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Ostholstein Holger Reinholdt ist neuer Bürgermeister
Lokales Ostholstein Holger Reinholdt ist neuer Bürgermeister
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22:22 21.06.2013
Süsel

Holger Reinholdt (65) ist neuer ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Süsel. Damit brachten die Freie Wählergemeinschaft Süsel (FWS) und die CDU ihren gemeinsamen Kandidaten durch. Wie abgesprochen, erhielt FWS-Mann Reinholdt in der konstituierenden Sitzung der Gemeindevertretung die drei Stimmen seiner Fraktion und die sieben der CDU — die SPD und ihr Kandidat, der bisherige Bürgermeister Dirk Maas, hatten mit ihren neun Stimmen das Nachsehen.

Dass die Bürgermeisterwahl spannend werden könnte, war im Vorfeld durchgesickert und hatte viele Einwohner veranlasst, sich nach Ottendorf ins Dörfergemeinschaftshaus aufzumachen: Es hieß, FWS-Vertreter Dieter Illing könne aus beruflichen Gründen nicht an der Sitzung teilnehmen. Er habe sich zwei Tage zuvor entschuldigt. So trug es Dirk Maas eingangs vor und ließ es unwidersprochen auch ins Protokoll eintragen. Damit hätten neun CDU/FWS-Stimmen gegen neun SPD-Stimmen gestanden. Drei Wahlgänge mit Patt-Situation, danach Entscheid durch Los — die SPD sei auf alles eingestellt, ließen ihre Vertreter wissen.

Ein bisschen Hoffnung für ihren Kandidaten keimte auf, aber auch das Gefühl, dass die Konkurrenz noch ein Ass im Ärmel hielt. Die Nervosität bei allen Fraktionen wie auch im Publikum war spürbar. Bevor Wahlleiter Wolfgang Schümann (FWS) das Procedere in Gang setzen konnte, beantragte Holger Reinholdt (FWS) eine Sitzungsunterbrechung: Er wolle mit den Fraktionsspitzen beraten, ob man sich vielleicht doch auf einen gemeinsamen Kandidaten verständigen könne. Da schwante Albrecht Dudy (SPD) schon was: „Hier wird auf Zeit gespielt.“ Sein Verdacht: FWS und CDU wollten die Sitzung absichtlich so lange hinauszögern, bis der fehlende Dieter Illing doch noch eintreffe. Wer kurz danach Vertreter von CDU und FWS auf der Grünfläche vor dem Sitzungssaal mit Getränk und Telefon am Ohr beobachtete, konnte sich dieses Eindrucks auch nur schwer erwehren.

Zurück im Saal legte Adrianus Boonekamp (CDU) seine Vorstellungen vom Anforderungsprofil eines Bürgermeisters dar. In seiner Fraktion entsprächen diesem alle, dennoch schlage er Holger Reinholdt vor und hebe auch den Fraktionszwang auf. Detailliert, wenngleich ungefragt, erklärte im Anschluss Peter Bimberg (CDU), warum er nicht für das Bürgermeisteramt kandidiere. „Ich denke, ich war ein anerkannter ehrenamtlicher Bürgermeister“, zog er das Fazit seiner Tätigkeit vor wenigen Jahren, ehe ihn Swantje Meininghaus (SPD) ausbremste: „Du kannst aufhören, Peter. Dieter Illing ist jetzt da!“

Da war es 19.46 Uhr, und im Publikum wurde es laut: „Das ist eine Sauerei, was ihr hier macht“, platzte dem Zarnekauer Rainer Korten der Kragen. „Ein Unding“, „was geht denn hier ab?“, „Schmierentheater“, wetterten andere, mehrere verließen den Raum. In geheimer Wahl (Antrag Dudy) gewann Holger Reinholdt wenige Minuten danach den Bürgermeisterposten und gab sich sogleich versöhnlich: Er biete auch allen, die ihn nicht wählen konnten, die Hand. In Hinblick auf seine zukünftigen Aufgaben sagte er, es sei zu überlegen, ob es zu einer Arbeitsteilung zwischen Bürgermeister und seinen Vertretern (Swantje Meininghaus, Adrianus Boonekamp, Albrecht Dudy) kommen könne. ben

Drei Ausschüsse mit sieben Mitgliedern
Finanzausschuss: Vorsitzende Martina Kloth-Korten (SPD); Stellvertreter Peter Bimberg (CDU); Susanne Bötticher-Meyners (wählbare Bürgerin), Swantje Meininghaus (beide SPD); Adrianus Boonekamp, Claus Ehlers (beide CDU); Marvin Mews (w.B./FWS)

Ausschuss für Schule, Kultur und Soziales: Vorsitzender Michael Woyna (w. B./CDU); Stellvertreter Wolfgang Schümann (FWS); Ute Stahl, Sigrun Joost, Andreas Wende (alle SPD); Tim Kühne (w.B.), Thomas Mertin (beide CDU)

Planungs- und Umweltausschuss: Vorsitzender Klaus Berger (SPD); Stellvertreter Christian Rumpel (CDU); Eike Pietzner, Rainer Korten (w.B./beide SPD); Karsten Klüver, Hans-Hinrich Hatje (beide CDU); Dieter Illing (FWS).

Fraktionsvorsitzende sind bei der SPD: Albrecht Dudy, Stellvertreter: Martina Kloth-Korten und Klaus Berger; CDU: Adrianus Boonekamp, Stellvertreter: Peter Bimberg und Thomas Mertin; FWS:

Wolfgang Schümann, Stellvertreter Dieter Illing.

Alle veralbert
Der bisherige Bürgermeister Dirk Maas habe zwar Dinge gut zusammengebracht, nicht aber die großen Fraktionen vereint, hielt ihm Peter Bimberg vor. Das wird dem Neuen auf dem Bürgermeisterstuhl vorerst wohl auch nicht gelingen. Nicht nach dieser Trickserei, mit der Vertrauen gründlich verspielt wurde. Da nützt es wenig, hinterher die Hand zur Versöhnung zu reichen. Was FWS und CDU in Süsel durchgezogen haben, ist zwar erlaubt, aber peinlich und unwürdig.

Für die Zuschauer tauchte der aus beruflichen Gründen verhinderte Dieter Illing auf wie Kai aus der Kiste. Seine Fraktionskollegen und Bündnispartner verschafften ihm Zeit und lauerten auf die Überraschung, die ihnen gleich gelingen würde. Die SPD witterte Morgenluft, hatte aber böse Vorahnungen. Und FWS-Mann Illing beteuerte im Nachgang, er habe sich nie abgemeldet, nur einen Zeitverzug angekündigt. Hätten CDU und FWS nicht fairerweise beantragen können, die Sitzung später beginnen zu lassen? Oder Illings Verspätung einfach ankündigen? Ihr Ziel, den Bürgermeister zu stellen, haben sie erreicht. Die SPD und die Bürger haben sie veralbert.



Ulrike Benthien zur Sitzung der Süseler Gemeindevertretung.

LN

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