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Ostholstein Hilary Griffiths ist wieder zu Hause
Lokales Ostholstein Hilary Griffiths ist wieder zu Hause
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22:08 28.08.2018
Hilary Griffiths (69), Engländer mit nun auch deutschem Pass, arbeitet weiterhin in aller Welt. Ostholstein und Eutin aber haben einen festen Platz in seinem Herzen: „Meine Familie und ich kommen so gern hierher.“ Quelle: Foto: U. Benthien
Eutin

Lübecker Nachrichten: Sie kehren immer wieder nach Eutin zurück. Wie kam der Kontakt dieses Mal zustande?

Hilary Griffiths: Intendantin Dominique Caron hat mich gefragt, ob ich Interesse hätte, den Gala-Abend zu dirigieren. Wir waren immer in losem Kontakt. Wenn ich in Eutin Freunde besucht habe, haben auch wir uns auch hin und wieder getroffen.

Im August 2010 haben Sie die Opernscheune quasi mit fliegenden Rockschößen nach einem unschönen Erlebnis mit dem damaligen Intendanten Daniel Kühnel verlassen. Haben Sie noch Erinnerungen daran?

Oder ist das längst vergessen?

Ach, das war eine Einzelaktion. Ich habe das Festkonzert zum Auftakt der 60. Spielzeit dirigiert. Es war eine sehr schöne Aufführung mit sehr guten Solisten. Die Sache ist abgehakt. Es ist nicht ungewöhnlich am Theater, dass Leute heftige Ausdrücke verwenden oder Auseinandersetzungen haben. Aber dieser Mann hat sich bis heute nicht einmal bei mir vorgestellt.

Haben Sie die Entwicklung der Eutiner Festspiele über die Jahre verfolgt?

Ja, von Leuten, die den Festspielen verbunden waren, habe ich viel gehört. Und von befreundeten Familien bin ich auf dem Laufenden gehalten worden, sie haben mir Zeitungsausschnitte geschickt.

Alle paar Monate habe ich auch mit Siegfried Grote telefoniert (einem langjährigen früheren Intendanten, die Red.), und wir haben uns darüber ausgetauscht, was wir aus Eutin zugetragen bekommen haben. Wir waren natürlich sehr interessiert, auch wenn das Kapitel für uns abgeschlossen war.

Der Gala-Abend soll zwei Welten zusammenführen: deutsche Romantik und amerikanische Moderne. Haben Sie eine Vorliebe?

Mit der deutschen Romantik habe ich natürlich mehr Erfahrung. In einigen Städten, wie zum Beispiel in Prag, werde ich lustigerweise als Experte für deutsche Musik angesehen. Übrigens bin ich seit einer Woche auch deutscher Bürger! Die Romantik ist das Repertoire, das ich überall gespielt habe.

Bei der amerikanischen Moderne ist es schon schwierig, überhaupt an Noten und Arrangements zu kommen. Die Verlage sind sehr pingelig, was man spielen darf und wie viele Stücke. Aber ich bin einer der wenigen Dirigenten, die „Porgy and Bess“ auf der Bühne dirigiert haben. Ich mag das Stück von George Gershwin unheimlich gern. Die Partitur von „West Side Story“ ist unglaublich interessant, Bernstein war ein Genie ersten Grades. Cole Porter – das ist eine ganz andere Klang- und Tonwelt. Ich bin ein großer Bewunderer. Das erste Stück, das ich vor 40 Jahren in Köln auf der großen Bühne dirigiert habe, war „Kiss Me Kate“ – und zwar mit dem berühmten Bariton Eberhard Wächter in der Hauptrolle.

Sind Sie Leonard Bernstein einmal persönlich begegnet?

Nein, leider nie. Aber ich habe einiges von ihm dirigiert. Er tritt über Grenzen, tritt in Jazz- und Musical-Idiome über. Ich liebe diese Musik.

Die Suite aus der „West Side Story“ ist für ein Blechbläser-Ensemble arrangiert worden. Was für ein besonderes musikalisches Erlebnis erwartet die Zuhörer?

Das Stück ist genial, sehr effektvoll, aber irrsinnig schwierig. Ich kannte es vorher nicht, bin aber froh, es kennengelernt zu haben. Es spielen 16 Blechbläser und drei Schlagzeuger. Wir haben die Suite allerdings von 35 auf zwölf Minuten kürzen müssen. Die Gegenüberstellung zweier Welten ist reizvoll, und so wird für jeden etwas dabei sein. Das ist wichtig bei einem Gala-Abend. Wir bieten Oper, Operette, Musical, Revue, Broadway – viele Facetten der Musik.

Im kommenden Jahr gehen die Eutiner Festspiele in ihre 69. Spielzeit. Eine Unternehmensberatung stellt derzeit alles auf den Prüfstand. Wie sehen Sie die Zukunft der Festspiele?

Ich bin so froh über das, was ich jetzt gesehen habe, zum Beispiel eine wunderbare „Traviata“ am vergangenen Sonnabend. Und ich habe viel Gutes in Eutin gehört, so wird in glühendheißen Tönen von Geschäftsführer Falk Herzog geredet. Er hat mich sehr beeindruckt. Er weiß viel – und wenn er etwas nicht weiß, fragt er. Überhaupt lässt er viele Umfragen machen: was das Publikum will, was diesem nicht gefällt. Das Team um ihn und Dominique Caron ist dabei, die Festspiele zu stabilisieren.

Es gibt noch Restkarten

Für den Gala-Abend der Eutiner Festspiele am Freitag, 31. August, Beginn 20 Uhr, gibt es noch Karten in allen Preis-Kategorien.

Als Solisten sind zu erleben: Joslyn Rechter (Mezzosopran), Mirka Wagner (Sopran), Tobias Haaks (Tenor) und Miljenko Turk (Bariton). Es spielt die Kammerphilharmonie Lübeck (KaPhiL!) unter Leitung von Hilary Griffiths. Es singt der Chor der Eutiner Festspiele. Die Moderation übernimmt Rainer Wulff.

Karten unter www.eutiner-festspiele.de und unter Tel. 04521/80010.

Ulrike Benthien

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