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Ostholstein Hängepartie bei neuer Sundquerung
Lokales Ostholstein Hängepartie bei neuer Sundquerung
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21:30 25.07.2018
Hat die alte Fehmarnsundbrücke von 1963 noch eine Zukunft? Das ist 55 Jahre nach ihrer Eröffnung ungewisser denn je. Quelle: Foto: Rehder/dpa
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Fehmarn/Großenbrode

In der Region sorgt diese Hängepartie daher für erheblichen Unmut. Denn im schlimmsten Fall müsste eine frisch gebaute B 207 wegen der geänderten Position der Sundquerung gleich wieder verlegt werden. Jürgen Zuch, Regionalmanager für Fehmarn und Großenbrode: „Das ist doch unbefriedigend, jeder plant vor sich hin.“ Konkret meint er damit vor allem den vierspurigen Ausbau der B

Seit 55 Jahren hält die Fehmarnsundbrücke. Mit Blick vor allem auf den Schienen-Güterverkehr nach Eröffnung des Belttunnels prüft die Bahn Varianten einer neuen Sundquerung. Das Ergebnis verzögert sich bis April 2019. Davon hängt entscheidend die Trasse der B 207 ab.

Seilkästen fertig

Auf der Gehwegseite der Sundbrücke ist die Instandhaltung der Seilkästen abgeschlossen. „Damit ist der Korrosionsschutz fertig“, so DB-Projektleiter Bernd Homfeldt, der den LN dieses Foto übermittelte. Es fehlen noch die Abdeckbleche. Andere Arbeiten an der Brücke folgen bis 2019.

207 auf beiden Seiten des Sunds, von Heiligenhafen-Nord bis kurz vor Puttgarden. Die Pläne des Landesbetriebes Straßenbau und Verkehr liegen seit Ende 2011 auf dem Tisch. 2015 wurde ein Planfeststellungsbeschluss erlassen, gegen den unter anderem die beiden Kommunen klagen. Noch gibt es keinen Termin beim Oberverwaltungsgericht (OVG) Schleswig, seit Anfang Mai aber ein zusätzliches Planergänzungsverfahren. Dagegen bereitet Zuch gerade eine weitere Klage vor.

Dabei gehen die Kommunen nicht auf Verhinderungskurs. Das macht nicht mal das Aktionsbündnis, das ebenfalls klagt. „Aber es kann nicht sein, dass der eine baut und der andere wieder abreißt“, sagt Zuch. Die beiden Bürgermeister Jörg Weber (SPD) und Jens Reise (CDU) fordern daher ein aufeinander abgestimmtes Verfahren.

Das sehen sie durch den Bahn-Zeitplan gefährdet. Dabei habe die Entscheidung für eine neue Sundquerung – ob Tunnel oder Brücke(n) – erhebliche Auswirkungen. Allen voran beim Lärmschutz: Die Bahn hat Ende April erste Lärmschutzkarten für Fehmarn präsentiert. Angenommen wird, dass mit Eröffnung des Belttunnels täglich rund 70 Güterzüge über die Sundbrücke rauschen. Davon sind statt der befürchteten 95 lediglich 20 Haushalte betroffen, die meisten in Strukkamp. Geplant wird dort eine zwei Meter hohe Lärmschutzwand. Doch was passiert, wenn ein Sundtunnel oder eine neue zweite Brücke westlich des „Kleiderbügels“ gebaut werden? Dann droht die neue Schienentrasse erst kurz vor Landkirchen wieder auf die Bestandstrasse geführt zu werden – mit ganz anderen Lärmimmissionen. „Dann muss die Bahn neu planen“, räumt Bahn-Umweltingeneurin Janine Korczak ein.

Zuch fürchtet sogar, dass der Lärmkorridor von Orth bis Burgtiefe reichen könnte, wenn es künftig zwei Brücken über den Sund gibt. Malte Riechey vom Campingplatz Wulfener Hals sagt: „Wir sind jetzt schon stark betroffen.“ Aber auch die neue Trassenführung der B 207 würde sich erheblich ändern, vor allem auf Großenbroder Seite.

„Es ist eine wahnsinnig komplexe Untersuchung“, begründet Bahn-Projektleiter Bernd Homfeldt die erneute Verschiebung. „Es gibt 180 mögliche Linien, die genauestens geprüft werden müssen“, so Homfeldt. Damit beauftragt wurde das Münchner Ingenieur-Büro Obermeyer.

Die Entscheidung für eine Vorzugsvariante muss auf gesicherten Ergebnissen beruhen, will die Bahn in der anschließenden politischen Bewertung bestehen. Denn dort gibt es ganz unterschiedliche Prioritäten. So möchte der Bund nicht auf den Kosten sitzenbleiben, sollte der alte „Kleiderbügel“ erhalten werden. Anders Bettina Hagedorn (SPD): Ostholsteins Bundestagsabgeordnete kämpft vehement dafür, dass die 1963 eröffnete Sundbrücke nicht einfach aufgegeben wird. Vor allem kritisiert sie immer wieder die Bahn: „Eine verschleppte Instandsetzung der Fehmarnsundbrücke vergrößert die Schäden.“ Und das Land? Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) favorisiert keinen Tunnel, sondern eine Multifunktionsbrücke für sämtlichen Verkehr. Dabei will er durchaus die Silhouette der Sundbrücke als Wahrzeichen retten, selbst wenn die alte Brücke von 1963 abgerissen werden sollte und es zu einem Neubau kommt.

Großenbrode hat einstimmig eine Resolution für einen Absenktunnel verabschiedet. Auch Fehmarn war früher für einen Tunnel, lässt inzwischen aber die Entscheidung offen. Wichtig ist der Stadt jedoch, dass Fußgänger, Radfahrer oder landwirtschaftliche Fahrzeuge weiter über den Sund kommen. Solange die DB ihre Vorzugsvariante nicht bekannt gibt, macht für Zuch eine Sund-Konferenz, die er unter dem Dach des Dialogforums neu koordinieren soll, „keinen Sinn“.

Gerd-J. Schwennsen

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