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Ostholstein Hier kommt der Otter nicht unter die Räder
Lokales Ostholstein Hier kommt der Otter nicht unter die Räder
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17:30 30.07.2016
Carsten Burggraf und Hanna Kirschnick-Schmidt erklären Grünen Fraktionschefin Eka von Kalben (Mitte) den Otterpfad. Quelle: Arnold Petersen
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Schwochel

Krötentunnel, Grün- oder Fledermausbrücken genießen gemeinhin nicht den besten Ruf. Viele halten die Bauwerke, die Tieren ein sicheres Über- oder Unterqueren von Straßen ermöglichen, für Geldverschwendung. Wie wichtig solche Hilfen sind und wie viel sich schon mit geringem Aufwand erreichen lässt, davon verschaffte sich gestern Grünen-Fraktionschefin Eka von Kalben einen Eindruck. Im Rahmen ihrer einwöchigen Sommertour durch Schleswig-Holstein besichtigte die Landtagspolitikerin in Schwochel bei Ahrensbök eine so genannte Otterberme, einen Fußpfad speziell für Otter. „Tolle Sache“, lautete ihr Kommentar.

In den 80er-Jahren galt der Fischotter hier als nahezu ausgestorben. Gewässerausbau und schlechte Wasserqualität hatten dem ans Wasserleben angepassten Marder schwer zugesetzt. Inzwischen wächst der Bestand wieder. „Der Fischotter ist nach wie vor ein seltenes Tier und steht auf der roten Liste. Aber er ist ein Wiederkehrer“, erläuterte Carsten Burggraf von der Lokalen Aktion Schwartau-Schwentine in Trägerschaft des Vereins „Wasser Otter Mensch“. Neben der besseren Wasserqualität helfen dabei nicht zuletzt Einrichtungen wie die 2013 angelegte Otterberme unter der Gemeindestraße von Schwochel nach Wulfsdorf.

Früher floss hier die Flörckendorfer Mühlenau in einem Betonschacht unter der Straße hindurch. Kein Otter wäre da hineinmarschiert, sie wollen Boden unter den Füßen haben. Also verließen die bevorzugt in der Dämmerung auf Wanderschaft gehenden Tiere den Bachlauf und überquerten die Straße – für sie ein großes Risiko. „Der Straßenverkehr ist das Hauptproblem für den Otter“, berichtete Hannah Kirschnick-Schmidt, Geschäftsführerin des Wasser- und Bodenverbandes Ostholstein und zugleich Vorsitzende des Vereins „Wasser Otter Mensch“.

Als vor drei Jahren der Gewässerdurchlauf erneuert werden musste, wurde für den Otter eine Art Brücke unter der Brücke mit eingebaut, eine spezielle Aufschüttung aus Steinen. Die Mehrkosten betrugen 4000 Euro und wurden vom Kreis aus Ausgleichsmitteln bezahlt. Die Investition hat sich gelohnt. Inzwischen tummeln sich die seltenen Tiere auf der für sie eingerichteten Uferpromenade. Trittspuren und frische Kothaufen belegen es. Fotofallen zeigten bis zu drei Tiere gleichzeitig, dazu auch Füchse, Hasen, Ratten und sogar Damwild auf dem Pfad unter der Brücke. Das macht auch das Autofahren sicherer. „Wenn man sieht, was kleine Maßnahmen in der Summe bewirken können, dann macht das Mut“, bilanzierte Eka von Kalben ihren Besuch in Schwochel.

pet

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