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Hendrix, Heydrich, Kirchner: Spurensuche auf der Insel

Fehmarn Hendrix, Heydrich, Kirchner: Spurensuche auf der Insel

Denkwürdiger Literaturabend im Burger Kino: Mirko Bonné, seit frühester Kindheit oft auf der Insel zu Gast, liest aus seinem neuen Buch „Mein Fehmarn“. Nicht alle jubeln. Als die NS-Zeit auf der Insel eine kontroverse Debatte auslöst, verlassen mehrere Zuhörerinnen den Saal.

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Erstmals Lesung im Burger Kino: Mirko Bonné, Autor des Buches „Mein Fehmarn“.

Quelle: Foto: Schwennsen

Burg a. F. Dabei beginnt der Abend erhellend. „Mein Fehmarn“ – ein ungewöhnlicher Titel für das Buch eines Hamburger Autors, der ursprünglich vom Tegernsee kommt. Vielleicht sogar ein wenig anmaßend? Doch Bonné

Das Buch

Mirko Bonné: Mein Fehmarn – Fehmarn mein. Mare Verlag, Hamburg 2017. 160 Seiten, 18 Euro

Der Autor hat zahlreiche Gedichtbände und Romane geschrieben, daneben ist er als Übersetzer tätig.

klärt sein Publikum auf: Nikolaus Gelpke, Schweizer Meeresbiologe und Verleger der ambitionierten Zeitschrift „Mare“, ermuntert seine Autoren, für die Reihe „Meine Insel“ ihre jeweilige Lieblingsinsel neu zu entdecken.

Für Mirko Bonné, Jahrgang 1965, keine Frage: „Fehmarn ist die Insel der leuchtend hellen Seite meiner Kindheit und Jugend, der Ort, wo die Liebe zum Leben in mir erwacht ist.“ Am zarten Anfang sind es die staunenden Erlebnisse als „Sommerinselkind“ einer Urlauberfamilie in Hinrichsdorf – einem kleinen Dorf, das selbst für Fehmaraner nicht als „Nabel der Welt“ taugt. Und ausgerechnet hier erwächst große Literatur.

Die Erwartungshaltung der Zuhörer an diesem Abend könnte kaum größer sein. Da sind die Insel-Impressionen eines mehrfach preisgekrönten Autors, der das Landleben auf Fehmarn ausleuchtet, kaum dass die Sundbrücke für ungeahnten Aufschwung, ebenso aber Brüche in den Dörfern sorgt.

Da ist zweitens der große Expressionist Ernst Ludwig Kirchner, der vor über 100 Jahren seine Sommererlebnisse auf der Insel „voller Südseereichtum“ zu heute großen Werken der Kunstgeschichte verarbeitet, bis der Ausbruch des Ersten Weltkrieges ihn aus seinem „irdischen Paradies“ vertreibt. Der Kirchner-Verein Fehmarn ist Mit-Veranstalter dieser Lesung. Imke Ehlers, die 2. Vorsitzende, verblüfft an Bonné: „Der Roman-Essay zeigt, da hat schon jemand in den 80er Jahren bewusst Kirchners Fehmarn-Zeit wahrgenommen.“

Doch als Bonné, der nach eigenen Angaben schon etwa 35-mal auf Fehmarn gewesen ist, eine kurze Pause einlegt, droht der Abend plötzlich zu kippen. Denn einige Zuhörer kennen sich bereits gut in seinem Buch aus und wollen mehr zu einem Thema wissen, über das auf der Insel – so der Autor – „nicht gerne geredet wird“. Das aber im Buch eine ganz gewichtige Rolle einnimmt: Fehmarns NS-Zeit.

„Man könnte meinen, Fehmarn wäre nicht Teil des ,Großdeutschen Reiches’, sondern (. . .) ein eigenes, neutrales Land gewesen, ein kleines Inselschweden“, reflektiert er in dem bewegenden Kapitel „Der Tod auf Fehmarn“. Darin geht es um wüste Hexenverbrennungen in finsterer Zeit, aber auch um die Spuren von Nazi-Deutschland, die direkt und unmittelbar nach Fehmarn führen. Bonné

erinnert an den schon vorher vergessenen Jüdischen Friedhof an der alten Sundchaussee, an den nach 1945 aus dem Goldenen Buch der Stadt getilgten Ehrenbürger Himmler und vor allem an die Heydrich- Witwe auf Fehmarn, der er selbst noch begegnet ist.

Es gibt Nachfragen aus dem Publikum, aber auch erste Unmutsäußerungen. Bonné legt nach: „Warum ist das NSU-Trio nach Fehmarn gefahren und hat nicht auf Rügen Urlaub gemacht?“ In der Schweiz sei er auf einer Lesereise gefragt worden, ob Fehmarn eine „braune Insel“ sei. Bonné hält trotzdem an seiner Liebeserklärung fest: „Man sollte die Kirche im Dorf lassen. Aber Fehmarn ist beides – Jimi Hendrix und Reinhard Heydrich.“ Doch der Eklat ist da. Drei Zuhörerinnen verlassen den Saal. Die Diskussion mit dem Autor läuft ohne ihre Gegenstimme weiter.

Gerd-J. Schwennsen

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