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Ostholstein Hilfswelle für Flüchtlinge nimmt Fahrt auf
Lokales Ostholstein Hilfswelle für Flüchtlinge nimmt Fahrt auf
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22:31 14.01.2015
In der Mensa der Lienau-Schule wurden Ideen gesammelt, wie Flüchtlinge in Neustadt und Umgebung unterstützt werden können. Quelle: ser
Neustadt

Der Seniorenbeirat kündigte an, Flüchtlinge zu Kennenlern-Frühstücken einzuladen. Das Familienzentrum Küste bietet bereits einen Sprachkursus für Frauen an und verteilt Babysachen. Das Kommunale Kino möchte Eintrittskarten für Filme bereitstellen. Der Kinderschutzbund will sein Netzwerk zur Verfügung stellen. Die Ergebnisse des ersten runden Tisches für die Integration von Migranten in Neustadt sind vielversprechend. Mehr als 30 Akteure aus Vereinen und Beratungsstellen sowie Vertreter der Kirche und der Stadt nahmen Dienstagabend an dem Treffen in der Mensa der Jacob-Lienau-Gemeinschaftsschule teil.

Initiatorin der Veranstaltung war Bürgermeisterin Dr. Tordis Batscheider (SPD). Sie erwartet in diesem Jahr mindestens 60 neue Migranten in Neustadt. Die dezentrale Unterbringung und die Integration stehen dabei im Fokus. Eingangs machte sie deutlich, dass Bewegungen wie Pegida „überhaupt keine Antwort“ auf steigende Flüchtlingszahlen seien , sondern eher „ein Armutszeugnis“. Vielmehr gehe es darum, Menschen zusammenzubringen und Fremdenfeindlichkeit nicht zu zulassen. „Wir wollen Flüchtlinge aufnehmen und willkommen heißen. Sie haben eine lange und leidvolle Geschichte hinter sich. Sie haben Terror, Mord und Vergewaltigung erlebt“, betonte sie. Nun gehe es darum, Begegnungen mit Einwohnern zu schaffen und so Normalität zu erreichen.

Wie absurd die Diskussion über steigende Flüchtlingszahlen sei, verdeutlichte Uwe Wille von der Migrationssozialberatung des Kreises Ostholstein. „1993 gab es etliche Flüchtlinge in einer Gemeinschaftsunterkunft in Pelzerhaken. Damals seien 420000 Menschen im Jahr neu nach Deutschland gekommen. „Heute sind es etwa 200000“, so Wille.

Weiter betonte er, dass viele der Menschen, die unter anderem aus Syrien und Eritrea kämen, traumatisiert sind. Erschwerend komme das lange Aufnahmeverfahren hinzu. „Die Menschen sind verunsichert.

Sie benötigen eine Orientierungshilfe, denn sie sind völlig fremd hier“, sagte Uwe Wille.

Helfen könnten da Begegnungen mit Menschen aus der neuen Region. Damit dies gelinge, müsse das Erlernen der Sprache im Vordergrund stehen. Da waren sich die Teilnehmer einig. Beatrix Spiegel, Leiterin des Ausschusses für gesellschaftliche Angelegenheiten, schlug Patenschaften für Sprachkurse vor. „Wir müssen nicht nur Kinder, die in Kindergärten und Schulen lernen, unterstützen, sondern auch die Eltern.“

Wilhelm Lange, Leiter der Volkshochschule ergänzte, dass ein Kursus etwa 2900 Euro kostet. Teurer werde es, wenn es über das Land laufe. Lange sprach von „Behördenkursen“.

Um die einzelnen Ideen zu koordinieren und Bürger, die helfen wollen, zu unterstützen, soll eine Koordinierungsstelle installiert werden (die LN berichteten). „Das Ehrenamt muss betreut werden. Dafür brauchen wir einen Koordinator.“ Dieser soll in den kommenden Wochen gesucht und engagiert werden.

Weitere Details dürfte es im Februar, spätestens aber im März geben. Dann sei laut Tordis Batscheider eine Infoveranstaltung für Bürger vorgesehen. Dort sollen die vielen Ideen vorgestellt werden.

Und falls es bis dahin einen Integrationsberater gibt, soll dieser ebenfalls anwesend sein.

„Die Menschen sind verunsichert. Sie benötigen eine Orientierungs- hilfe.“
Uwe Wille, Kreis OH

Sebastian Rosenkötter

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