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Heute vor 20 Jahren: Fünf Tote bei Hubschrauber-Absturz

Neustadt Heute vor 20 Jahren: Fünf Tote bei Hubschrauber-Absturz

Tragisches Unglück bei Rettungsübung im Neustädter Hafen – Die LN sprachen mit einem Augenzeugen sowie dem damaligen Wehrführer.

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Das Wrack des BO 105 der Hamburger Bereitschaftspolizei wurde aus etwa sechs Metern Tiefe geborgen.

Quelle: Wolfgang Langenstrassen

Neustadt. Der 6. August 1996 ist für viele Polizisten und Neustädter Bürger bis heute ein schwarzer Tag. An diesem Dienstag üben Beamte der Hamburger Polizei im Hafen zwischen Ancora Marina und Wieksberg die Rettung von Menschen aus dem Wasser. Um kurz vor 12 Uhr geschieht das Unglück. Das Seil, an dem ein Rettungskorb hängt, gerät in den Rotor.

LN-Bild

Tragisches Unglück bei Rettungsübung im Neustädter Hafen – Die LN sprachen mit einem Augenzeugen sowie dem damaligen Wehrführer.

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Der Hubschrauber prallt auf die Ostsee. Zwei Besatzungsmitglieder und drei Taucher sterben. Das Luftfahrtbundesamt teilt später mit, dass der Korb zu leicht und die Leine zu kurz gewesen sei. Ein tragisches Unglück. Ein Gedenkstein auf dem Gelände der Hamburger Bereitschaftspolizei erinnert an die Toten.

Einer der Ersten, der bemerkt, dass die Übung eine dramatische Wendung nimmt, ist ein 30-jähriger Seemann. „Ich war Besatzungsmitglied, hatte Dienst im Hafenbereich und war gerade auf dem Weg zum Streifenboot, um mich umzuziehen“, erinnert sich der Mann (50), der noch heute für die Bundespolizei See arbeitet, seinen Namen aber nicht nennen möchte. „Ich habe gesehen, wie der Hubschrauber hinter der Ex-Fregatte ,Köln’ verschwand und nicht wieder aufgetaucht ist. Dabei hätte er doch wieder hochkommen müssen“, erzählt er. Der junge Seemann eilt auf die Pier, realisiert, dass der Hubschrauber im Hafen abgestürzt ist.

Etwas weiter entfernt sitzt Otto Stoehr an seinem Schreibtisch. Der Kasernenoffizier hat das Fenster geöffnet. „Auf einmal war Ruhe. Zuvor hatte es stundenlang gescheppert“, erinnert er sich. Dann klingelt sein Telefon. Stoehr, heute längst im Ruhestand, erfährt, dass der Hubschrauber abgestürzt ist.

Der junge Seemann ist inzwischen auf dem Kontrollboot angekommen. „Wir sind direkt los, haben versucht Hilfe zu leisten“, schildert er die Ereignisse, stockt und sagt, dass nun die „traurigen Stellen“ kommen. Sie bergen einen der Polizeitaucher, versuchen ihn wiederzubeleben. Minutenlang. Erst an Bord, dann an Land. Ein Arzt übernimmt, stellt fest, dass der Mann verstorben ist.

Schnell kommen weitere Rettungskräfte hinzu. Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) ist mit dem Seenotrettungsboot „Crempe“ vor Ort. Marine-Soldaten springen ins Wasser, versuchen die Opfer zu retten. Ebenfalls im Einsatz sind zwei Rettungshubschrauber und auch die Neustädter Feuerwehr.

Hans-Erwin Jaekel, von 1984 bis 2008 Wehrführer, hat die schrecklichen Szenen nie vergessen. „Wir hatten eine Alarmierung. Es hieß, dass ein Hubschrauber in den Hafen gestürzt ist. Wir sind direkt zur Ancora gefahren, haben geguckt, was wir machen können“, so Jaekel gestern in einem Telefonat mit den LN. Schnell sei klar geworden, dass man die Feuerwehrleute nicht benötigen würden. „Der Bundesgrenzschutz (heute Bundespolizei) hat die Leitung übernommen“, sagt Jaekel. Er und seine Kameraden stehen auf der Kaimauer gegenüber dem Wieksberg. Sie sehen wie Sportboote versuchen, zu Hilfe zu kommen, weisen die beiden neu ankommenden Hubschrauber ein.

Im Laufe des Nachmittags wird klar, dass niemand diesen Absturz überlebt hat. Zwei Besatzungsmitglieder und drei Taucher starben während der Rettungsübung des Technischen Zuges der Hamburger Bereitschaftspolizei. „Die Trauerfeier fand im Hamburger Michel statt. Eine Gedenkfeier in der Halle der Ancora Marina“, erzählt Hans- Erwin Jaekel. Der damalige Seemann sagt: „Das ging uns allen sehr nah. Das muss man erstmal verarbeiten.“

Im April 1998 teilt die Lübecker Staatsanwaltschaft schließlich mit, dass niemand juristisch zur Verantwortung gezogen wird. Ein im Sommer zuvor eingeleitetes Ermittlungsverfahren gegen den Staffelführer wegen fahrlässiger Tötung wurde eingestellt. Der Pilot hätte die Gefahr nicht vorhersehen können, erklärt der damalige Oberstaatsanwalt Günter Möller.

Hubschrauber-Unglücke im Norden

Februar 2016: Bei Bimöhlen (Kreis Segeberg) stürzt ein Hubschrauber der Bundespolizei während einer Übung ab. Zwei Menschen sterben. Der Co-Pilot soll einen Fehler gemacht haben.

März 2014: Bei einer Übung vor dem Darß berührt der Rettungshubschrauber „Christoph Offshore 2“ das Meer und sackt plötzlich weg. Drei Menschen sterben. Ursache soll menschliches Versagen gewesen sein.

Dezember 2012: Vor Sierksdorf sterben ein norwegischer Pilot sowie ein Passagier. Der Hubschrauber stürzte aufgrund eines technischen Defekts in die Ostsee.

November 1999: Auf dem Weg zu einer Verkehrsüberwachung stürzt ein Polizeihubschrauber in ein Waldstück des Bundeswehrstandortes Basepohl in Mecklenburg-Vorpommern. Der

Pilot und ein zweiter Beamter sind

sofort tot, der Kopilot stirbt am nächsten Tag im Krankenhaus. Der Pilot war zu tief geflogen.

Sebastian Rosenkötter

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