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Ostholstein Hochwasser-Bilanz: Über vier Millionen Euro Schaden
Lokales Ostholstein Hochwasser-Bilanz: Über vier Millionen Euro Schaden
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23:16 24.01.2017
Wo ist der Sandstrand geblieben? Wie hier am Südstrand vor Meeschendorf hat das Januar-Hochwasser starke Schäden angerichtet. Auf Fehmarn liegen sie bei einer halben Million Euro. Quelle: Gerd-J. Schwennsen

Der Hilferuf aus Ostholstein erreicht Kiel. Vor allem im Kreisnorden hat das Hochwasser von Sturmtief „Axel“ enorme Schäden angerichtet – nicht nur in Heiligenhafen. Nach einer ersten Bilanz beziffern die besonders betroffenen Urlaubsorte sie auf über vier Millionen Euro. Fehmarns Bürgermeister Jörg Weber (SPD): „Damit kann man die Kommunen nicht alleinlassen.“

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Kreisnorden besonders betroffen – Land will jetzt doch Hilfe anbieten.

In einem Schreiben an Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) appelliert er daher an die Solidarität gegenüber den Touristenregionen. „Wenn in acht bis zehn Wochen die ersten Gäste kommen und den Sandstrand nicht mehr finden, reden sie nicht nur enttäuscht über Fehmarn oder Heiligenhafen, sondern gleich über das Urlaubsland Schleswig-Holstein“, so Weber.

In Kiel hat das für den Tourismus zuständige Wirtschaftsministerium jetzt die Federführung für eine Arbeitsgruppe der Landesregierung übernommen. Minister Reinhard Meyer (SPD): „An einigen Standorten machen wir uns Sorgen. Wir wollen Hilfestellung anbieten bei Kommunen, die wirklich bedürftig und überfordert sind.“ Nach LN-Informationen sind – landesweit – rund zwei Millionen Euro für die Beseitigung der größten Schäden im Gespräch. Bislang fehlt in Kiel aber eine vollständige Bestandsaufnahme. Grund: Noch nicht alle Kommunen haben ihre Kostenschätzungen eingereicht.

Als mögliche Schwerpunkte nennt Meyer Promenaden und Seebrücken, die in Mitleidenschaft gezogen wurden, aber auch „Strandausräumungen“ – gerade mit Blick auf den hohen Stellenwert des Tourismus.

Allerdings: Sandaufspülungen müssten auch nachhaltig sein. Eingeholt würden daher Expertenmeinungen vor allem aus dem Umweltministerium: „Wo macht es Sinn und wo nicht?“

Anders als beim Regionaldeich Wallnau, der klar in die Zuständigkeit des Landes falle, seien die Kommunen für den Hochwasserschutz in den Orten zuständig. Gemeinsam mit den Kommunen soll einzeln beraten werden, wo das Land helfen könne. Meyer nahm aber „leistungsfähige“ Kommunen“ in die Pflicht. Und: „Kleinere Schäden selbst zu finanzieren, kann man jeder Kommune abverlangen.“

Die Schadensbilanz in Ostholstein fällt ganz unterschiedlich aus. Am stärksten betroffen bleibt Heiligenhafen. Bürgermeister Heiko Müller (parteilos) errechnete zu Wochenbeginn die Schadenshöhe von knapp 3,4 Millionen Euro.

Mit einer halben Million Euro ist auch Fehmarn arg gebeutelt. An allen vier konzessionierten Stränden – Burgtiefe, Meeschendorf, Grüner Brink und Bojendorf – hat „Axel“ deutliche Spuren hinterlassen.

Weber: „In Bojendorf liegt kein Sandkorn mehr.“ Reinigung und neuer Sand kosteten viel Geld, dazu komme die Instandsetzung im Yachthafen Burgtiefe, der komplett unter Wasser stand.

In Kellenhusen schätzt Bürgermeister Carsten Nebel (CDU) den Hochwasserschaden auf 100000 Euro. Betroffen vom Sandverlust sind vor allem die jeweils etwa 500 Meter langen Abschnitte am Nord- und Südstrand. Nebel: „Da liegen teilweise nur noch Steine.“ Eine Mammutaufgabe für die Kommune: „Da ist unser touristisches Leben, davon leben wir. Doch für das Land fängt der Küstenschutz erst hinterm Deich an.“ Ohne Hilfe vom Land blieben andere Aufgaben liegen.

Großenbrodes Bürgermeister Jens Reise (CDU) hat gestern 90000 Euro Schaden angemeldet. Betroffen seien vor allem der Bereich an der Mole am Südstrand sowie vor dem Haus „Vier Jahreszeiten“.

Ferner habe das Hochwasser am Weststrand, wo der Hochwasserschutz ausläuft, genagt: Diese Kosten können noch nicht genau beziffert werden, dürften den Gesamtschaden aber auf

100000 Euro hochschrauben, so Reise.

Anders in Grömitz: „Die Schäden sind sehr überschaubar. Wir brauchen keine Hilfe, werden keinen Antrag stellen“, so Bürgermeister Mark Burmeister (parteilos). Ähnlich bewertet Neustadts Bürgermeisterin Dr. Tordis Batscheider die Situation in Pelzerhaken: „Wir werden circa 20 000 bis 30 000 Euro in die Hand nehmen müssen, um die Schäden durch Abbrüche in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde zu reparieren.“ Das bewege sich aber im Rahmen der üblichen Instandhaltungsaufwendungen: „Unsere touristische Infrastruktur hat glücklicherweise nicht gelitten.“

 Gerd-J. Schwennsen

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