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Ostholstein Mit Musik gegen Fremdenhass
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16:03 13.09.2018
Heinz Ratz, Frontmann von "Strom & Wasser". Quelle: Stefanie Marcus
Ratekau

Heinz Ratz ist kein durchschnittlicher 50-Jähriger. Mit den Geschichten aus seinem Leben könnte man gleich mehrere Romane füllen. „Bei mir ist immer alles sehr abenteuerlich“, sagt der Liedermacher. Seine Mutter stammt aus Peru, sein deutscher Vater erzog ihn mit rechten Weltanschauungen. In seiner Kindheit musste er aus Saudi-Arabien fliehen, flog von mehr als einem Dutzend Schulen, und zog knapp 50-mal um. Ein Leben der Kontraste, von dem seine Arbeit heute lebt.

„Als ich mich entschieden habe, Künstler zu sein, hat mich dieses Gefühl, für die Menschen da sein zu müssen, die keine Stimme in der Gesellschaft haben, nie losgelassen.“, erzählt Ratz nachdenklich. Dieses habe sich bei ihm während des Aufwachsens unter sehr unterschiedlichen Lebensumständen entwickelt. Bereits als kleiner Junge sei er mit vielen kriegerischen Eindrücken konfrontiert gewesen.

Eine Kindheit ohne Halt

Sein Vater war Arzt, laut Ratz hatte er „immer eine Unzufriedenheit“ an sich. Diese bewegte ihn dazu, mitsamt seiner Familie ständig umzuziehen. „Wir waren höchstens ein Jahr am selben Ort, dann ging es wieder in ein anderes Land, eine andere Stadt.“ In Saudi-Arabien wurden der Familie ihre Pässe abgenommen. Als sein Vater ausreisen wollte, mussten sie über Jordanien fliehen. „So kamen wir in die Situation, selber Flüchtlinge zu sein. Das ist ja relativ selten für Mitteleuropäer“, erzählt Ratz. Mit seiner Mutter ging er damals nach Peru, wo zu der Zeit Bürgerkrieg herrschte. „Ständig gingen irgendwelche Bomben hoch, die Milch ging aus, wir hatten überhaupt kein Geld. Man hat überall Soldatenpatrouillen mit Maschinengewehren gesehen.“

1984 lebte Ratz mit seinen Eltern in Buenos Aires. Sein Vater steckte ihn dort in ein „Internat, das eher ein Heim für Straßenkinder war“. Die Militärfront sei in Argentinien noch sehr stark gewesen. „Damals, als 15-Jähriger, habe ich gemerkt, dass meine ganzen rechten Weltanschauungen, die von mir von meiner väterlichen Familie einfach übernommen worden waren, einfach falsch sein müssen. Weil die Leute, die ich eigentlich hätte gut finden müssen, so viel Unrecht getan haben.“ Nach dieser Realisierung deckte er sich beim Goethe-Institut mit neutralen Geschichtsbüchern ein und brachte sich „alles noch einmal selber bei“. So startete seine Entwicklung zu seinem heutigen Ich.

Aufmüpfig war er schon immer gewesen: Ratz flog von mehr als einem Dutzend Schulen. Seinen Abschluss machte er nie. Während seiner vielen Auslandsaufenthalte hat Ratz „sehr viele Formen von Unrecht sehen können“. Er erlebte, wie es war arm zu sein, und ging auf feine Internate. Darum sei sein Sinn für Ungerechtigkeit so ausgeprägt.

Künstlerische Karriere begann holprig

„Eigentlich bin ich eher ein lustiger Typ, ohne all diese Umstände wäre ich eher Kabarettist geworden“, erzählt Heinz Ratz. Der Beginn seiner künstlerischen Karriere war holprig. „Diese Mischung aus kritischem Geist aber doch noch recht unerfahren und jung, das ist meistens für die Zuschauer auch nicht so attraktiv“, sagt er und lacht. Deswegen habe es lange gedauert, bis er von seiner Kunst einigermaßen leben konnte.

Die Kieler Band tourt schon seit Jahren durch Deutschland und engagiert sich unter anderem gegen Rassismus. Quelle: Anni Buhl

2008 startete der Liedermacher sein Projekt „Moralischer Triathlon“. Er lief für Obdachlose, schwamm für den Schutz der Artenvielfalt und radelte für Flüchtlinge. Nachdem die BBC über seine Unternehmungen berichtete, erlangten sie auch in den deutschen Medien einiges an Aufmerksamkeit. Da war Ratz bereits Frontmann der Kieler Band „Strom & Wasser“. Mit der engagiert er sich seit inzwischen zwölf Jahren für verschiedene Anliegen. Auf ihrer Website kündigt sich die Gruppe mit einer „Mischung aus Politik, Party und anspruchsvollen Texten“ an.

Auftritt in Ratekau

Am 14. September machen die Musiker Halt in Ratekau. An der Cesar-Klein-Schule organisieren sie tagsüber ein Anti-Rassismus-Programm. Die Schüler der Oberstufe kriegen ihre Lieder und persönliche Erfahrungsberichte zu hören. Fragen sind natürlich erwünscht. Am Abend findet am 20 Uhr in der Mensa der Schule ein öffentliches Konzert statt. Ratz sagt: „Wir sind keine Betroffenheits-Band, bei der man nach jedem Song trauriger wird.“ Stattdessen gäbe es ein buntes Programm, das die „Verhärtung der Gesellschaft“ und den respektvollen Umgang miteinander thematisiere. Wer interessiert ist, kann unter Telefon 04504/708780, im Papierhaus Lahn oder an der Abendkasse Karten kaufen. Normale Tickets kosten zehn Euro, der ermäßigte Preis beträgt fünf Euro.

Johanna Ohde

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