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Ostholstein Hilfe für traumatisierte Flüchtlinge in Ostholstein
Lokales Ostholstein Hilfe für traumatisierte Flüchtlinge in Ostholstein
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20:10 16.10.2015
„Wir brauchen Fachkompezenz und Menschlichkeit.“ Eberhard Jänsch-Sauerland
Oldenburg

Ein Bus soll sie von Schönwalde zum Sprachunterricht nach Eutin bringen. Doch das sechsjährige Mädchen aus Syrien weigert sich, einzusteigen. Zu stark ist die Erinnerung an einen anderen Bus, dessen Insassen vor den Augen des Kindes bei einer Explosion getötet wurden. Es sind traumatische Erfahrungen wie diese, die Flüchtlinge im Gepäck haben, wenn sie nach Deutschland kommen. Für die Beförderung des jungen Mädchens habe letztlich eine Lösung gefunden werden können, berichtet Ostholsteins Migrationsmanager Uwe Wille. Für das Trauma nicht.

Der Bedarf an Hilfsangeboten sei auch in dieser Hinsicht groß, betont Krystyna Michalski vom Paritätischen Schleswig-Holstein. Der Wohlfahrtsverband will jetzt zusammen mit der Kreisarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtsverbände ein Netzwerk aus Fachleuten aufbauen, um die Versorgung traumatisierter Flüchtlinge zu verbessern. Zur Auftaktveranstaltung gestern im Oldenburger Gewerbezentrum kamen etwa 60 Teilnehmer. Ziel ist es laut Michalski, das Projekt nach der Anlaufphase in Ostholstein auf alle Kreise und kreisfreien Städte im Land auszuweiten.

„Mit den bestehenden Strukturen haben wir nicht den Hauch einer Chance, auch nur einen Teil der Betroffenen zu behandeln“, sagte Thomas Voß vom Ameos Klinikum Kiel ganz deutlich. Nach Untersuchungen des zuständigen Bundesamtes litten mindestens 20 Prozent aller Flüchtlinge an einer sogenannten posttraumatischen Belastungsstörung. Bei den prognostizierten 4000 Flüchtlingen, die Ostholstein dieses Jahr aufnehmen muss (siehe unten), wären das 800 Menschen, die laut dem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie „dringend behandelt werden müssen“. Geschehe das nicht, könne das nicht nur für den Betroffenen selbst schlimme Folgen haben, sondern auch für dessen Mitmenschen: Unter anderem seien Reizbarkeit und Wutausbrüche Teil der Erkrankung, was laut Voß im schlimmsten Fall zu einer höheren Gewaltbereitschaft führe.

Am wichtigsten für den Heilungsprozess sei neben einer fachgerechten Behandlung das soziale Umfeld, betonte Voß. Eine erfolgreiche Integration habe einen so positiven Effekt, wie er auf keine andere Weise zu erreichen sei. Als „negativen Verstärker“ nannten sowohl Voß als auch Wille vor allem den langwierigen Prozess des Asylverfahrens. Lange Wartezeiten seien ein großes Problem. „Die Unsicherheit macht die Menschen krank“, so Wille. Und auch Voß betonte: „Sicherheit ist für traumatisierte Menschen das A und O.“

Für den Aufbau des Netzwerks wurden bereits erste Ideen gesammelt. Einig waren sich die Anwesenden, dass Kontakt zu möglichst vielen Instanzen hergestellt werden sollte — auch aus dem sozialen Bereich. Im Januar soll es das nächste Treffen geben; ein genauer Termin steht noch nicht fest. Eberhard Jänsch-Sauerland von der Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtsverbände Ostholstein zieht nach der Auftaktveranstaltung eine positive Bilanz: „Ich habe die Hoffnung, dass sich viele Menschen an dem Projekt beteiligen werden.“

Jennifer Binder

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