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Ostholstein Haltestelle für Demenzkranke: Der Bus, der nie kommt
Lokales Ostholstein Haltestelle für Demenzkranke: Der Bus, der nie kommt
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20:18 02.09.2013
Maria Kurzawa schnitt zur Einweihung der neuen Haltestelle das Flatterband durch. Quelle: Fotos: Thomas Klatt

In der Seniorenpension Erlenkamp in Pelzerhaken steht seit gestern eine Bushaltestelle. Mitten im Garten. Die Linie „5300“, deren Fahrplan hinter der Glasscheibe prangt, wird hier jedoch nie halten. Die von der Firma Autokraft gesponserte Haltestelle hat dennoch einen Nutzen: Sie soll an Demenz erkrankten Menschen als Ziel- und Orientierungshilfe, aber auch als Kommunikationspunkt dienen.

Die Funktion der Haltestelle stellte gestern Carolina Paap im Rahmen der kleinen Einweihungsfeier heraus. Bei Personen, die unter Demenz leiden, habe man schon vor Jahren eine „Tendenz zum Weglaufen“ ausgemacht“, so die Betreiberin der Pflegeeinrichtung. Irgendwann habe mal jemand herausgefunden, dass es sich dabei eigentlich um eine „Hinlauf-Tendenz“ handele. Paap: „Die an Demenz erkrankten Personen haben ein Ziel, wenn auch ein eher unbestimmtes. Sie orientieren sich an Erinnerungen, aber auch an Vertrautem, wie zum Beispiel eine Bushaltestelle.“

Früher, so sagt sie, hätten die Haltestellen noch eine weitaus sozialere Funktion als heutzutage gehabt. Für Kinder und Jugendliche sei die Haltestelle ein beliebter Treff gewesen. Man habe hier miteinander kommuniziert und neue Kontakte geknüpft.

In ihrem Grußwort zeigt sich auch Silke Felix-Nitz, stellvertretende Kreisvorsitzende der CDU, von der Idee begeistert: „Menschen mit einer Orientierungsschwäche wird hier ein Ziel gegeben.“

Demenzkranke sind räumlich krankheitsbedingt stark an die Pflegeeinrichtung gebunden. Einen Treffpunkt auf dem Außengelände der Einrichtung wertete Bürgermeisterin Dr. Tordis Batscheider (SPD) daher als einen Gewinn in punkto Lebensqualität.

Ganz ohne Sinn ist der Fahrplan indes nicht. Auf der rechten Seite weist ein blauer Pfeil den Weg zur Einrichtung. Darunter sind das gesamte Veranstaltungsprogramm für den Monat und auch die Essenszeiten aufgelistet. Und wenn der „Bus“ dann doch mal wieder Verspätung hat, kann man vielleicht zur Überbrückung der Wartezeit erstmal ein Käffchen trinken.

„Dementen Menschen wird ein Ziel gegeben.“
Silke Felix-Nitz

Thomas Klatt

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