angeklagte im Laufe des Mordprozesses mehrfach ihre Schilderung der Ereignisse verändert hat.

Etwas mal zu behaupten und dann wieder zurückzunehmen, passe nicht zum Verhaltensmuster eines Wahnkranken, erklärte die Gutachterin, diese seien überzeugt von der eigenen Darstellung der Geschehnisse und blieben dabei.

Im aktuellen Fall ziehe sich vielmehr die Enttäuschung über nichterfüllte Erwartungen durch die Aussagen, so Dr. Heisterkamp. Dass ihr Mann sie zutiefst beleidigt und sie zurück nach Afrika habe schicken wollen, seien die Konstanten in der Aussage der Ehefrau, daran habe sie die gesamte Zeit festgehalten.

Zwar sei diese Vorgeschichte eigentlich typisch für eine spätere Affekthandlung, erklärte die Sachverständige. Nehme man alle Faktoren zusammen, spreche letztlich aber dennoch alles gegen eine tiefgreifende Bewusstseinsstörung. Auch, weil es vor der Tat „keinen direkten Auslöser“ seitens des Mannes gegeben habe. Die Ehefrau hatte vor Gericht zuletzt zwar ausgesagt, ihr Mann habe sie und die beiden gemeinsamen Söhne töten wollen. Zum Tatzeitpunkt habe er jedoch geschlafen und den Angriff insofern nicht provoziert. Ohnehin sei unklar, wie die Verhältnisse innerhalb der Ehe tatsächlich gewesen seien, so Dr. Heisterkamp: Die Angeklagte sei „mit Sicherheit nicht das kleine Mäuschen, das alles mit sich machen lässt“.

Fortsetzung am 1. Juli um 9 Uhr.

Jennifer Binder

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