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Ostholstein Hommage an den Darwin von Eutin
Lokales Ostholstein Hommage an den Darwin von Eutin
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20:10 28.02.2015
Richard Biedermann-Imhoof um 1907. Er verfasste zahlreiche wissenschaftliche Abhandlungen, aber auch Gedichte, die er im Selbstverlag herausgab. Der Zoologe galt als scheu und lebte recht zurückgezogen.
Eutin

Welche Schätze die Vitrinen und Schränke auf ihren Schulfluren und in den Biologieräumen beherbergen, ahnen die Schüler von Weber- und Voß-Gymnasium wohl kaum. Die einzigartigen Sammlungen ausgestopfter und konservierter Tiere kamen 1911 und 1913 in den Besitz der beiden Schulen — als Schenkungen des in Eutin lebenden Zoologen Professor Richard Biedermann-Imhoof.

Die Weber-Schule hat kürzlich Exponate an das Zoologische Museum Kiel abgegeben. Museumsleiter Dr. Dirk Brandis schwärmt von den überlassenen „sehr interessanten Objekten und wunderbaren Präparaten“.

In den Dauerausstellungen seines Hauses seien stets einzelne, ihm zu Lebzeiten von Biedermann gestiftete Stücke zu sehen. Gemeinsam mit weiteren aus einem beträchtlichen Fundus und den aus Eutin übernommenen, die zunächst allerdings aufgearbeitet werden müssen, sei eine befristete „Biedermann-Ausstellung“ denkbar.

Die Biologie-Lehrer Joachim Stender und Levke Friedrichsen sind erleichtert und glücklich, dass die Exponate in gute Hände gekommen sind und ihre Schule jetzt die Wissenschaft unterstützt. Die Delegation aus Kiel, „drei promovierte Leute“, die die Sammlung in Eutin vor einigen Monaten in Augenschein nahm, habe sich „vor Begeisterung kaum wieder eingekriegt“, berichtet Joachim Stender. Sie fand ungezählte in Alkohol konservierte Präparate vor: Fische, Reptilien, Amphibien, Organe.

Einige der historischen Nass-Objekte, „seltene und besonders schön konservierte in Deckelschliffgläsern“, so Brandis, sind nach Kiel gegangen, ebenso Insektenkästen, ein Teil der Korallensammlung, auch Exoten wie Kolibris und eine Kronentaube — Artenschutzabkommen machten es längst unmöglich, heutzutage an so etwas heranzukommen. Ein Graureiher war zu groß, um ihn an der Weber-Schule auszustellen, eine Seerobbe litt unter Milbenbefall. Während die Schule keine Mittel hat, um Tiere wieder herrichten zu lassen, gibt es im Zoologischen Museum einen hauseigenen Präparator: „Der möbelt sie wieder auf“, sagt Stender.

Das Weber-Gymnasium besitzt weiterhin bemerkenswerte Objekte. „Die Muschelsammlung ist etwas sehr Besonderes“, schwärmt Levke Friedrichsen. Hunderte werden in Kästen in den Schränken verwahrt, ebenso Schnecken. Sehr stolz sind die Biologielehrer auf die Schmetterlingskästen: tropische Falter aus Südafrika und Südamerika in leuchtenden Farben. „Wenn man die im Unterricht hervorholt, herrscht Ruhe, und die Schüler machen andächtig ,boah‘“, sagt Levke Friedrichsen. Zeige sie ein präpariertes Tier im Unterricht, setzten gleich die ersten Fragen ein: Woher kommt das? Ist das echt?

Besondere Aufmerksamkeit zieht das Schnabeltier auf sich: Das „lebende“ Fossil mit Fell und Entenschnabel stammt aus Neusüdwales/Van Diemens‘ Land (Australien). Außerordentlich auch der 8,4 Kilo schwere Ammonit: Die Kopffüßer sind vor 65 Millionen Jahren ausgestorben. An eine Schneeeule und einen prächtigen Adler werden sich frühere Jahrgänge der Weber-Schule noch erinnern können: Sie schwebten vor dem Umbau in den ehemaligen Biologieräumen. Joachim Stenders Herz hängt besonders an einer ausgestopften Großtrappe in Balzhaltung.

