Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Holocaust-Gedenken am OGT
Lokales Ostholstein Holocaust-Gedenken am OGT
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:04 05.02.2016
Ivo Ruf erntete viel Beifall für sein Klarinettenspiel. Er und sein Bruder Ilja am Klavier brachten selbstkomponierte Klezmer-Stücke zu Gehör.
Anzeige
Timmendorfer Strand

„Hoffentlich klappt alles zum Guten“: Dieses Zitat stammt aus einem der Briefe, die die jüdischen Schwestern Bertha und Dora Lexandrowitz zwischen 1939 und 1941 an ihre Verwandten schrieben. Es ist auch der Titel eines Buches, in dem diese Briefe zusammengefasst sind, und es stand auch über der gestrigen Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag am Ostsee-Gymnasium Timmendorfer Strand (OGT).

Zu der waren gut 200 Schüler der elften, zwölften und dreizehnten Klassen gekommen — sowie drei engagierte Frauen von der Initiative „Stolpersteine für Lübeck“. Heidemarie Kugler-Weiemann, Mit-Herausgeberin der Briefe, gab dabei eine Übersicht über die Lebensgeschichte der Lübecker Schwestern Lexandrowitz, deren Verwandte aus Deutschland fliehen konnten, denen selbst die Flucht aber nicht glückte. „Eine Schwester starb im Warschauer Ghetto, die andere in einem Konzentrationslager in Riga“, hieß es dazu. Ein Neffe der beiden Frauen entdeckte jedoch Jahrzehnte später deren Briefe an eine weitere Schwester, die sich nach Shanghai retten konnte und die diese Dokumente aufbewahrte. 1997 wurden sie dann von Israel zurück nach Deutschland gebracht und editiert.

Heidi Züger und Dorothee Dorendorf von der Initiative lasen im Anschluss Auszüge aus diesen Briefen vor. Darin ging es oft um Sorgen um verschiedene Kisten und Koffer, die ihr Ziel erreichen sollten, um den Kampf mit der Bürokratie und um Auswanderungsformalitäten — und dabei offenbarte die Veranstaltung auch einige Schwächen: Die teilweise eher alltäglichen Schilderungen zogen sich beträchtlich in die Länge und vermochten weder die Schüler zu fesseln noch die Schrecken und die Grausamkeit der Naziherrschaft zu transportieren.

Ganz anders hatte sich das Gedenken am OGT vor einem Jahr gestaltet, als der KZ-Überlebende Jurek Szarf von seinen Erlebnissen berichtet hatte. Einem Vergleich mit dessen mitreißendem und bewegendem Besuch kann die gestrige Lesung nicht standhalten, auch wenn zahlreiche spannende Fotos der Familie gezeigt wurden und ein kleiner Stammbaum der Lexandrowitz‘ auslag.

Die meisten Schüler hielten dennoch recht diszipliniert bis zum Ende der eineinhalbstündigen Veranstaltung durch — Fragen stellten sie nach der Lesung allerdings nicht mehr. Trotzdem gab es großen Applaus für die Initiatorinnen und besonders herzlichen Beifall für die Brüder Ivo und Ilja Ruf, die beeindruckend souverän auf Klavier und Klarinette Klezmer-Musik zu Gehör brachten. latz

LN

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Gut besuchte Informationsveranstaltung in Ahrensbök.

05.02.2016

Timmendorfer Schüler setzen sich gegen Kinderarbeit ein.

05.02.2016

Probelauf für Maßnahme zur Vermeidung des Durchgangsverkehrs beginnt im Anschluss an die LGS.

05.02.2016
Anzeige