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Ostholstein Heiligenhafens Herrscher der Meere
Lokales Ostholstein Heiligenhafens Herrscher der Meere
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11:51 23.06.2013
Von Peter Mantik
Mit der Stadt Heiligenhafen und dem Ferienpark im Hintergrund steuert die „Barrakuda 2“ in Richtung Graswarder und wird dort ihre Segel setzen. Quelle: Fotos: Peter Mantik
Heiligenhafen

ist um eine 17 Mal sieben Meter große Attraktion reicher. Sie liegt majestätisch an Steg fünf auf den Liegeplätzen eins und zwei und ist das liebste Fotomotiv der Yachthafen-Besucher. Als die „Barrakuda 2“ mit Skipper Burghard Pieske ablegt und in den Fischereihafen der Warderstadt zwecks eines Fotoshootings mit den Lübecker Nachrichten navigiert, hat der 15-Tonnen-Hochseekatamaran alle Aufmerksamkeit auf seiner Seite. Per Sondergenehmigung ins Herz des Hafens. Da drehen sich die Hälse der Urlauber und schauen sogar die Fischer verdutzt drein.

Mit von der Partie ist auch Bruder Eckhard Pieske, der zweite Weltumsegler in der Familie. Er steuert das Beiboot, schaut sich das Manöver von der Seeseite aus an. Die „Barrakuda 2“ dreht sich auf der Stelle, steuert nun Kurs Graswarder und hisst ausgangs des Hafens die gigantische Genua (Vorsegel) mit 100 Quadratmeter Fläche. Heiligenhafen erlebt einen Kurztörn mit seglerischer Strahlkraft.

Später im großräumigen Salon sagt Burghard Pieske mit Cap auf den grauen Locken: „Mit diesem Riesen unterm Hintern in den Hafen zu fahren, ist ein kompliziertes Manöver.“ Liebe auf den ersten Blick war es bei diesem mächtigen Katamaran mit all seiner Elektronik nicht. „Wir müssen uns erst noch intensiv miteinander beschäftigen.“ Sein verstorbener Seglerfreund Osmar Madsen hatte ihm den „Monster-Kat“ vermacht und damit die Pieske-Pläne über Bord geworfen. „Ich wollte schon längst das nächste Großprojekt gestartet haben. Aber nun ist dieser in seiner Art weltweit einzigartige Koloss dazwischen gekommen.“ Bruder Eckhard spricht liebevoll vom „Bremsklotz“. Und im Sog des 1,4 Millionen Euro teuren und über einen Zeitraum von zehn Jahren filigran erbauten Holz-Kunstwerks kam auch die Warderstadt ins Spiel. Heiligenhafen ist die spontanere Liebe der Pieskes. Burghard und seine Ehefrau Silke sind Ehrenmitglieder in 13 Yachtclubs weltweit, doch nur hier auch ordentlich eingetragene Vereinsmitglieder. Skipper Pieske schwärmt: „Heiligenhafen ist die Perle an der Ostseeküste. Nirgends gibt es eine solch ideale Infrastruktur wie hier.“ Die Nähe des zentralen Yachthafens zur Stadt, zum Naturschutzgebiet Graswarder wie auch zum Binnensee sei „einzigartig, ganz zu schweigen vom optimalen Segelrevier, dem Tor nach Skandinavien“. Er blickt in Richtung Ferienzentrum hinaus. „Ich glaube, in Heiligenhafen hat man noch gar nicht so richtig erfasst, welch Potenzial hier schlummert, speziell am Binnensee. Es könnten Wassertaxis zwischen Ferienpark und Stadtzentrum pendeln“, erklärt der 68-Jährige. Und seine Silke ergänzt: „Hier haben wir wirklich alles, um uns wohlzufühlen.“

Die Pieskes sind in Heiligenhafen angekommen, zählen sogar zum Investorenpool des neuen Hafenhotels. Burghard Pieske möchte außerdem noch in diesem Sommer Vorträge in der Warderstadt halten. Dann erzählt er von seinem Sozialprojekt „Euro- Viking“, von den schwer erziehbaren Jugendlichen, mit denen er auf nachgebauten Wikingerschiffen auf der alten Route der Nordmänner segelt.

Der ehemals verbeamtete Pauker Pieske — Fächer Geografie und Pädagogik — gab seine Lehrerlaufbahn früh in den 70er Jahren auf, um auf die Weltmeere hinauszusegeln. International bekannt wurde er, als er von 1977 bis 1987 mit seinem selbst gebauten Katamaran „Shangri-La“ einmal um die Welt navigierte und im Zuge dessen für die erste Ost-West-Umrundung Kap Hoorns mit einer Yacht unter deutscher Flagge den „Trans-Ocean-Preis“ verliehen bekam. Sein Tatendrang ist ungebrochen. Das Ostsee-Altenteil, es ist noch lange nicht in Sicht. Die große Fahrt lockt, vielleicht schon Ende 2014. Details sind noch geheim. Nur eines ist sicher: Pieske wird tief in eine andere Welt eintauchen, sich für eineinhalb bis zwei Jahre in die Ferne verabschieden. Ehe es so weit ist, starten die Pieskes aus Heiligenhafen Kurztrips, wie zuletzt nach Flensburg anlässlich des 60. Geburtstages von Freund und Abenteurer Arved Fuchs oder aber demnächst für eine Stippvisite zur Travemünder Woche. Schließlich will auch ein Super-Katamaran wie „Barrakuda 2“ hin und wieder bewegt werden. Dann gleitet er trotz seines Schwergewichts scheinbar schwerelos über die Ostsee.

Alles über „Barrakuda 2“
Daten und Zahlen: Kaufpreis 1,4 Millionen Euro; HochseekatamaranBarrakuda 2“; Bauzeit: 10 Jahre, Firma Erich-M. Grassmeyer/Geesthacht; Auftragsarbeit von Osmar Madsen, der auch den Bootsentwurf gezeichnet hat; Gewicht: 15 Tonnen; Länge: 17 m, Breite: 7 m, Tiefgang: 0,85 m (mit Schwert 2,1 m); Großsegel 65 m2, Rollreffgenua 100m2, 4 Doppelkabinen mit Kleiderschrank, großer Salon mit Platz für 10 Personen, Leistung: 2 x 215-PS- Steyr- Puch-Motor; Dieseltank: 2 x 750 l; Wassertank: 2 x 500 Liter, 2 schallisolierte Maschinenräume, hydraulische Ruderanlage, Satelliten-Navigationsgerät; Radargerät, UKW-Sprechfunk, Beiboot für 4 Personen mit 10 PS Außenbordmotor; eine Rettungsinsel für 8 Personen.

Peter Mantik

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