Richard Biedermann-Imhoof hat auch die Voß- Schule reich bedacht: Ihr stiftete er ebenfalls eine bedeutende Sammlung mit Korallen, Muscheln, Schnecken, Großvögeln und Säugetieren, darunter eine Hyäne. Sogar ein Nilpferdschädel ruht in einer Vitrine auf dem Flur. Keine andere Schule in Deutschland dürfte über eine Kolibri-Sammlung verfügen. „Das ist ein Unikum“, sagt Biologielehrer Dr. Nick Herrmann stolz. Die zum Teil nur wenige Zentimeter messenden Vögel sind im Laufe der Jahrzehnte recht verstaubt, ihr türkis-grünes Gefieder aber leuchtet intensiv — aufgrund der Lichtbrechung, erklärt Herrmann.

Als „Darwin von Eutin“ gilt Richard Biedermann dem Kieler Museumsleiter. Ihn fasziniere nicht nur die Handwerkskunst, die die Präparate erkennen ließen. „Für uns wird es interessant, wenn eine Dokumentation, wer wie was wann wo gefunden hat, dabei ist.“ Bemerkenswert findet es Joachim Stender, dass Biedermann selbst kaum wissenschaftliche Reisen unternommen habe. Wohl soll er einige finanziert, darüberhinaus viel gekauft und getauscht haben.

In Kiel hatte Biedermann einst studiert und seinen Doktortitel erworben, dorthin sind Teile seiner Sammlung nun gegangen — so schließt sich ein Kreis.

Stationen seines Lebens

1865 wird Richard Biedermann in Winterthur/Schweiz als Sohn eines betuchten Kaufmanns geboren.  Ab 1883 beginnt er in Zürich zu studieren: Philologie und Medizin. Letzteres setzt er in Berlin fort und ab 1890 in Kiel, wo er zu naturwissenschaftlichen Studien umschwenkt.


1893 erwirbt Biedermann seinen Doktortitel am Zoologischen Institut der Christian-Albrechts-Universität. Er promoviert „Über die Structur der Tintinnen-Gehäuse“ (Strukturen und Formen von Plankton der Ostsee).



1894 heiratet er in Kiel Louise von Johnn und zieht mit ihr nach Eutin. Zunächst lebt das Paar in der Plöner Straße bei der Schwiegermutter. 1895 und 1902 kommen seine Kinder zur Welt.



1897 erkennt die Großherzogliche Regierung des Fürstentums Lübecks in Eutin Biedermann die deutsche Staatsbürgerschaft zu. 1906 hängt er den Mädchennamen seiner Mutter an seinen an und nennt sich Biedermann-Imhoof.


1900 lässt er an der Waldstraße Villa „Tanneck“ bauen (heute Sitz des DRK-Kreisverbands), zuvor hat er große Flächen zwischen Plöner Straße und Blauer Lehmkuhle erworben. Auf seinem Anwesen hält er viele Tiere und widmet sich naturwissenschaftlichen Studien, besonders der Ornithologie.


Seine Verdienste um die heimatliche Zoologie tragen ihm 1914 den Professorentitel ein, verliehen von Großherzog Friedrich August von Oldenburg.

Nach dem 1. Weltkrieg schmilzt Biedermanns Vermögen, sein Bruder in der Schweiz unterstützt ihn und die Familie.



1926 stirbt Richard Biedermann-Imhoof in Eutin.
Zoologisches Museum

400000 Objekte beherbergt das Zoologische Museum Kiel. Seine Sammlungen erstrecken sich über drei Jahrhunderte, dazu gehört auch Material international bedeutender Expeditionen des 19. Jahrhunderts. Die erst teilweise erschlossenen Sammlungen werden derzeit neu erfasst und aufgestellt.


Im 17. Jahrhundert wurde das Museum gegründet, es ist eines der ältesten Naturkundemuseen Deutschlands. Die Einrichtung der Christian-Albrechts- Universität dient Forschung, Lehre und Öffentlichkeit.



Das Zoologische Museum ist im Gropiusbau, Hegewischstraße 3, Kiel, zu finden.



• Mehr im Internet unter

www.zoologisches-
museum.uni-kiel.de.

Ulrike Benthien

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