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Haft für Brandstifter vom Amtsgericht

Lübeck Haft für Brandstifter vom Amtsgericht

Ein Ostholsteiner legte im Februar 2017 in Eutin Feuer – Sein ungewöhnliches Ziel: das Gefängnis.

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Lübeck/Eutin. Klaus B. (Name geändert) muss ein Jahr, fünf Monate und zwei Wochen ins Gefängnis – und ist damit überaus zufrieden. „Ich habe Haft, was will ich mehr“, sagte der 68-jährige Ostholsteiner nach der Urteilsverkündung in Lübeck. Das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Jobst-Rüdiger Puchert sprach Klaus B. der versuchten schweren Brandstiftung im Amtsgericht Eutin in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung schuldig. Eine Mitarbeiterin hatte einen Schock erlitten und musste wegen Kreislaufproblemen eine Nacht im Krankenhaus verbringen. „Menschen wollte ich nicht gefährden“, sagte der Angeklagte am zweiten und letzten Verhandlungstag aus. Sein Ziel war das Gefängnis.

Deshalb legte er im Februar dieses Jahres im ersten Stock vor der Abteilung Betreuungsangelegenheiten Feuer. Der Ostholsteiner, der in einer Obdachlosenunterkunft in Neustadt lebte, war unzufrieden mit dem Angebot der Stadt Eutin für eine neue Bleibe. Nach einem Brand in Neustadt hatten die Obdachlosen umziehen müssen. Laut Aussage der psychiatrischen Sachverständigen habe sich Klaus B. dort bedroht gefühlt. Deshalb war er zunächst für zehn Tage auf eigenen Wunsch in der Ameos-Klinik untergebracht.

Den Tatort im ersten Stock des Eutiner Amtsgerichts hatte sich der vom Leben gezeichnete Angeklagte, der seit mehr als 20 Jahren arbeitslos ist, nach eigenen Angaben bewusst ausgesucht. Er habe den Brand extra an einer Stelle mit Fliesen gelegt und nicht dort, wo es Teppich oder einen Holzfußboden gegeben habe. Seiner Einschätzung, er habe das Feuer unter Kontrolle gehabt, widersprach der Richter strikt. Der Angeklagte habe nicht vorhersehen können, wie es sich entwickelt, sagte Puchert in seiner Urteilsbegründung. Klaus B. hatte Benzin aus einer PET-Flasche ausgeschüttet und sowohl das als auch den Rest in der Flasche angezündet. Wie die Kriminalpolizei ermittelte, hatte der Angeklagte, der auffällige Tätowierungen auf der Stirn, der Nase und am Hals hat, bei einer Tankstelle 0,46 Liter Super E10 für 0,64 Cent gekauft. Das Amtsgericht, in dem sich zum Tatzeitpunkt um 13.40 Uhr 40 bis 45 Menschen befanden, habe er ausgewählt, weil dort Haftbefehle ausgestellt würden.

Denn wie er auch nach der Tat immer wieder freimütig zugab, wollte er unbedingt ins Gefängnis. Gegenüber einem Eutiner Polizeibeamten hatte er angekündigt, so lange weiterzumachen, bis er wieder drin sei. In Gewahrsam fühlt sich der Angeklagte anscheinend wohl. Er ist wegen verschiedenster Delikte von Körperverletzung über Diebstahl bis hin zu Trunkenheit im Verkehr vorbestraft und zu mehreren Haftstrafen verurteilt worden.

Jetzt wird diese Liste um versuchte schwere Brandstiftung, Sachbeschädigung und Körperverletzung ergänzt. Der Schaden im Amtsgericht – eine verrußte Wand und ein beschädigtes Geländer – beläuft sich auf 1942 Euro. Das Gebäude musste evakuiert werden und die Mitarbeiter anderthalb Stunden draußen warten. Richter Puchert bezeichnete das Ganze als „eine erhebliche Beeinträchtigung für die Mitarbeiter“. Staatsanwalt Niels- Broder Greve betonte, dass sämtliche Beschäftigte „in Angst und Schrecken versetzt wurden“. Die 29-jährige Mitarbeiterin, die einen Schock erlitt und gestern als Zeugin aussagte, schilderte die Situation als sehr beängstigend. Als Brandschutzhelferin sei sie dafür zuständig, zu kontrollieren, dass sich niemand mehr in dem Gebäude befindet. Später habe sie dann Kreislaufprobleme bekommen, ihr wurde schwindelig und sie litt unter Schüttelfrost. Die Symptome verschlimmerten sich derartig, dass ein Krankenwagen gerufen wurde. Eine Entschuldigung von Klaus B. gab es gestern nicht.

„Der Angeklagte hat eine extrem gefährliche Vorgehensweise an den Tag gelegt“, sagte der Staatsanwalt. Greve forderte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Oliver Dedow, der Verteidiger von Klaus B., sprach sich für ein Jahr aus. Denn die Körperverletzung sei nicht dem Angeklagten zuzurechnen. Die Strafe zur Bewährung auszusetzen, forderte er bewusst nicht. „Ich will mich nicht unbeliebt bei meinem Mandaten machen“, sagte Dedow. Dieser hat sein Ziel nun erreicht. Er darf im Gefängnis bleiben – seit der Tat saß er in Untersuchungshaft. Auch für die Zeit nach seiner Freilassung hat B. schon Pläne: „Dann fahre ich nach Plön.“

 Julia Konerding

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