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Ostholstein Halbzeit-Bilanz an der Küste: Die Tagesgäste fehlen
Lokales Ostholstein Halbzeit-Bilanz an der Küste: Die Tagesgäste fehlen
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10:53 18.08.2017
Leider kein seltener Anblick in diesem Sommer: Aufgrund des schlechten Wetters blieben die Strandkörbe häufig leer. Quelle: Fotos: Scholz/dpa, Latz
Ostholstein

Blauer Himmel, Leben an den Stränden, glückliche Gesichter: Der Wochenanfang hat zwar etwas Sonnenschein in die vom Regensommer getrübten Gemüter der Urlauber und Touristiker gezaubert. Doch einige schöne Tage können nicht darüber hinwegtäuschen, dass das schlechte Wetter die Saisonbilanz 2017 verhageln wird – in puncto Tagesgäste zumindest, und das spüren Betroffene schon jetzt.

Regensommer macht Strandkorbvermietern zu schaffen.

Vor allem die Strandkorb-Vermieter sind gebeutelt. „Seit Juni hatten wir kein einziges Wochenende mit konstant gutem Wetter“, klagt Stephan Muuss, der in Niendorf 42 Strandkörbe stehen hat. Norbert Babies aus Travemünde, Landesvorsitzender des Strandkorbvermieterverbandes, bestätigt das: „Wir merken deutlich, dass die Tagesgäste fehlen.“ Mit Umsatzeinbußen im Vergleich zum Vorjahr sei auf jeden Fall zu rechnen, sagt er.

Neben dem Regenwetter als Hauptursache prangert Muuss die Situation auf den Autobahnen, insbesondere den Baustellen-Parcours auf der A 1, als Hürde für die Besucher an: „Diese Verkehrsverhältnisse kosten uns Tausende von Euros, die Hamburger fahren angesichts der Staus doch gar nicht erst los.“ Die Baustellen spielten eine große Rolle, meint auch Babies, „da sagen sich doch einige Gäste: Das tun wir uns nicht mehr an“.

Die konkreten Indikatoren für die Zahl der Tagesgäste 2017 – die Strandbenutzungsgebühr und die Parkgebühren – seien noch nicht ausgewertet, erklärt Timmendorfs Tourismuschef Joachim Nitz. „Aber dass es weniger sein werden als 2016, steht außer Frage.“ Die Lage auf der A 1 sei ein altes Thema, „das kann man nicht verleugnen, und das hat sicher Effekte“.

Seiner Einschätzung nach sei der Tagesbesuch aber „zu 90 Prozent wetterabhängig“. Wetterabhängig ist auch das Geschäft der Campingplatzbetreiber. „Die Gäste, die langfristig im Voraus gebucht haben, sind trotzdem gekommen“, berichtet Christian Schwerin, Inhaber des Campingplatzes „Am Hohen Ufer“ in Pelzerhaken. „Sie hatten aber nicht unbedingt einen ganz so schönen Aufenthalt, sind teilweise früher abgereist.“ Richtig fehlen würden Gäste mit Zelt, „das waren erheblich weniger“.

Doch wo Verlierer sind, gibt es meist auch Gewinner – und so hat bislang offenbar die Gastronomie von der ausbleibenden Hitzewelle profitiert. „Die Restaurants, auch die im Binnenland, sind sehr gut besucht“, sagt Harry Heinsen, stellvertretender Dehoga-Vorsitzender in Ostholstein, „und wir haben zahlreiche positive Rückmeldungen aus dem Übernachtungsbereich.“ Das bestätigt Stephan Muuss, der auch das Hotel „Atlantic“ in Niendorf betreibt: „Wenn ich ein freies Zimmer ins Internet stelle, ist es sofort weg.“ Keinerlei Einbrüche bei den Buchungen meldet auch Joachim Nitz, „die Tagesgäste fehlen zwar – aber ansonsten ist der Ort voll“.

Weniger zufrieden zeigt sich Heinz Meyer, Vorsitzender der Timmendorfer Aktivgruppe für Handel und Gewerbe, mit der bisherigen Bilanz des Einzelhandels. „Sonne zieht den Tagesgast, das ist eine einfache Wahrheit“, erklärt er, „und der Tagesgast will dreierlei: kurz an den Strand, in die Gastronomie und shoppen.“ Dementsprechend mache sich der Rückgang in den Kassen der Geschäfte bemerkbar.

Meyer rechnet für den August mit schlechteren Zahlen als im Vorjahr.

„Das härteste Los haben aber die Strandkorb-Vermieter“, betont er. Und so richtet der Betreiber der Strand-Passage ebenso wie wohl alle Menschen an der Küste und in ganz Ostholstein seine Hoffnung auf einen schönen Spätsommer, wie es ihn auch in 2016 gab: „Ich wünsche uns allen einen sonnigen September und einen goldenen Oktober.“

 latz, ser

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