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Ostholstein Heimatmuseum schließt Ende Juni
Lokales Ostholstein Heimatmuseum schließt Ende Juni
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22:31 12.06.2018
Letzte Gelegenheit: Für Juli können telefonisch (04524/657) Sonderbesuchstermine vereinbart werden.

„Ich werde in ein Loch fallen“, fürchtet sie. Stets waren die Mittwochnachmittage „ihrem“ Museum vorbehalten. „Seitdem bekannt geworden ist, dass wir hier ’rausmüssen, sind viel mehr Leute als vorher gekommen. Eutiner, aber auch Leute von außerhalb, die übers Internet davon erfahren haben“, berichtet Rita Kennel (67), die selbst pommersche Wurzeln hat. „Allerdings in Neustettins Nachbarkreis Belgard-Schivelbein.“

Es sind die letzten Tage. Mit viel Wehmut sehen die Neustettiner dem Monatsende entgegen. Dann wird das Heimatmuseum Neustettin am Schlossplatz in Eutin schließen. Besonders schwer fällt das Rita Kennel: Seit 15 Jahren betreut sie das Museum ehrenamtlich und mit viel Herzblut.

Noch drei Öffnungstage

Bis zum 27. Juni öffnet das Museum (Eingang Schlossplatz 1) jeden Mittwoch von 15 bis 17 Uhr. Die Feierstunde am Sonnabend, 30. Juni, beginnt um 14 Uhr.

Abschied mit Vortrag und Zeremonie am Neustettin-Stein

Für den 30. Juni hat der Vorstand des Neustettiner Kreisverbandes (NKV) zu einer öffentlichen Verabschiedung ins Heimatmuseum eingeladen. Rita Kennel wird dann noch einmal Gruppen durch die Räume im Obergeschoss der Historischen Reithalle führen. Deren geplanter Umbau ist der Grund dafür, dass das Museum weichen muss. Dr. Wolfgang Kessler, ehemaliger Leiter der Martin-Opitz-Bibliothek in Herne, wird den Vortrag „Abschied vom Museum – Ende der Erinnerung“ halten. Anschließend ist eine Abschiedszeremonie am Neustettin-Stein vorgesehen. Seit 26 Jahren erinnert das Heimatmuseum im Marstallgebäude des Schlosses an den früheren Kreis Neustettin in Hinterpommern. In und nach den Kriegsjahren kamen viele „Ostflüchtlinge“ nach Eutin. Die Bevölkerungszahl der Stadt verdoppelte sich dadurch zeitweise. Weil die Wohnungsnot groß war, wurden Vertriebene sogar im Schloss einquartiert.

Heimatstube erst im Kreishaus, dann im Marstall

Der damalige Kreis Eutin übernahm 1956 die Patenschaft für den Kreis Neustettin, die Stadt Eutin die für die Stadt Neustettin (seit 1945 Szczecinek). „Die Paten stellten kostenlos Heimatstuben zur Verfügung, die zum organisatorischen Mittelpunkt für die Heimatgruppen wurden“, berichtet Gesine Reinstrom, Vorsitzende des NKV. Archiv und Exponate der Neustettiner waren zuerst im Kreishaus untergebracht. Als die Sammlung zu umfänglich wurde, bot die Stadt Eutin die Räume im Marstall an – kostenlos, bis heute.

Auf 60 Quadratmetern Wandfläche zeigt das Heimatmuseum unter anderem Karten und alte Fotos, es gibt 20 Vitrinen mit Erinnerungsstücken, Modelle von Kirchen, landwirtschaftliche Gerätschaften, ein Trachtenmodell. Dazu kommen Bücher und Papiere. In einer Hängeregistratur sind Akten mit Informationen zu 272 Dörfern und Städten verwahrt. „Die hab’ ich alle mal geordnet“, sagt Rita Kennel.

Enthalten sind Einwohnerlisten, alte Bilder, diverse Dokumente. Häufig hat die Museumsbetreuerin Besuchern bei ihrer Spurensuche dank dieser Registratur helfen können. „Sie glauben gar nicht, wie glücklich manche waren, wenn sie nur mit einem Namen hier ’rausgegangen sind. Die haben geweint“, schildert sie und ist bei dem Gedanken daran immer noch ergriffen.

Zum 31. August hat die Stadt dem Neustettiner Kreisverband als Träger des Museums gekündigt. Bürgermeister Carsten Behnck hat aber mittlerweile Verlängerung bis zum Ende des Jahres gewährt.

Darüber ist der Verein froh, hat er so doch mehr Zeit für die Auflösung und die Vermittlung der Exponate in Museen und andere Einrichtungen. Beispielsweise wird die Martin-Opitz-Bibliothek in Herne (zentrale Bibliothek für den historischen deutschen Sprachraum im östlichen Europa) Archiv und Bibliothek übernehmen.

„Wenn sich in Eutin eine kleine Ecke oder Vitrine finden würde. . . Nur dass nicht vergessen wird, dass es uns hier mal gab“, das ist Rita Kennels großer Wunsch. Ein weiterer lässt sich vermutlich leichter erfüllen: „Ich möchte gern ein Bild behalten, das die Schlossanlage Neustettin im Jahr 1670 zeigt“, sagt sie.

Ulrike Benthien

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