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Ostholstein Hirsch-Attacke auf Damtier: Kurgast geht dazwischen
Lokales Ostholstein Hirsch-Attacke auf Damtier: Kurgast geht dazwischen
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19:36 30.10.2017
Der zwei Jahre alte weiße Hirsch zeigt während der Brunftzeit aggressives Verhalten. Er attackierte ein Damtier und verletzte es dabei so schwer, dass es starb. Quelle: Privat

Seinen Kuraufenthalt in Malente wird Matthias Mengel so schnell nicht vergessen. Mit seinen Nordic-Walking-Stöcken war der Kölner am Freitagvormittag im Malenter Wildpark unterwegs. Eigentlich eine grüne Idylle, die er sehr schätzt. Doch was der 51-Jährige dort zum Wochenende sah, raubte ihm den Atem: „Ein weißer Hirsch war völlig durchgedreht, so etwas habe ich noch nie erlebt.“

Der liebestolle Damhirsch trieb seine Auserwählte vor sich her, die durch den Wildschutzzaun aber nicht ausweichen konnte und schließlich verletzt am Zaun kauerte. Matthias Mengel versuchte zunächst, den Hirsch mit den Nordic-Walking-Stöcken vom Damtier fernzuhalten. Ein aussichtsloses Unterfangen. „Das ging gar nicht, die Stöcke habe ich gleich weggeschmissen und mir Knüppel gegriffen.“

Immer und immer wieder habe der Hirsch das Damtier attackiert und schwer verletzt. Mengel ging mit dem Knüppel dazwischen. Nach eigenen Angaben rief er mehrfach die Polizei, doch die sei nicht wirklich interessiert gewesen. Auch vom Wildpark selbst sei zunächst niemand gekommen. Allerdings trafen weitere Spaziergänger am Wildgehege ein.

Eine Frau soll angesichts der malträtierten Hirschkuh geweint haben. Ein durch die allgemeine Aufregung angestachelter Hund habe einen Mann ins Bein gebissen. Auf Nachfrage ist bei der Polizei zu erfahren, dass ein Wildpark-Vorfall bei den Beamten in Malente nicht aktenkundig ist.

Der Vorstand des Wildpark-Fördervereins bestätigt das aggressive Verhalten des weißen Hirsch. Es sei nicht nur am Freitag, sondern auch am Sonntag zu Vorfällen gekommen. Dabei waren Jörg Graage und Jan Eskildsen zunächst sehr froh, zum Ausklang des vergangenen Jahres wieder einen weißen Hirsch für den Wildpark bekommen zu haben. Sein gutmütiger Vorgänger war der Publikumsliebling im Park, büxte aber (wie berichtet) häufiger aus und musste einen Ausflug im Oktober 2016 mit dem Leben bezahlen. Ein Gastjäger erschoss das schöne Tier im Dodauer Forst.

Der neue stammt aus der Nähe von Rendsburg und zog ebenfalls schnell die Blicke der Wildparkbesucher auf sich. Doch nun, in der Brunftzeit, wurde das Tier zum Problem-Hirsch. „Er kommt unter strenger Beobachtung in ein anderes Gehege“, sagte Jörg Graage gestern. Solch Verhalten käme in der Natur leider vor, weiteres Wild solle aber nicht verletzt werden. Der Wildpark ist nun während der Brunftzeit für zehn Tage für Besucher geschlossen.

Matthias Mengel steht noch unter dem Eindruck des Erlebten: „Die Schreie des Tieres bekomme ich nicht aus dem Kopf. Das ist sehr traurig, dass das Damtier gestorben ist.“

Von Martina Janke-Hansen

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