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Ostholstein Herbie zaubert ein Lächeln ins Gesicht
Lokales Ostholstein Herbie zaubert ein Lächeln ins Gesicht
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11:22 17.08.2017
Anja Volke aus Dortmund testet die Sitze. Ihr Bruder fuhr vor 40 Jahren einen orangenen Käfer. Quelle: Beke Zill
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Eutin/Timmendorfer Strand

Lars war mit seinen acht Jahren einer der jüngsten, Ingrid Tesnau mit 89 Jahren eine der ältesten Bewunderer von Herbie in Eutin. Der Schüler war mit seiner Mutter extra aus Lübeck angereist, um das Kultauto zu sehen. Er kennt es aus Kinofilmen und aus dem Fernsehen. „Der ist echt cool“, befand Lars, als er am Steuer saß. Die Eutinerin Ingrid Tesnau schwelgte in schönen Erinnerungen. Sie dachte vor allem an ihre Hochzeitsreise im Jahr 1952, die sie mit Ehemann Heinz nach Italien führte und an zwei große Fahrten in den Orient, nach Bagdad, in den Iran und Irak sowie an lange Spanien-Rundreisen.

Der VW-Kult-Käfer ist auf seiner Tour durch Ostholstein ein gefragtes Fotomotiv. Zahlreiche Ostholsteiner kamen nach Eutin und Timmendorfer Strand.

Hauke Wöhling (40) aus Eutin fotografierte Herbie von allen Seiten. „Das Auto ist doch Kult. Es macht Spaß, alte Geschichten aufleben zu lassen.“ Dem VW Beetle als Käfer- Nachfolger steht er skeptisch gegenüber: „Da wurde versucht, etwas nachzubauen, was man einfach nicht nachbauen kann.“ Der Eutiner Olaf Schmidt ist Oldtimer-Kenner. Seinen ersten Käfer hatte er „Mitte der 70er Jahre“. Er guckt Herbie unter die Haube und sagt: „Immer hörbar einrasten lassen.“ Der Physiker Volkhard Brückner (76) ist begeistert von der Aktion: „Großartig. Fabelhaft.“ Er war in seinem Semester der einzige Student mit einem Auto. Sein erstes war ein schwarzer VW, später folgten noch zwei weitere. Und anders als heute war damals auch nicht so viel Verkehr. „Zwischen Köln und Aachen war die Autobahn manchmal leer.“

„Als die Werbung in den 1970er Jahren das ,Getriebesystem Porsche’ beim VW anpries, dachten alle, sie hätten einen Porsche“, erzählt Otto Horstmann (76) aus Vinzier. Rückblickend sagt der gelernte Maurer: „Die VWs waren richtige Spritschleudern. Und wie alle anderen Autos auch sind die VWs einem unterm Hintern weggerostet.“
Klaus Lehmkuhl (58) aus Röbel hat als Kind in einem voll besetzten VW Käfer bei Fahrten an den Strand manchmal in der Hutablage gesessen. „Immer wenn die Polizei kam, musste ich mich dann duken und verschwinden. In diesem Herbie steckt noch ehrliche Handwerkskunst“, sagt er bewundernd. Andererseits lässt er kein gutes Haar an der heutigen VW-Politik: „Wegen der Manipulationen gehören die VW-Bosse doch alle ins Gefängnis.“ Axel Scheel, ebenfalls aus Röbel, baut gerade selbst einen Käfer wieder zusammen. „Genauso einen wie diesen. Ich habe mal geguckt, wie das bei der Motorhaube mit dem Federmechanismus funktioniert.“

Auch in Timmendorfer Strand zieht der beigefarbene Käfer die Blicke auf sich. Helmut Wunsch aus Bad Segeberg hat Herbie entdeckt, kommt näher und begutachtet die Armaturen, streicht vorsichtig über den Lack, öffnet die Heckklappe: „Mein erstes Auto war ein VW Käfer. Auch in beige und mit Schiebedach.“ 1967, im Alter von 20 Jahren, kaufte er sich das Auto und fuhr etwa sieben Jahre lang mit ihm auch nach Dänemark. „Das war Fahrgefühl pur.“ Für 999,99 DM verkaufte Wunsch den Käfer wieder.

Auch Thorsten Humburg kommt ins Schwärmen, als er in dem Käfer, der mitten auf dem Timmendorfer Platz parkt, Platz nimmt. „Mein Vater hatte einen VW Käfer in Rot“, erzählt der Kasseler. Mit fünf Kindern saßen sie hinten drin. „Das war ein Erlebnis gewesen“, sagt Humburg, der heute bei VW in Kassel arbeitet. Auch Tim Grabau (19) bleibt kurz stehen und macht ein Selfie von sich und Herbie. „Ich kenne alle Herbie-Filme. Ich gucke sie mir immer wieder gerne an.“ Günter Schneider fand den Film witzig. Noch mehr interessierte ihn aber das Auto. „Ich höre einen Käfer aus Hundert Metern Entfernung“, sagt der Braunschweiger, der 1958 selbst einen blauen Käfer fuhr.

Uwe Sievers berichtet von einer Reise mit seinen damals kleinen Zwillingen auf der Rückbank seines grünen Käfers nach Kassel zur Schwiegermutter. Der Kinderwagen war auf dem Dach festgeschnallt. Ein echter Kraftakt, vor allem auf der Autobahn in den Kasseler Bergen mit nur 34 PS. „Ich hatte viel Spaß mit dem Auto, das war immer ein Abenteuer. Aber es ging, alle waren zufrieden.“

Noch mehr Herbie

Schicken Sie uns ein Foto von Ihrem ersten Auto und schildern Sie kurz ein besonderes Erlebnis (redaktion. eutin@ln-luebeck.de). Die LN verlosen unter allen Einsendern (bitte vollständige Adressangabe) mit dem Autohaus Senger ein Erlebniswochenende mit einem Beetle Cabriolet! Eine Tankfüllung und 500 Freikilometer kommen ebenfalls dazu.
Mehr zu Herbie unter www.ln-online.de/herbie

 bz,cd,jhw

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