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Ostholstein Hospizpläne: Komplizierte Umsetzung
Lokales Ostholstein Hospizpläne: Komplizierte Umsetzung
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18:09 10.10.2017
Die Betreuung von Sterbenden wird in Hospizen gewährleistet.  Quelle: Norbert Försterling dpa/lsw
Neustadt

„Das Echo auf den Artikel war groß. Zahlreiche Leute haben mich angeschrieben. Ärzte der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung, der Hospizverein Neustadt und Pflegekräfte sind dabei“, sagt Herz. Aktuell treibe er das Projekt insbesondere mit Jürgen Nicklas, der mehrere Pflegeeinrichtungen leitete, sowie Architekt Joachim Wegener voran. „Wir haben uns verschiedene Hospize in Kiel und Niebüll angeschaut und denen unser Konzept vorgestellt. Die Resonanz war positiv“, sagt Herz. Auch habe man mit dem Sozialministerium der alten Landesregierung Kontakt aufgenommen. Jedoch habe diese das Vorhaben nicht unterstützt und unter anderem gefordert, dass zehn bis 40 Prozent der Kosten eines Hospiz’ mit Spenden finanziert werden müssten.

Nachdem die Landesregierung im Mai wechselte, sei die Stimmung gekippt – im positiven Sinne. Laut Sascha Herz ist Staatssekretär Dr. Matthias Badenhop (38) das Konzept bereits vorgestellt worden. Der frühere Fachbereichsleiter Soziales, Jugend, Bildung und Sport beim Kreis Ostholstein habe den Arbeitskreis wissen lassen, dass ein Hospiz gewollt sei. Eine LN-Nachfrage beim Ministerium bestätigte den Eingang der Unterlagen am 22. September. Laut Pressesprecher Christian Kohl sollen diese in den Fachabteilungen geprüft werden. „Eine Beurteilung ist erst nach Abschluss der Prüfung möglich“, erklärt Kohl.

Fest steht, dass die Landesregierung anstrebt, weitere Hospizplätze zu schaffen. „In diesem Jahr sind bereits mehrere neue Hospize für Schleswig-Holstein in Planung gegangen. Wahrscheinlich besteht darüber hinaus noch weiterer Bedarf, dies könnte auch für Ostholstein zutreffen“, gibt sich Christian Kohl zurückhaltend. Vorgesehen sei, zwischen 2017 und 2019 jährlich eine halbe Million Euro bereitzustellen. Ein Hospiz müsse jedoch mehrere Bedingungen erfüllen. So sei unter anderem vorgesehen, dass es höchstens 16 Betten gebe. Diese Zahl hält Sascha Herz für zu gering. „Wir benötigen 21 Plätze, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Eine räumlich getrennte Kombination mit betreutem Wohnen wäre ideal. Die Menschen könnten so die Angst vor einem Hospiz verlieren“, betont Herz.

Schwierigkeiten bereitet auch die Grundstückssuche. „Wir benötigen 4000 bis 5000 Quadratmeter“, sagt Herz. Denkbar sei ein Bau im Bereich Lübscher Mühlenberg in Neustadt. Jedoch befindet sich der notwendige Bebauungsplan noch in der Erstellung, was derzeit den Erwerb einer Fläche unmöglich macht. Bauamtsleiterin Antje Weise rechnet damit, dass das Verfahren nicht vor Herbst 2018 abgeschlossen sein wird. Frühestens dann könnte Thilo Gollan, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Gollan aus Beusloe, Land an die Hospiz-Planer veräußern. „Ich finde solche Themen gut und wichtig“, sagt Gollan. So werde ein Ort geschaffen, an dem sich Familie und Freunde von Sterbenden in angenehmer Atmosphäre verabschieden könnten.

Neustadts Bürgermeisterin Dr. Tordis Batscheider (SPD) will das Vorhaben ebenfalls unterstützen. „Ich halte sehr viel von der Idee, ein Hospiz in Neustadt zu errichten. Die Menschen in unserer Stadt und in Ostholstein werden immer älter und zugleich sind Angehörige, die todkranke Familienmitglieder bis zum Ende pflegen könnten, oft nicht vorhanden oder wohnen weit weg“, sagt Batscheider. Die Hospiz-Idee „eines humanen, begleiteten Sterbens ohne Schmerzen“ sei daher sehr zu begrüßen und würde gut zu Neustadt als Gesundheitsstandort passen. Ähnlich äußert sich der Ostholsteiner CDU-Landtagsabgeordnete Peer Knöfler. Er hat den Kontakt ins Sozialministerium hergestellt und spricht von einem Bedarf für eine solche Einrichtung. Er betont aber auch, dass es noch einige rechtliche Dinge zu klären gebe und es kein Projekt sei, das sich innerhalb kürzester Zeit realisieren lasse.

Von Sebastian Rosenkötter

„Am Ende ein Fest“: Film anlässlich des Welthospiztages

In Zusammenarbeit mit dem Hospizverein „Beistand am Lebensende“ zeigt das Kommunale Kino Neustadt heute um 20 Uhr im Kino-Center Neustadt die Tragikomödie „Am Ende ein Fest“: In einem Altersheim in Jerusalem stehen Yana und Max vor einer folgenschweren Entscheidung. Max liegt im Sterben und Yana will ihn von seinen Leiden erlösen. Hilfesuchend wendet sie sich an ihre Freunde Yehezkel und Levana. Da es keiner von ihnen fertigbringt, Max aktive Sterbehilfe zu geben, baut Hobbytüftler Yehezkel eine „Selbsttötungsmaschine“. Nach dem Tod von Max melden sich Personen, die das Gerät nutzen wollen. Wie sollen die Senioren mit diesen Anfragen umgehen?

Karten gibt es in den Buchläden „Buchstabe“ und an der Abendkasse.

Infos zum Welthospiztag (14. Oktober) sowie zur Hospizarbeit finden sich auf www.dhpv.de.

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