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Höllische Heerscharen im Kirchenschiff

Eutin Höllische Heerscharen im Kirchenschiff

Verdis Requiem am Volkstrauertag in der Eutiner Michaeliskirche – Die große Macht der Musik.

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Die knapp 200 Ausführenden hatten nur mit Hilfe eines Baugerüsts genug Platz im Altarraum. Das Orchester drängte sich bis ins vordere Kirchenschiff, dennoch war es recht eng. FOTOS: PEYRONNET

Eutin. Zum Abschluss noch mal etwas ganz, ganz Großes: Martin West, in wenigen Wochen scheidender Kirchenmusikdirektor an St. Michaelis in Eutin, wählte als letztes großes Oratorium seiner Amtszeit das Requiem von Guiseppe Verdi aus. 600 Besucher hörten beim Volkstrauertag-Konzert eine grandiose Darbietung. Für West war es eine Premiere: Bisher hat er das Requiem nie aufgeführt. „Das war eine großartige Herausforderung. Das war ein Traum.“

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Verdis Requiem am Volkstrauertag in der Eutiner Michaeliskirche – Die große Macht der Musik.

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Das Werk reizt in jeder Hinsicht Grenzen aus. Es braucht Platz, in St. Michaelis für 125 Sänger aus vier Chören, 70 Orchestermusiker und vier Solisten. Damit alle von überall her den gewohnt straff und präzise dirigierenden West sehen konnten, wurde sogar ein Baugerüst im Altarraum aufgebaut. Das Requiem treibt aber auch Sänger und Solisten an ihre Grenzen. Es stellt höchste Ansprüche, die Laiensänger nur schwer erfüllen können. Rhythmus, Dynamik und Intonation halten manchen Fallstrick bereit. Als Chorsopran ein hohes G über vier Takte rein und klar zu halten, erfordert viel Kraft, Technik und Stimme. Alle Kraft hilft jedoch nichts, wenn das Orchester im berühmten „Dies irae“ mit aller Macht loslegt. Da drangen vom Chor gerade eben noch die hellen Soprane durch.

Der Chor, der sich aus der Eutiner Kantorei, dem Vokalkreis Plön, dem Lübecker Kammerchor und dem Kammerchor Cantico Hamburg zusammensetzte, meisterte seine schwere Aufgabe hervorragend. Sein Können, seine Klangfülle kamen naturgemäß vor allem bei den A-capella-Stellen heraus. Die Sängerinnen und Sänger waren in allen Stimmen gut präsent, sicher und der Text gut zu verstehen – etwas, woran Aufführungen in der Michaeliskirche in den Vorjahren manchmal etwas gekrankt hatten.

Wie bei Opern üblich – das Requiem wird manchmal spöttisch als Verdis beste Oper bezeichnet – standen die vier Solisten zwischen Chor und Orchester und nicht wie sonst bei Oratorien vor dem Orchester. West begründete diese Aufstellung damit, dass die Sänger so einen guten Kontakt zu den Holzbläsern haben. Verdi ist nett zu den Instrumentalisten, er hat ihnen im Requiem wunderbare Solostellen geschrieben. Herausragend in der Eutiner Aufführung war Fagottist Björn Groth, der seinem sonst selten so prominent zu hörenden Instrument mit einem wunderbaren Klang eine glanzvolle Hauptrolle gab. Ebenso überzeugend: Thomas Biermann, einer der besten Querflötisten im Lübecker Raum, und der Oboist Thomas Rohde. Überhaupt, das Orchester: Knapp 90 Minuten Präzision und eine für Verdi typische Klangfülle, die einen unwillkürlich verstehen lässt, warum ein Gehörschutz für Orchestermusiker nicht außerhalb jeder Vorstellungskraft liegt. Wenn die höllischen Heerscharen musikalisch durchs Kirchenschiff galoppieren, ist die Wucht der Klänge beinahe körperlich spürbar.

Solist Ralf Lukas (Bassbariton) überzeugte vor allem in der Tiefe. Tenor Gergely Mémeti präsentierte sich zu Beginn rund, warm und kultiviert, ließ aber im Verlauf des Konzerts etwas nach. Dem Mezzosopran hat Verdi eine Höhe ins Requiem geschrieben, die Nadine Weissmanns Stimme mitunter recht scharf klingen ließ. Umso mehr Drama bot sie in den tieferen Passagen. Sopranistin Julia Borchert meisterte ihre Partie nach etwas kraftlosem Beginn mit Bravour und tupfte das im dreifachen Pianissimo zu singende hohe B im Lux aeterna zart, ja ätherisch in den Raum. Das ist große Sangeskunst.

Mit dem letzten Ton des Requiems verklang auch eine lange Reihe herausragender großer Konzerte unter der Leitung von Martin West. Die Zuhörer verabschiedeten ihn und die Musiker mit lang anhaltendem Applaus.

Susanne Peyronnet

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