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Ostholstein Hingehört: Erinnerungen an das alte Eutin
Lokales Ostholstein Hingehört: Erinnerungen an das alte Eutin
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20:26 26.08.2016
Geschichtslehrer Frank Petzold (l.) berichtet, wie die Idee zum Hörspaziergang gemeinsam mit seinen Schülern entwickelt wurde.

Wie war Eutin vor 30, 40 oder 50 Jahren, wie lebte es sich damals in der Stadt? Ihre „Eutiner Erinnerungen“ haben sieben Zeitzeugen – sechs Frauen und ein Mann – Schülern des Weber-Gymnasiums erzählt. Ausschnitte aus ihren Gesprächen sind an acht Hörstationen am Großen Eutiner See abrufbar. Es sind liebevolle Rückblicke: Amüsantes, Anrührendes, Geschichtliches – und unbedingt wert, der Nachwelt erhalten zu bleiben.

„Es gibt bewahrenswerte Geschichten in

Hülle und Fülle.“ Bernd Rubelt, LGS-Geschäftsführer

Zeitzeugeninterviews sind seit über 25 Jahren ein wichtiger Zweig der klassischen Geschichtswissenschaften. Die „Eutiner Erinnerungen“ sollten erst nur ein Projekt der Landesgartenschau sein, so Geschäftsführer Bernd Rubelt. Doch nun ist geplant, eine Daueraktion daraus zu machen, solarbetriebene Hörstationen nicht nur in der Landschaft entlang des Großen Eutiner Sees, sondern auch in der Stadt zu installieren. Denn nach dem Aufruf an die Eutiner, sich zu melden und ihre Erlebnisse und Erinnerungen zu schildern, habe sich rasch gezeigt: „Es gibt bewahrenswerte Geschichten in Hülle und Fülle.“ Er wolle sich daher an die Aktiv-Region wenden, um eine weitere Förderung auszuloten, sagte Bernd Rubelt. Die bestehenden Stelen haben – Aufbau inbegriffen – rund 28000 Euro gekostet. 60 Prozent davon hatte die Aktiv-Region Schwentine-Holsteinische Schweiz übernommen.

Als Zeitzeugen kommen an den ersten acht Hörstationen zu Wort: Helga Clasen, Heidrun Dallach, Reinhard Krause, Margret Kronke, Margret Möller, Regina Poersch und Brigitte Schmidt-Künzel. Geführt und aufgezeichnet haben die Gespräche die Weber-Schüler des 13. Jahrgangs, die die Schule im Sommer mit dem Abitur verlassen haben: Antje Biel, Philipp Derichs, Steffen Friedrichsen, Tamara Garken, Leon Grebien, Thure Kobza, Hauke Montag, Hannah Scholz, Inga Spiegel, Johannes Stender, Sarah Stringe und Tabea Wilkens. Ihr Geschichtslehrer Frank Petzold, zugleich Vorsitzender des Heimatverbandes, unterstützte sie und bereitete vorsichtshalber einen Katalog mit 15 Fragen vor, falls ein Gespräch mal ins Stocken kommen sollte. „Das war zumindest die Befürchtung einiger Schüler“, berichtete Petzold.

Allerdings erwies sich das als völlig unbegründet. Die Befragten hätten nur so losgesprudelt, das Problem sei eher gewesen, sie zwischendurch wieder „einzufangen“ und dann die vielen Gespräche zu filtern.

Frank Petzold verfasste auch die von Stadtmanagerin Kerstin Stein-Schmidt gesprochenen Texte, die die Zeitzeugenberichte in einen geschichtlichen Rahmen einbetten und Kenntnisse zu dem Ort vermitteln, an dem die einzelnen Hörstationen stehen. Die Eutiner Produktionsfirma „Subtitle“ wählte letztlich die O-Töne aus und schnitt die Beiträge auf eine ungefähre Länge von fünf Minuten zusammen.

Wer sich die Zeit nimmt und alle acht Hörstationen abwandert, wird viel über Eutin erfahren. Beispielsweise, dass nach dem Zweiten Weltkrieg über 100 Flüchtlinge im Schloss einquartiert und für sie im Rittersaal mit Tauen und Decken einzelne „Parzellen“ abgeteilt waren. Dass die Jahrhunderte alte Lindenallee damals in Gefahr war, abgeholzt zu werden, weil die Menschen Brennholz brauchten. Dass Kinder auf dem Schlossgraben Schlittschuh laufen lernten und darin Wasserflöhe für das heimische Aquarium fingen. Und dass ein erst missgelaunter Fats Domino auf der Freilichtbühne so vom Publikum mitgerissen wurde, dass er begeistert Zugaben spielte.

Weitere Zeitzeugen gesucht

Die Hörstationen befinden sich im Süduferpark (Thema: „Landesgartenschau in Eutin – von der Idee zur Umsetzung“), im Küchengarten („Schlossgarten Eutin mit Küchengarten und Orangerie“), vor dem Schloss am Eingang zum Jungfernstieg („Eutiner Schloss mit Schlossgraben und Schlossgarten“), in der Lindenallee („Eutiner Freilichtbühne“), an der Stadtbucht („Eutiner Stadtbucht“), sowie im Seepark („Fasaneninsel und Großer See“, „Seepark“, „Freibadeanstalt“).

Erinnerungen für weitere Hörstationen sind willkommen. Wer welche beisteuern möchte, kann sich bei Frank Petzold vom Heimatverband Eutin melden: Telefon 04521/830767, E-Mail:

hv-eutin@t-online.de.

Ulrike Benthien

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