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Haftstrafen für die Bootsmotoren-Diebe

Fehmarn Haftstrafen für die Bootsmotoren-Diebe

Vier Mitglieder einer polnischen Diebesbande wurden vom Lübecker Landgericht zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Nur eine Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem müssen die Männer fünf- oder gar sechsstellige Summen als Wertersatz an die Geschädigten zahlen.

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Vier Mitglieder einer polnischen Diebesbande wurden vom Lübecker Landgericht zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Fehmarn/Lübeck. Das Quartett stand nach einer Serie von insgesamt 44 Straftaten – ein Großteil davon wurde in Ostholstein verübt – vor Gericht. Hauptsächlich wurden Bootsmotoren gestohlen, aber auch Fernseher oder Haushaltsgeräte (die LN berichteten). Sechs weitere mutmaßliche Mittäter müssen sich laut Staatsanwaltschaft in gesonderten Verfahren verantworten.

„Wir haben es mit Personen zu tun, die man im Volksmund als osteuropäische Diebesbande bezeichnen würde“, sagte Staatsanwalt Kai-Uwe Bergfeld gestern in seinem Plädoyer. Die Taten seien geplant gewesen, die Beute sei zum Verkauf nach Polen gebracht worden. Eine „typische Bandenstruktur“ mit Rangordnung habe jedoch nicht festgestellt werden können.

Anklage, Verteidigung und Gericht hatten bereits zum Prozessauftakt eine sogenannte Verständigung ausgehandelt, bei der sich alle Parteien auf einen Strafrahmen einigen. Das Verfahren wurde dadurch stark abgekürzt. Während die Verteidiger für Strafen an der unteren Grenze plädierten, legte die III. Große Strafkammer Haftdauern aus dem mittleren Bereich fest und folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Weil die Angeklagten an verschieden vielen Taten und in verschiedenen Rollen beteiligt waren, fiel auch das Strafmaß unterschiedlich aus. Einzig ein 52-jähriger Fehmaraner – die übrigen Angeklagten lebten zuletzt in Polen – ist nach der gerichtlichen Entscheidung wieder auf freiem Fuß: Seine zweijährige Haftstrafe hat das Gericht zur Bewährung ausgesetzt. Er soll lediglich an sechs der 44 Taten beteiligt gewesen sein. Sein 26-jähriger Sohn muss eine dreijährige Haftstrafe verbüßen. Die beiden weiteren Mitangeklagten im Alter von 26 und 38 wurden zu Freiheitsstrafen von drei beziehungsweise vier Jahren verurteilt.

Alle vier müssen zudem hohe Beträge als Ersatz für die gestohlenen Gegenstände zahlen: Beim Fehmaraner sind es 23900 Euro, auf seinen Sohn kommen 70500 Euro zu, der 38-Jährige muss 104400 Euro und der 26-Jährige 59300 Euro zahlen. Die „für die Angeklagten sicherlich erschreckend hohen“ Summen seien einer neuen Gesetzeslage geschuldet, erklärte der Vorsitzende Richter Kai Schröder in seiner mündlichen Urteilsbegründung. Danach sei das Gericht verpflichtet, einen Wertersatz für gestohlene Waren einzuziehen. Dabei seien schon erhebliche Abschläge gemacht worden, betonte Schröder. Der hohe Betrag sei auch ein Grund, weshalb dem Fehmaraner keine zusätzlichen Bewährungsauflagen gemacht würden: Die finanzielle Belastung sei genug, so der Richter.

Alle Angeklagten entschuldigten sich gestern in ihrer persönlichen Stellungnahme vor Gericht für ihre Taten. Sie bereuten ihr Verhalten und würden ihr Leben ändern wollen, beteuerte jeder für sich.

Sie hätten aus der Erfahrung gelernt und würden in Zukunft nur noch ehrliche Arbeit machen wollen, kündigten sie an.

Das Gericht hielt allen vier Männern zugute, dass sie die Taten gestanden haben. Für den Sohn des Fehmaraners wirkte sich laut Schröder zudem strafmildernd aus, dass er nach seiner Verhaftung umfangreiche Angaben zu seinen Mittätern gemacht und damit die Aufklärung der Straftaten entscheidend vorangebracht hatte. Weil er daraufhin von einigen Mitgefangenen zusammengeschlagen worden war, wurde der Mann mittlerweile aus Sicherheitsgründen in die Justizvollzugsanstalt in Itzehoe verlegt.

Gegen die Entscheidung des Landgerichts kann nun eine Woche lang Revision eingelegt werden. Weil dem Urteil eine Verständigung zugrunde liege, könnten die Parteien keinen Verzicht auf Rechtsmittel erklären, erläuterte Richter Schröder. Damit das Urteil rechtskräftig werde, müssten die Parteien die Frist von einer Woche gezwungenermaßen verstreichen lassen.

 Von Jennifer Binder

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