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Ostholstein Die Weinbauern von Fehmarn
Lokales Ostholstein Die Weinbauern von Fehmarn
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17:03 29.10.2018
Weinanbau auf Fehmarn: Joachim Witt (links) und Thomas Pinçon. Quelle: GERD-J. SCHWENNSEN
Fehmarn

Ein Faible für einen guten Tropfen hatte er schon immer. Jetzt möchte Thomas Pinçon, 1966 in der Bretagne geboren und nach 18 Jahren im „Café Paris“ an der Rathausstraße in Hamburg ein stadtbekannter Gastronom, seinen eigenen Wein anbauen. Sein Traum geht auf Fehmarn in Erfüllung.

Ein goldener Oktober-Tag auf der Sonneninsel. Joachim Witt, befreundeter Landwirt aus Blieschendorf, fährt mit Pinçon raus aufs Feld. Irgendwo versteckt auf dem Eiland, die nahe Ostsee im Blick: Auf einem Hektar Fläche haben sie dort vor zwei Jahren rund 2000 Reben gepflanzt. Ein Glücksfall für Pinçon.

Er hat sich zuvor auf Weingütern an der Mosel und in Frankreich umgeschaut – aber alles lag für den Wahl-Hamburger zu weit weg: „Ich hätte viel zu wenig Einfluss gehabt.“ Dann kam Fehmarn ins Spiel. Die Insel kennt er seit anderthalb Jahrzehnten als regelmäßiger Gast. Er hat im Inselwesten eine Wohnung angemietet, seine drei Töchter sind in Blieschendorf oft geritten. Pinçon: „So lernte ich im Dorf ,Jo’ kennen.“

Zunächst Test von zehn Rebsorten

Zwei passionierte Wein-Liebhaber hatten sich gefunden. Und legten dann gemeinsam los. Auf der Weinanbau-Fläche pflanzten sie vor drei Jahren zunächst zehn verschiedene Rebsorten, um sie auszutesten. Pinçon: „Entschieden habe ich mich für zwei witterungsbeständige frühreife Rebsorten, denen der Mehltau keine Probleme bereitet.“

Handarbeit beim Weinanbau auf Fehmarn: Thomas Pinçon. Quelle: GERD-J. SCHWENNSEN

Im Gegenteil: Sie passen sich den raueren Klimabedingungen im Norden gut an. Winzer in Dänemark und Großbritannien haben mit ihnen bereits gute Erfahrungen gesammelt. Bei Sonne, Meerluft und Wind gedeihen die Pflanzen auf Fehmarn sogar prächtig. Denn wenn der Wind richtig durchbläst, trocknet die nächtliche Feuchtigkeit morgens sehr schnell. „Dann hat der Pilz keine Chance, sich zu entwickeln“, erklärt Pinçon.

Und Joachim Witt ergänzt: „Wenn die Trauben nicht verletzt werden, fehlt die Einfallspforte für Krankheiten.“ Er gibt aber auch zu, dass die beiden Glück gehabt haben: Ein starker Sommer-Hagel, der Teile Fehmarns heftig traf, verschonte diese Fläche. Witt hat es selbst nach dem Unwetter sofort überprüft. Denn wenn Pinçon in Hamburg ist, schaut er regelmäßig nach der Anbaufläche.

Erste Weinlese auf Fehmarn

Beraten lässt sich Pinçon von einem Experten: Franz-Josef Eifel vom Weingut in Trittenheim an der Mosel, der 2017 mit dem Riesling-Cup ausgezeichnet wurde. So weit ist der Fehmarn-Wein noch lange nicht. Obwohl: Vor einigen Wochen fand die erste vielversprechende Weinlese auf Fehmarn statt. Knapp über 200 Kilo erbrachten etwa 60 Flaschen, die sie abfüllen konnten: ein Cuvée aus Weißburgunder und Solaris. Noch sind sie aber in der Testphase, der erste Wein ist nur für den Eigenbedarf. Doch die Flaschen ziert bereits der künftige Name „Sund“.

Zielstrebig, aber Schritt für Schritt entwickelt Pinçon gemeinsam mit Witt die nächsten Pläne. 2019 soll die Anbaufläche um einen weiteren Hektar vergrößert werden, verrät Pinçon. Er besprüht die Reben mit Hanf: „Das entspannt die Pflanzen.“ Der Franzose setzt bewusst nicht auf Chemie, sondern auf bio-dynamischen Anbau.

Wenn er mit seinen beiden Weinsorten in den Verkauf gehen will, muss er nach deutschem Rebpflanzrecht eine Genehmigung beim Land beantragen, die – wie bei den anderen Winzern in Schleswig-Holstein – auch die Größe der Anbaufläche regelt. Die Pläne von Pinçon sind bereits klar: In fünf Jahren hofft er auf Fehmarn auf einen jährlichen Ertrag von bis zu 10 000 Flaschen.

Gastronom und Buchautor

Den Hamburgern bleibt Pinçon trotzdem erhalten. Nach dem Abschied vom „Café Paris“, einem der Gastro-Hotspots der Stadt, hat er gemeinsam mit einem Geschäftspartner die Künstlerkantine und die Bars im Thalia-Theater übernommen. Und er ist sogar zweifacher Buchautor. In „Innere Werte“ geht es um die Zubereitung von Innereien. Und „Bodyguard“ liest sich wie ein Leitfaden für den Personenschutz. Pinçon selbst hat in dieser Funktion unter anderem sogar für die US-Sängerin Cher gearbeitet. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte aus dem leben des Hobbywinzers.

Gerd-J. Schwennsen

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