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Ostholstein Heimatmuseum will sich neu erfinden
Lokales Ostholstein Heimatmuseum will sich neu erfinden
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22:13 15.08.2017
1992 wurde das Heimatmuseum in der historischen Reithalle eröffnet. Dort muss es bis August 2018 ausziehen. Philipp Duske sucht einen neuen Standort.

Seit 1992 hat das Neustettiner Heimatmuseum seinen Platz im Obergeschoss der Schlossterrassen, jetzt Historische Reithalle genannt.

Neustettiner suchen andere Räume – Ausstellungskonzept soll radikal umgekrempelt werden.

Weil sie vom kommenden Jahr saniert und umgestaltet werden soll, muss das Museum weichen: Spätestens zum 1. August 2018 soll es geräumt sein.

Das stellt den Neustettiner Kreisverband einerseits vor Probleme: Noch weiß der Verein nicht, wohin er ziehen soll. Andererseits ist dem Vorstand klar: In der jetzigen Form kann das Museum nicht weiterbestehen. Schatzmeister Philipp Duske erläutert die Überlegungen: „Ein Museum rechtfertigt seine Existenz, indem es für ein breites Publikum Anziehungspunkt ist.“ Mit 261 Besuchern im vergangenen Jahr (geöffnet ist das Museum mittwochs von 15 bis 17 Uhr) fällt das Interesse mager aus. „Hinzu kommt, dass die ,Erlebnisgeneration’ der ehemaligen Neustettiner in absehbarer Zeit nicht mehr existent sein wird“, sagt Duske. Der Vorstand hat die Konsequenz gezogen: Das Ausstellungskonzept soll komplett geändert werden.

Angepeilt wird für die Zukunft „eine zeitgemäße Erinnerungsstruktur, ein örtlicher Bezug zu Eutin/Ostholstein und eine Bezugnahme auf die Gegenwart“. Das bedeutet im Einzelnen, die Flucht und Vertreibung der Menschen aus den ehemaligen Ost-Provinzen wie Pommern, Schlesien, Ostpreußen und ihre Aufnahme und Eingliederung in Eutin und im Kreis Ostholstein bildlich und textlich modern darzustellen. Beispielhaft soll dies durch Fluchtberichte und Integrations-Biografien ehemaliger Neustettiner ergänzt werden. Ein Teil des Inventars aus dem Heimatmuseum – vielfach 1945 von Flüchtlingen mitgeschleppt – könne genutzt werden, das Thema „erlebbar“ zu machen, schwebt dem Verein vor.

„Eutin und der Kreis wurden 1945 von dem Flüchtlingsstrom geradezu überrollt, die Bevölkerungszahl hat sich verdoppelt. Was Stadt und Kreis in den Folgejahren geleistet haben, war enorm. Ihre damalige Integrationsleistung ist kulturhistorisch und museal aber ein völlig unbearbeiteter Acker“, sagt Philipp Duske, der hier Ansatzpunkte für die Revolution der Vereinsarbeit sieht.

Eine weitere Überlegung des Vorstands der Neustettiner: den Bogen schlagen zur Flüchtlingsbewegung heute. „Damals flohen die Menschen von Deutschland nach Deutschland“, erinnert Duske. „Diejenigen, die heute ihre Heimat verlassen, kommen in andere Klimazonen, eine fremde Kultur, sie stoßen auf eine fremde Sprache und ein völlig neues Rollenverständnis. Aber das Trauma, die Heimat verloren zu haben, eint die Menschen von damals und heute.“

Philipp Duske hat selbst verwandtschaftliche Beziehungen nach Neustettin. Sein Vater kam dort 1944 zur Welt, Anfang 1945 machten sich die Großeltern mit ihm per Treck auf gen Westen. „Meine Großeltern haben die Erlebnisse verdrängt. Mein Vater ist nie im Heimatmuseum gewesen. Mich treibt die Neugier der Enkelgeneration“, sagt der 44-Jährige. Und der Wille, das Museum in veränderter Form zu bewahren. Die Vorstellungen seines Vorstands dazu will der Schatzmeister dem Eutiner Kulturausschuss demnächst darlegen, von dem er sich Unterstützung mindestens bei der Suche nach neuen Räumen erhofft. „Wir waren in der jetzigen Situation gefordert, uns von dem, was ist, zu verabschieden und uns etwas einfallen zu lassen. Wir liefern jetzt“, sagt Duske. Auch finanziell können Verein und Heimatkreisausschuss mit einer respektablen Summe aufwarten. Zur Umsetzung eines neuen Konzeptes können sie 20000 Euro beitragen. Der Vorstand hat sich darüberhinaus bei den „Förderlotsen“ der Investitionsbank Schleswig-Holstein schlau gemacht – „für ein neues Konzept kommen ein bis drei Fördertöpfe infrage“.

Umfangreiches Archiv

90 Quadratmeter Fläche hat das jetzige Neustettiner Heimatmuseum. Es besitzt 24 laufende Meter Archivgut, die der Kreisverband der Martin- Opitz-Bibliothek in Herne zukommen lassen will. Diese sammelt Schriftstücke zur Geschichte und Kultur der Deutschen im östliches Europa mit Schwerpunkt auf Schlesien, Pommern, Ost- und Westpreußen sowie Ostbrandenburg. Auf 60 Quadratmetern Wandfläche zeigt das Heimatmuseum unter anderem Karten und alte Fotos, es gibt 20 Vitrinen mit Erinnerungsstücken.

Seit 1956 bestehen die Patenschaften zwischen der Stadt Eutin und der Stadt Neustettin (seit 1945 Szczecinek) sowie die zwischen dem Kreis Ostholstein (bis 1970 Kreis Eutin) und dem Kreis Neustettin. Eutin und Szczecinek trennen 400 Kilometer.

Ulrike Benthien

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