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Ostholstein Handwerk und Design wird Hightech
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11:28 01.09.2017
Sylvia Goldbach. Quelle: Peter Mantik
Pansdorf

Was hat Haifischhaut mit Passagierflugzeugen gemein? Sehr viel, sagt Sylvia Goldbach. Die 44-Jährige entwirft mit 3-D-Druck und Laser-Verfahren einzigartige Oberflächen und Strukturen - und lernt dafür aus der Natur. „Es geht um verringerte Reibungsverluste in Luft und Wasser. Fischhäute können als Oberfläche auch für Seeschifffahrt und Luftfahrt effizient sein.“ Der Fachbegriff hierzu lautet Bionik. Das Lernen und Übertragen von der Natur auf die Technik.

Sylvia Goldbach, Gründerin von „Taktilesdesign“, sitzt in ihrer Werkstatt in Pansdorf am PC. Ein Widerspruch? Mitnichten, die gelernte Bildhauerin kombiniert Kunsthandwerk alter Schule mit modernster Technologie. Dazu gehören neben Schnitzwerkzeug wie Beitel eben auch Monitor und Rechner. Sie hat sich Anfang 2016 auf dieses berufliche Abenteuer eingelassen. „Ich habe mich damals aus einem festen Arbeitsverhältnis gelöst und mich in die Selbstständigkeit gewagt“, erzählt sie. Seither bedient ihr Ein-Frau-Betrieb eine Nische auf dem deutschen, europäischen und sogar weltweiten Markt. Ihr Weg führt aus dem Mikrokosmos Pansdorf hinaus in den Hightech-Orbit.

Zuletzt machte Goldbach mit ihrem Stand bei der Rapidtech-Messe in Erfurt von sich reden. Dort präsentierte sie exemplarisch für ihr Spektrum an Fertigkeiten ein Ei mit rauer Außenstruktur sowie innen bunten Wabenstrukturen, die wie eine zweite Haut auf das Bauteil aufgezogen sind. Das Bauteil wurde mit einem 3-D-Druckverfahren aus Gipspulver gefertigt. „Viele Menschen am Stand haben dieses Ei in der Hand gehalten und betrachtet und sind später dann wieder auf die Möglichkeiten zu sprechen gekommen, die mit meinen Verfahren realisiert werden können“, erklärt Sylvia Goldbach. Das kleine Ei mit all seinen Facetten ist ins Bewusstsein der Kunden vorgestoßen. Der Beginn eines Denkprozesses und manchmal auch Start einer beruflichen Partnerschaft. Mittlerweile bedient „Taktilesdesign“

Kunden in Berlin, Bayern, Sachsen und Köln. Aktuell pflegt sie Kontakte zu zwei Firmen in den USA.

In ihrer Werkstatt liegt feinstes Kunstleder geprägt mit filigranen Gravuren. „Dies sind Oberflächen-Entwürfe für Swimmingpools oder auch Tapeten“, erläutert Goldbach. Ihre Arbeiten nehmen unbewusst auch täglich Tausende Autofahrer wahr. Sie habe Armaturenoberflächen für Automobile entworfen - für Mini, BMW, Audi und Mercedes. Entwürfe aus Pansdorf würden über Lieferanten in den Automobilwerken landen. Ein weiteres Betätigungsfeld seien Oberflächenstrukturen für Produkte wie Brillen. „Die auf meiner Nase ist ein 3-D-Druck“, erzählt sie.

Goldbach tanzt auf vielen Hochzeiten. Bei einem Wochenarbeitsrhythmus mit 60 Stunden ist der Familienalltag mit Kindern, Ehemann, Haus und Hof eine Herausforderung. Da sie für die Zukunft von eher mehr als weniger Aufträgen ausgeht, sieht sie Handlungsbedarf. „Mein Wunsch ist es, nicht mehr ganz auf mich allein gestellt zu bleiben.“ Sie habe bereits begonnen, ein Team aufzubauen. Kein leichtes Unterfangen. Es gibt bundesweit nur sehr wenige Fachkräfte, die sich in ihrem Metier auskennen und zur Verfügung stehen.

Ihr Zwischenfazit in der jungen Selbstständigkeit fällt positiv aus: „Netzwerk und Auftragslage verbessern sich stetig. Ich bin auf das gespannt, was noch kommt.“ Vielleicht folgen als Inspirationsquelle nach Fischhäuten nun Federn von Wasservögeln mit hydrophoben Formen als wasserabweisende Oberfläche.

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DIE GRÜNDERIN:

Sylvia Goldbach, 44 Jahre alt, verheiratet, zwei Kinder, lebt in Pansdorf. Berufe: Bildhauerin und Grafikdesignerin. Stammt aus dem Schwarzwald.

DAS ZIEL:

Etablierung mit der Selbstständigkeit auf einem hoch technologischen, internationalen Markt mit spannenden Partnern. In diesem Zusammenhang Aufbau eines Entwicklungsbüros.

GRÜNDERGEISTER DIE IDEE:

Raus aus dem Angestellten-Verhältnis und hin zu kreativen, freien und eigenen Visionen. Jetzt schon bewerben: LN-Existenzgründerpreis 2018 Zum achten Mal loben die Lübecker Nachrichten einen Preis für mutige Firmengründer aus.

Für die Verleihung des LN-Existenzgründerpreises im Frühjahr 2018 können Sie sich schon jetzt bewerben. Teilnahmeberechtigt sind volljährige Existenzgründer mit Unternehmen, die nach dem 1. Januar 2014 gegründet wurden und ihren Sitz im Raum Lübeck haben. 5000 Euro gibt es für den Existenzgründerpreis, gestiftet von Juwelier Mahlberg, 3000 Euro für den LN-Innovations- und Mutpreis für eine ungewöhnliche Geschäftsidee.

Bewerber fordern die Unterlagen unter existenzgruenderpreis@LN-Luebeck.de an oder: www.LN-existenzgruenderpreis.de

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