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Heiligenhafener Kirche will kein Flüchtlingscafé

Heiligenhafen Heiligenhafener Kirche will kein Flüchtlingscafé

Kirchenvorstand entspricht nicht dem Wunsch der Ehrenamtler, das Gemeindehaus für ein wöchentliches Flüchtlings-Frühstück bereitzustellen.

Heiligenhafen. /Grömitz. Gabriele Wenner, Koordinatorin der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe in Heiligenhafen, hat ihren Glauben verloren. Den Glauben an die örtliche evangelische Kirche. Denn diese hat nun auf eine Anfrage der Flüchtlingshilfe eine Absage erteilt. Die wollte einmal pro Woche ein Asylbewerber- Frühstück im Gemeindehaus im Thulboden durchführen.

Peter Mantik (44) über die Absage der evangelischen Kirche an die Flüchtlingshilfe.

„Wo bleibt unsere Willkom- menskultur?“

 Gabriele Wenner,

Flüchtlingshilfe

Der Kirchenvorstand hat das — bereits zum zweiten Mal in dieser Sache — beschlossen. Die schriftliche Begründung liegt den LN vor. Darin steht: „Unseres Erachtens dient das Gemeindehaus zuerst der Versammlung der christlichen Gemeinde vor Ort.“ Weiter wolle man kein Bürgerhaus-Ersatz sein. Man sehe auch das Fördern von Integration und das Schaffen von Treffpunkten als eine zunächst staatliche Aufgabe an. Die evangelische Kirche verweist an die Stadt und schreibt weiter: „Wir können es nicht begreifen, dass die Stadt, die ja bei Feuerwehr, in Schulen, im Ferienpark, im Jugendzentrum über Räume verfügt, Ihnen diese nicht anbietet, sondern an uns, beziehungsweise die katholische Gemeinde verweist.“

Gabriele Wenner und ihre Heiligenhafener Mitstreiter fragen an dieser Stelle: „Wo bleibt unsere Willkommenskultur?“ Wenner schreibt an die LN: „Die Stärke unserer Gesellschaft liegt in der Bereitschaft anzupacken. So geschehen im letzten Jahr, als der improvisierte Deutschunterricht von Ehrenamtlichen für Asylbewerber wegen der stetig steigenden Zahlen von Flüchtlingen aus den Nähten zu platzen drohte. Die evangelische Kirche erklärte sich auf Anfrage spontan bereit, zweimal pro Woche Räumlichkeiten im Gemeindehaus für Unterricht zur Verfügung zu stellen.“

Die Ehrenamtler argumentieren: „Neben den Sprachbarrieren erschweren unterschiedliche Kulturen das gegenseitige Kennenlernen und Verstehen. Eine angedachte Möglichkeit ist ein in regelmäßigen Abständen stattfindendes Treffen von Heiligenhafenern und Flüchtlingen.“ Bei diesen Gelegenheiten könne man in lockerer Atmosphäre aufeinander zugehen und sich näher kennenlernen, um viele Vorurteile, die sich in der Vergangenheit aufgebaut hätten, zu relativieren und um Hemmungen abzubauen. Wenner bedauerte die Absage der Kirche im Gespräch mit den LN zutiefst.

Der Kirchenvorstand schreibt am Ende des Briefes an die Flüchtlingshilfe: „Ich will nicht verhehlen, dass auch die Androhung, sollten wir nicht in Ihrem Sinne entscheiden, ginge man zur Presse, die Stimmung zusätzlich beeinträchtigt hat, denn natürlich wurde das als Erpressung aufgefasst.“ Unterschrieben von Pastor Carsten Sauerberg, Vorsitzender des Kirchenvorstandes.

Ganz anders verhält es sich dagegen in Grömitz — hier lädt der Arbeitskreis „Café der Begegnung“ regelmäßig zum Begegnungs-Treffen in das kirchliche Gemeindehaus ein. Das Ziel: Grömitzer und Asylsuchende sollen zusammenkommen, um so durch gute Kontakte die Integration zu fördern.

Auch auf Fehmarn versucht die Kirche durch Treffen der Insulaner mit den Neubürgern Kontakte aufzubauen. Gerne stellt sie auch ihre Räumlichkeiten bereit — zum Beispiel, wenn die Fehmarn-Tafel ein gespendetes warmes Mittagessen serviert, zu dem auch ausländische Mitbürger eingeladen sind.

Eine Frage der Nächstenliebe

Und Jesus sprach: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Und: „Alles Handeln zum Wohle des Nächsten, so dass ihm kein Schaden entsteht.“

Nachzulesen sind diese und viele weitere Zitate zur Nächstenliebe in der Bibel. Vielleicht sollten sich auch die Mitglieder des evangelischen Kirchenvorstandes in Heiligenhafen dieser Zeilen nochmals bewusst werden. Vielleicht sollten sie in sich gehen und fragen: Habe ich richtig geurteilt? Irren ist menschlich. Es ist noch nicht zu spät, jetzt doch das Richtige zu tun.

An dieser Stelle aber muss sich die Kirche womöglich grundsätzlich fragen, ob der Hirte auf diese Weise seine Herde noch zusammenhalten kann. Die Besinnung auf die christlichen Werte scheint hier angebrachter.

Peter Mantik

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